Werbung

Überall in Ecuador sieht man Werbung. Die Werbung ist so omnipräsent wie in irgendeiner deutschen Großstadt. Wahrscheinlich gibt es davon sogar noch mehr, denn anders als in deutschen Städten, in denen von der Traufhöhe bis zur Bordsteinhöhe alles normiert und reglementiert ist, hat man hier immer den Eindruck, vieles folge einer spontanen Eingebung. Man sieht Werbung einfach überall. Das ist nicht weiter überraschend, auffällig ist allerdings der Abstand zwischen der perfekten Werbewelt und der Lebensrealität der Ecuadorianer. Kann man sich in Deutschland noch durchaus der Illusion hingeben, dass die durch die Werbung propagierten Ideale zumindest theoretisch erreichbar sind, so zelebrieren die hiesigen Werbespots eine reine Phantasiewelt, die für die allermeisten Ecuadorianer ein Traum bleiben muss: Man sieht blonde Menschen, die teure Autos oder Jet-Ski fahren, die in Häusern leben, wie der gehobene Mittelstand in Europa sie bewohnt.

Die Werbewelt hier kommt einem vor wie eine bunte Bollywood-Tanzoper. Auf dem Bildschirm breitet sich eine flitterbunte Märchenwelt aus, die mit der Wirklichkeit derart kontrastriert, dass ich nicht glauben kann, jemand bei klarem Verstand wolle sich dies freiwillig ansehen. Legt man den materiellen Reichtum als Maßstab zugrunde, ist das Gros der Ecuadorianer viel ärmer als der durchschnittliche Deutsche (einige wenige sind freilich sehr viel reicher als der druchschnittliche Deutsche). Ich frage mich, wie die einfachen Leute die Werbung sehen. Empfinden sie denn die reichen schönen Menschen mit ihren Häusern, Autos und Jachten nicht als den reinen Hohn? Die Mauern, Elektrozäune, Überwachungskameras und Sicherheitsdienste, mit denen die Gutbetuchten hierzulande ihren Besitz schützen, sprechen eine deutliche Sprache: Wohlstand ist nicht für alle.

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