Vater Abraham und die Lamas

Wir nähern uns dem Chimborazo von Südosten. Von Riobamba aus, wo wir die Nacht verbrachten, folgen wir der Panamericana ein Stück weit in umgekehrte Richtung. Nur wenige Kilometer vor der Stadt, kurz hinter einem Flecken namens Calpi, nehmen wir einen Abzweig, der uns in nordwestliche Richtung führt, hinauf zum Chimborazo.

Die Straße ist in vorzüglichem Zustand, der Asphalt so frisch, als wäre er auf die Nachricht unseres Kommens erst in der Nacht zuvor wie ein roter Teppich ausgerollt worden. Wir hoffen, dass uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht, aber ausgerechnet an diesem Morgen ist es trübe und regnerisch. Ein kalter Wind treibt immer wieder feuchten Dunst über die zerklüftete Landschaft. Jede Böe lässt uns zittern. Nieselregen, fein wie Vapor, durchtränkt das Land mit kalter ungesunder Nässe. Die Feuchtigkeit dringt durch sämtliche Kleiderschichten und das Frösteln kriecht einem über den Rücken wie Spinnenbeine.

Der Chimborazo, mit seinen offiziell 6.310 Metern der höchste Berg des Landes, erhebt sich im äußersten nordwestlichen Zipfel der gleichnamigen Provinz. Als sei er eine Grenzfestung, deren unüberwindliche Mauern sich des Ansturms feindlicher Nachbarn zu erwehren hätten, verläuft nur wenige Kilometer nördlich und westlich der Abhänge des Vulkans die Provinzgrenze – im Westen liegt Bolívar, im Norden Tungurahua, eine Provinz, die ihren Namen ebenfalls einem berühmten Vulkan verdankt.

Die Straße, die uns zum Berg führt, überschreitet diese Grenzen, aber da uns keine Schranke und keine weiße Linie auf dem Asphalt daran erinnern, merken wir es nicht. Die Grenzen, die uns der Berg setzt – Eis und Kälte, dünne Luft und Atemnot –, können wir nicht überschreiten und wir wollen es auch gar nicht. Wir belassen es bei einem Besuch an der Pforte, von der aus uns ein flüchtiger Blick ins Reich des ewigen Eises vergönnt ist.

Wir steigen immer weiter ins Gebirge auf. Würden wir der Straße folgen, müssten wir den Berg, der schon bald rechter Hand aus dem Dunst auftaucht, hinter uns lassen und den Pass von El Arenal überwinden, der die Kordillere auf einer Höhe von 4.320 Metern übersteigt. Die Passstraße steht uns noch auf dem Rückweg bevor, doch wir sollen uns gehörig täuschen, als wir leichtsinnig annehmen, dies sei schon der schwierigste Abschnitt der Strecke.

Kurz vor der Passhöhe von El Arenal gibt es einen Abzweig nach Osten. Auf der Schotterstraße, die hier ihren Anfang nimmt, gelangt man hinauf zu einer Stelle direkt unterhalb des eigentlichen Gipfelmassivs. Der wagemutige Reisende ist jedoch gut beraten, sich ausreichend zu motorisieren. Unser Wagen taugt leider nur für gemütliche Flachlandfahrten und es erfordert schon einiges an fahrerischem Geschick und darüber hinaus bedarf es auch noch des vielbeschworenen Quäntchens Glück, um diesen flügellahmen Blech-Ikarus bis an den Rand des Himmels zu hieven.

Und dann sehen wir zum ersten Mal den Berg. Eine Nebelwand öffnet sich wie ein Vorhang und die Natur gibt die Sicht frei auf ein Schauspiel, wie man ihm im Leben wohl kaum ein zweites Mal beiwohnen darf: Hinter einem sanft geschwungenen Hang, der in einen dichten Pelz stacheligen Grases gekleidet ist, thront fern und unnahbar der majestätische Chimborazo. Noch ist das Geheimnis nicht vollständig gelüftet, denn noch zeigt sich der Bergriese nicht in seiner ganzen Pracht, aber allein dieser flüchtige Blick durch den Nebel lässt die gewaltige diamantförmige Felspyramide erahnen. Wir können es kaum erwarten, dem Berg von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen.

Die Gegend rund um den Vulkan wirkt verlassen. Obwohl man allerorten Felder und Weiden sieht, erscheint das Land so leer, als sei es durch ein schreckliches Ereignis entvölkert worden. Der düstere Himmel drückt auf das Gemüt und betrachtet man diese Landschaft nur lange genug, fällt es schwer, sich jener Traurigkeit zu erwehren, die einem wie die feuchte Kälte bis in die Seele zu kriechen scheint. Man hat den Eindruck, niemand könnte hier leben, ohne früher oder später lebensbedrohlicher Schwermut zu verfallen.

