Heute muss man sich nicht mehr ein Fischerboot am Strand von Bahía suchen, wenn man zur Isla Corazón übersetzen möchte. Man überquert die Brücke, welche die Mündung des Río Chone in gerader Linie überspannt, und wenn man die Festlandseite erreicht hat, folgt man der Straße nach Süden. Schon nach wenigen Kilometern gelangt man zu einem Flecken namens Puertobelo.
Der poetische Name gibt Anlass zu den schönsten Hoffnungen, aber um in diesem Ort mehr zu sehen als bloß eine Ansammlung von Hütten, bedarf es schon einer überschäumenden Phantasie. Mir drängte sich der Eindruck auf, Puertobelo sei der letzte Hafen vor dem Ende der Welt. Der Fortschritt scheint an diesem Ort vorbeigegangen zu sein und auch die Brücke, über die das Leben und neue Ideen zur Halbinsel fließen, hat ihn nicht beflügeln können. Puertobelo ist ein von der Zeit vergessenes Dorf am Pazifik, wie es viele in Ecuador geben mag.
Doch der erste Eindruck täuscht und wer die Leute nicht fragt, dem bleibt das Geheimnis verborgen: Bis 1998 war Puertobelo ein wichtiger Ausfuhrhafen für landwirtschaftliche Produkte der Region. Schiffe machten an den Kais in Sichtweite der Mangroveninsel fest. Die Fracht wurde entlang der Küste bis nach Manta verschifft. Als wir den Hafen besuchten, lag aber nicht ein einziges Schiff vor Anker. Die Wasserstraße zwischen Hafen und Insel wirkte wie ausgestorben. Man sah keine Fischer, keine Boote, nicht einmal Touristen. Die weite, leere Wasserfläche glänzte magisch in der grellen tropischen Sonne. Auf der anderen Seite lag zum Greifen nahe die Isla Corazón, still und unberührt wie ein wildes Eden.
Bis 1998 war Puertobelo auf den Karten der Küstenschifffahrt als wichtiger Hafen vermerkt, doch dann kam El Niño und unaufhörliche sintflutartige Regenfälle suchten die Küstenregion heim. Die Wassermassen spülten Unmengen an Sedimenten in die Flussmündung. Lag die Wassertiefe im Hafen vor 1998 bei durchschnittlich 25 Metern, so sind es jetzt gerade einmal fünf bis sieben Meter. Für Schiffe, wie sie für den Transport auf dem Meer nötig wären, reicht die Wassertiefe mittlerweile nicht mehr aus. Die Transportrouten haben sich verlagert und Puertobelo gerät immer mehr in Vergessenheit.