Sind meine Berichte viel zu kritisch? Sicher sehen andere, die ebenfalls Erfahrungen in diesem Land gesammelt haben (oder deren ganz persönliches Abenteuer noch andauert), die Dinge anders, aber ich kann nur immer wieder betonen, dass dies meine ganz persönliche Sicht ist. Man sagt mir manchmal, ich würde nichts Gutes zu berichten wissen. Ich denke, das entspricht nicht der Wahrheit, aber ein jeder kann sich ja leicht selbst ein Bild machen: Wer diesen Blog aufmerksam liest, wird sehr wohl bemerken, dass meine Texte überwiegend positiv gefärbt sind.
Ich kann es mir jedoch manchmal einfach nicht verkneifen, ein wenig über die Eigenheiten dieses Landes und seiner Menschen zu lästern – es juckt mich dann geradezu in den Fingern, ein unerfreuliches Erlebnis in eine Anekdote zu verwandeln. Wenn man aus einer persönlichen Niederlage einen Witz macht, ist dies immer noch besser, als sich durch Ärger das Leben verleiden zu lassen. Schreiben kann so gleichzeitig Seelen-Therapie sein, und manche Dinge muss man einfach herauslassen, sonst würde man verrückt.
Letztlich schreibe ich ja keinen Reiseführer, der schon deshalb nur positiv berichtet, weil dessen Autor ein Anliegen verfolgt, nämlich möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, in dem Land Urlaub zu machen, das er in seinem Werk anpreist. Aber Schönfärberei ist auf Dauer einfach nur langweilig. Ich wollte in jedem Fall vermeiden, dass meine Texte langweilig sind. Ich denke, eine kleine Spitze an der richtigen Stelle ist für einen Text, was für die Suppe das Salz ist. Es ist mir ein Herzensanliegen, in meinen Posts eine grundsätzlich positive Sicht zu artikulieren, denn dies ist die Art, wie ich dieses Land und seine Menschen wahrnehme. Aber man könnte in einem Paradies leben – es sind immer die Nadelstiche, die man am deutlichsten spürt.