Am nächsten Tag gehe ich schon am frühen Morgen mit dem Hund Gassi. Die Geschäfte sind noch geschlossen und die Straßen sind wie ausgestorben. Obwohl wir uns im Stadtzentrum befinden, begegnen mir keine Fußgänger. Ich fühle mich ein wenig verloren, denn ich bin ganz allein. Ich könnte nackt durch die Straßen laufen und niemand würde es bemerken. Der Autoverkehr fließt nur dünn auf den viel zu breiten Straßen dahin. Nach der langen anstrengenden Nacht braucht die Stadt Zeit, um wieder in ihren gewohnten Rhythmus zurückzufinden. Wo sind nur all die Nachtschwärmer geblieben? Wahrscheinlich liegen sie ohnmächtig in ihren Betten. Die Stadt fühlt noch immer die Nachwirkungen der nächtlichen Exzesse und erst allmählich erwacht sie aus ihrem Delirium.
Ich versuche einen Flecken Rasen zu finden, auf dem der Hund sein Geschäft verrichten kann, und ich laufe deshalb die Straßen rund um das Hotel ab. Doch meine Suche ist aussichtslos, denn alle Bürgersteige sind durchgehend gepflastert. Es gibt keine Blumenrabatten oder Straßenbäume, keine Rasenstreifen und keine Beete. Der Hund kann sein Geschäft nämlich nur auf Rasen verrichten und wenn Tiere genauso wie Menschen Marotten haben, dann hat dieser Hund ganz bestimmt einen Tick.
Wir laufen an die zwei Kilometer und der Hund markiert bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein Revier, ganz so, als gehörte die Stadt ihm. Denn solange er auf einsamer Flur ist, gebärdet er sich, als sei er der Chef. Kommen aber Rivalen in Sicht, will er nur schnell auf den Arm genommen werden, ganz besonders dann, wenn die Artgenossen ihm körperlich überlegen sind. Am Ende finden wir doch noch eine winzige Erdscholle, kaum größer als ein Fußabtreter, und da endlich lässt der Hund sich herbei zu tun, weswegen wir den morgendlichen Spaziergang unternommen haben.