Der Bombero vom Berg

Einige Tage später sollten wir noch einmal zurückkehren – wegen der schönen Aussicht. Zu Füßen der „Fundación Guayasamín“ erstreckt sich das Viertel Bellavista alta. Das ist kein Stadtteil, in dem der Gutbetuchte gern Quartier nehmen würde, denn die Häuser in diesem Viertel sind nur einfache Zwei- oder Dreigeschosser – nichts, was dem übersteigerten Repräsentationsbedürfnis der geltungssüchtigen Mittelklasse genügen könnte. Man sieht Wäsche auf Balkonen und Dachterrassen hängen. Telefon- und Stromleitungen schweben wie ein Gewirr aus Spinnweben frei über den Dächern. Die Gegend sieht nicht reich aus, doch sie versprüht einen gewissen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Neben dem Stiftungsgelände befindet sich eine Feuerwache. Der Bau wirkt wie eine Ferienlodge und wird idyllisch überschattet von einem Eukalyptuswäldchen. An diesem Tag treffen wir nur einen einzigen Bombero mit seinem Hund an (Bomberos sind die Feuerwehrmänner). Meine Frau fragt ihn ein wenig über die Gegend aus und der Mann ist so gesprächig, als wäre er auf seinem einsamen Posten seit Wochen keiner Menschenseele begegnet. Und in der Tat wirkt die Gegend an diesem Tag so ausgestorben, als hätten die Menschen die Erde in einem Exodus verlassen. Vor dem Eingang der Wache warten achträdrige Amphibienfahrzeuge auf ihren Einsatz. Sie sehen fast so aus wie zu kurz geratene Hundertfüßer, aber ich frage mich, wozu man auf einem Berggipfel, noch dazu auf über dreitausend Metern Höhe, ein Amphibienfahrzeug braucht?

Von der Wache aus zieht sich eine Schotterstraße um die Bergflanke herum. Wir fragen, wohin sie führt, und der Bombero erklärt uns, dass es sich um eine Privatstraße handele, die niemand außer den Grundstücksbesitzern befahren dürfe. Als wir ihr später ein Stück zu Fuß folgen, sehen wir Häuser wie Schwalbennester am Hang kleben. Sie sind umgeben von dichten Eukalyptuswäldern, die man vor vielen Jahren angelegt hat, um die Erosion zu stoppen. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf Guápulo mit seinem Franziskanerkonvent und der Kirche darin. Ich war erstaunt zu erfahren, dass der ecuadorianische Zweig der Franziskaner sogar eine eigene Website betreibt. Aber eigentlich ist dies nicht weiter verwunderlich, war doch der Heilige Franz von Assisi den weltlichen Dingen gegenüber stets aufgeschlossen. Guápulo ist außerdem als Künstlerviertel bekannt. Der Anblick ist so eindrucksvoll, dass wir uns fest vornehmen, die Gegend alsbald zu besuchen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..