Straßenhunde

Die Hunde in Ecuador führen kein solch luxuriöses Leben wie ihre Vettern in Deutschland. In den Supermärkten gibt es kleine Abteilungen für Hundefutter, aber ich glaube nicht, dass es viele Leute hierzulande gibt, die bereit sind, so viel Geld für den besten Freund des Menschen auszugeben wie deutsche Frauchen und Herrchen. Im Supermarkt ist fast alles teuer; viele Produkte, die man aus dem Alltag kennt, kosten hier manchmal ein Vielfaches von dem, was man in Deutschland dafür berappen müsste. Da sind preiswerte Alternativen gefragt. Ich wundere mich, wie die Menschen bei solch horrenden Preisen überleben können. Da lernt man ganz schnell, sich einzuschränken – unsere Reisekasse leerte sich jedenfalls in Null-Komma-Nix.

Die Krone setzte dem aber die Erdnussbutter auf. Ich bin ein großer Fan der Erdnussbutter und wenn ich eine Zeitlang keine bekomme, werde ich wirklich traurig. Hier in Ecuador gibt es einige Gerichte, in denen Erdnüsse oder Maní (das ist der einheimische Name für Peanutbutter) Verwendung finden. Im Supermarkt suchte ich deshalb nach Erdnussbutter. Ich fand sie schließlich, aber der Preis zog mir fast die Schuhe aus – ein kleines Glas kostete an die sechs Dollar, dafür stand aber „Peanutbutter“ auf dem Etikett. Sechs Dollar für ein paar Erdnüsse? Die spinnen, die Ecuadorianer. Ich habe mir die leckere Creme dann später auf dem Markt gekauft. Ein Pfund hat nur einen Dollar und etwas gekostet. Der Händler hat sie mir mit dem Löffel in die Tüte abgefüllt. Aber ich schweife ab.

In Ecuador gibt es Straßenhunde, aber sie werden von den Menschen nicht etwa gejagt oder verscheucht, vielmehr lebt man in einer Art friedlicher Koexistenz. Niemand tut den Hunden hierzulande etwas zuleide, und sie fühlen sich so sicher, dass sie sich mitten auf der Straße zum Schlafen hinlegen. Niemand käme auf die Idee, sie aus dem Weg zu prügeln oder sie vom Platz zu jagen. Hundefänger sucht man vergeblich. Man lässt die Tiere einfach liegen; wenn es nötig ist, macht man einen Bogen. Dafür bellen und beißen die Hunde auch nicht – so lautet der Deal. Nur Hunde, die einen Besitzer haben, kläffen ununterbrochen, wie der Hund unserer Nachbarin in Cumbayá. Sie scheinen zu wissen, dass sie damit Aufmerksamkeit erregen.

In Quito, mitten auf einem großen Platz vor einer Bank, sah ich einen Hund liegen. Erst dachte ich, er sei tot, denn ich konnte nicht erkennen, dass er atmete, und welcher Hund bei Verstand würde sich schon mitten auf einem belebten Platz zum Schlafen legen. Ich beobachtete ihn eine Weile und als ich absolut sicher war, dass er tot sei, ging ich hin. In diesem Moment hob er den Kopf, blickte dösig in die Runde, legte sich wieder hin und schlief einfach weiter. Niemand störte sich daran, dass der Hund ausgerechnet dort lag, wo Hunderte Menschen seinen Weg kreuzen mussten, und der Hund störte sich nicht an den vielen Menschen.

Direkt neben dem Haus in Bahía, in dem wir zeitweilig logieren, gibt es ein kleines Restaurant. Davor liegen immer zwei riesige zottelige Hunde. Der eine ist braun, der andere grau. Ich nahm zunächst an, die Hunde gehörten der Besitzerin, aber dann bekam ich mit, dass es sich um Straßenhunde handelte. Sie liegen den ganzen Tag auf dem Gehsteig, starren gelangweilt in der Gegend rum und sehen zu, dass sie irgendwo etwas Essbares ergattern können. Hundefutter aus dem Supermarkt haben sie wahrscheinlich noch nie zu fressen bekommen. Sie tun niemandem etwas – man kann wenige Zentimenter an ihnen vorbeigehen und sie nehmen keine Notiz davon. Man muss sie auch nicht wegscheuchen, wenn sie den Weg versperren, denn sie merken von allein, wann sie verschwinden sollen. Sie machen einfach Platz und trollen sich.

Einmal fuhr ein Pickup langsam an dem Restaurant vorüber. Der Fahrer hatte seinen riesigen schwarzen Hund auf die Ladefläche gesetzt. Sobald die beiden Lokalmatadoren den Eindringling bemerkt hatten, rasten sie wie wild auf ihn zu, versuchten, in den Pickup zu springen und den fremden Hund zu beißen. Der Pickup fuhr weiter, doch die beiden Platzhirsche verfolgten den Eindringling noch mehrere Blocks weit. Aus der Ferne konnte man sie noch lange Zeit belfern hören.

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