Freundliche Parkranger

Wir folgten der Panamericana einige Kilometer weiter nach Süden und die Ausschilderung ließ tatsächlich nichts zu wünschen übrig. Wir fanden die Zufahrt zum Cotopaxi-Nationalpark ohne Probleme und nach kurzer Fahrt auf der schön asphaltierten Straße gelangten wir zum Eingangstor. Der ecuadorianische Staat hat seine Naturparks in den letzten Jahren nach US-Vorbild erschlossen und unter Verwaltung genommen. Das imposante Eingangsportal macht jedem Besucher klar, dass er im Begriff steht, eine Grenze zu überschreiten. Wenn man sich dann dem Tor nähert und schließlich hindurchfährt, befällt einen freudige Erregung wie sonst nur im Kino, wenn die Lichter ausgehen und der Film beginnt.

Ausnahmslos jeder, der den Park zu betreten wünscht, muss sich zunächst registrieren lassen. Selbst die Pässe werden eingesehen und das Prozedere erinnert ein wenig an die Abfertigung an einer streng bewachten internationalen Grenze. Der Besucherverkehr war an diesem Tag nicht besonders stark und der große Parkplatz vor dem Eingangstor lag größtenteils verwaist. Die Mehrheit der Besucher schienen Ecuadorianer zu sein. Gringos oder zumindest Menschen, die so aussahen, als wären sie welche (was auf mich zutrifft), sah man nicht. Eigentlich schien ich weit und breit der einzige Nicht-Ecuadorianer zu sein und deshalb fiel ich dem Bodenpersonal der Parkverwaltung natürlich sofort auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass mich der erste Parkranger ansprach, kaum dass ich aus dem Wagen gestiegen war.

Während meine Frau uns für den Besuch anmeldete und die Tickets kaufte, unterhielt ich mich mit dem Mann. Wir stellten einander vor. Er sagte, er heiße Giovanni und sei Parkranger. Mich verwunderte ein wenig, dass man uns so leutselig begrüßte, denn eine solche Umgänglichkeit geht den Leuten aus der Sierra meist ganz ab. Man ist eher verschlossen und oft auch ein wenig reserviert, insbesondere gegenüber Fremden. Hier nun hatte man aber jemanden als eine Art Conferencier angestellt, dem es sichtlich Spaß machte, die Gäste des Parks zu begrüßen, zu informieren und mit ihnen zu plaudern. Wenn man so begrüßt wird, fühlt man sich wirklich willkommen.

Ich fragte Giovanni, ob es denn seine hauptsächliche Beschäftigung sei, Gäste zu begrüßen. Eigentlich schon, meinte er, und er fügte hinzu, dass er seinen Job leidenschaftlich liebe. Doch oft hätte er auch im Park selbst zu tun und Gäste zu empfangen, sei zwar ein wichtiger und auch ein sehr angenehmer Teil seiner Arbeit, aber eben nur ein Teil. Ich bemerkte, er hätte es kaum besser treffen können: Immer sei er in der Natur und zumeist hätte er es mit gutgelaunten Menschen zu tun. Er pflichtete mir ohne Einschränkung bei. Ich fragte ihn, ob ich ein Foto von uns beiden haben könnte. Por supuesto – selbstverständlich! Und so kam die Aufnahme in die Galerie – ich mit Parkranger Giovanni.

Neben dem Eingangstor liegt das Gebäude der Parkverwaltung; man findet dort auch das Besucherzentrum, den unvermeidlichen Souvenirshop und ein Café. In einer Auslage des Cafés entdeckten wir rein zufällig, wonach wir schon so lange gesucht hatten: Coca-Blätter. Zwar nutzen die Einheimischen Coca seit jeher, um die Auswirkungen der Höhenkrankheit zu lindern, aber dennoch ist es ein Rätsel, warum man Coca-Blätter nirgendwo kaufen kann. Hier nun wurden wir fündig und wir kauften zwei kleine Päckchen mit getrockneten Blättern für Tee und eine Salbe. Wem die Höhe zu schaffen macht und wer sich schon hier, am Eingang des Parks, ein wenig flau fühlt, kann sich auch gleich im Café seinen Coca-Tee zur Stärkung bestellen. Im Besucherzentrum des Parks hat der Reisende zudem zum letzten Mal Gelegenheit, eine zivilisierte Toilette aufzusuchen. Die Tour durch den Park dauert mehrere Stunden und man ist gut beraten, das sanitäre Angebot zu nutzen.

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