Connecticut

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Posts, die auf einen einzelnen Blogpost unter dem Titel „Eine wahre amerikanische Odyssee“ zurückgehen. Siehe auch die Einleitung zu dieser Serie!

Niemand ist verletzt und der Wagen fährt auch noch – das sind gute Nachrichten. Ich hoffe, dass die Pechsträhne beendet ist, aber es muss bekanntlich erst noch schlimmer kommen, bevor es besser wird. So ein Unfall kann einen ganz schön durcheinanderbringen und auch wenn eigentlich nicht viel passiert ist – vor allem ist niemand zu Schaden gekommen –, strapaziert selbst so ein kleiner Zusammenstoß die Nerven mehr, als man es für möglich halten möchte.

Nach einer kurzen Pause fühle ich mich so weit hergestellt, dass wir die Reise fortsetzen können, zumal wir unsere Pläne nicht in letzter Minute ändern möchten. Denn eigentlich hält uns nichts mehr in New Jersey. Die Region gehört eher zu den langweiligeren Bundesstaaten und viele seiner Einwohner leben nur deshalb hier, weil sie sich die exorbitanten New Yorker Mieten nicht leisten können. Morgens sind die Vorortzüge mit Pendlern überfüllt und am Abend spielt sich dasselbe Drama in die entgegensetzte Richtung ab. Ich finde, es ist kein großes Versäumnis, den Staat nach ein paar Tagen schon wieder zu verlassen, und auch wollen wir Joao und Tere, bei denen wir kostenlos wohnen dürfen, nicht übermäßig zur Last fallen. Gäste im Haus können die Routine einer Familie ganz gehörig durcheinanderbringen. Wir haben den Eindruck, dass unsere Gastgeber wieder zur Ruhe kommen müssen. Uns aber treibt das Reisefieber.

Unser Ziel ist Newhaven in Connecticut. Dort hat die Yale University ihren Sitz und wir wollen diese berühmte Universität besuchen, um uns einmal selbst ein Bild von einer der berühmtesten Kaderschmieden Amerikas zu machen. Darüber hinaus soll Newhaven eine sehr schöne Stadt sein und schon deshalb lohnt sich die weite Reise. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch Milford, ein Küstenstädtchen in Connecticut etwa zehn Kilometer vor unserem Ziel. Wenigstens einmal möchten wir zum Strand und dann bietet es sich auch an, gleich hier zu übernachten, denn die Hotels in der bekannten Universitätsstadt sind wahrscheinlich viel teurer als die Unterkünfte in dem unbedeutenden Milford. Am nächsten Tag wollen wir weiterfahren.

Milford wirkt heruntergekommen. Viele Bereiche der Innenstadt erscheinen regelrecht verwahrlost – die meisten Geschäfte sind geschlossen, Büros stehen leer und manche Fassade erweckt den Anschein, als ob sie dringend einer Auffrischung bedürfte. Das ist nicht das Amerika, das man von den Hochglanzseiten der Reiseprospekte kennt. Zu anderen Zeiten sah es hier gewiss ganz anders aus: Auf den Straßen die Menschen dicht gedrängt, die Geschäfte lohnend, die Büros voll mit Angestellten, die eifrig damit beschäftigt waren, Geld zu verdienen. Doch nun liegen weite Teile der Innenstadt wie verwaist und hier bei Dunkelheit unterwegs zu sein, ist wahrscheinlich nicht die klügste Idee, die man haben kann. Die Einsicht des Reisenden bleibt meist an der Oberfläche hängen und so ist sein Urteil direkt: Ich hatte den Eindruck, Milford sei eine sterbende Stadt, aber natürlich kann ich mich täuschen.

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