Bergbewohner

Wir freuen uns, dass wir doch noch typische Bewohner dieser Gegend treffen: Lamas. Als wir die friedlichen Tiere mit dem warmen wolligen Fell vor uns auf der Straße laufen sehen, glaube ich einen Augenblick lang, es handele sich um Schafe, doch als wir uns nähern, ist der Irrtum schnell aufgeklärt. Ein Hirte führt die Herde auf eine neue Weide und die gutmütigen Lamas lassen sich bereitwillig durch das Gatter lenken. Wir wollen uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und so halten wir und machen Fotos. Die Tiere, an die Nähe des Menschen gewöhnt, zeigen nicht die geringste Scheu. Sie blicken gleichgültig in die Kamera und äsen einfach weiter, als sei es ihr Job, dem Touristen zu jenen Erinnerungsbildern zu verhelfen, die das bekannteste Klischee von den Anden auf das Schönste bestätigen.

Lamas sieht man weitaus seltener als es einem die einschlägigen Reiseanbieter weiszumachen versuchen, und wenn man nicht den abgelegensten Routen durch die Berge folgt, bekommt man sie gar nicht zu Gesicht. Auch ein anderer Reisender nutzt die Gunst der Stunde. Die bunte Wetterschutzkleidung, die er am Leib trägt, weist ihn unzweifelhaft als Touristen aus, und als wir ein paar Worte wechseln, zeigt sich, dass er sogar ein Landsmann ist. Mit seinem langen silbrigen Rauschebart könnte man ihn glatt mit Vater Abraham verwechseln (das ist der mit den Schlümpfen) oder ihn, passend zur Landschaft, für eine Art Alm-Öhi halten. Wir sollten ihm noch öfter begegnen, denn der Tourist folgt – ob er nun will oder nicht – den immer gleichen ausgetretenen Pfaden ins Abenteuer.

Die Straße führt noch höher hinauf. Sie taucht durch Mulden und fräst sich durch Hügel. Die Böschungen beiderseits der Fahrbahn wirken wie frische Schnitte in den Leib der Erde. Wie die Schichten eines Baumkuchens stapeln sich die Zeitalter: jede Lage ein Vulkanausbruch oder ein Staubsturm, eine Gerölllawine oder ein Ascheregen – Tausende Jahre Erdgeschichte, zusammengedrängt auf wenige Meter. Kaum einem Bergtouristen ist der Blick in die Eingeweide des Planeten einen kurzen Stopp wert, aber ich muss unbedingt ein Foto machen.

Irgendwann fahren wir über eine weite Geröllebene, die sich schräg gegen den Himmel neigt, als wäre plötzlich die Erdscheibe gekippt. Wir befinden uns bereits auf der Flanke des Vulkans. Rechter Hand gleitet der Hang ab ins Nirgendwo. Um uns herum ist nur noch Himmel. Am Rande, dort wo der Berg wie abgeschnitten endet, heben sich plötzlich mehrere grazile Gestalten gegen das einheitliche Grau des Himmels ab. Das sind Vicuñas, die wilden Vettern der domestizierten Lamas.

Man bekommt diese Tiere nur sehr selten zu Gesicht, denn anders als ihre Verwandten, sind sie überaus scheu. Sie dulden den Menschen nicht in ihrer Nähe und beim leisesten Anzeichen dafür, dass man sich ihnen nähern wolle, entfernen sie sich. Sie fliehen aber nicht einfach. Ich habe fast den Eindruck, sie meiden uns, wie man jemanden meiden würde, den man auf den Tod nicht ausstehen kann – unauffällig, diskret, aber bestimmt. Ein Mensch könnte die eleganten Läufer ohnehin nicht einholen. Wir sind auf über viertausend Metern Höhe und die Landschaft gleicht der Marswüste. Ich frage mich, wovon die scheuen Tier leben.

Per aspera ad astra

Die Straße ist nur noch ein staubiger Schotterweg, der sich in Serpentinen am Berg hinaufwindet. Eigentlich ist die Steigung nicht sehr groß, doch der schwachbrüstige Motor röchelt in der dünnen Luft wie ein Schwindsüchtiger. Schon die kleinste Mulde im Boden erweist sich als schwerwiegendes Problem und nur ständige Aufmerksamkeit und geschicktes Fahren retten uns jetzt noch davor, hilflos in der Einöde liegen zu bleiben. Einige Male überlegen wir ernsthaft, ob es nicht klüger wäre umzukehren. Doch dann müssen wir uns selber zur Räson rufen, denn schließlich sind wir fast am Ziel und jetzt aufzugeben, wäre eine Schmach, die uns auf ewig anhängen würde.

Meist tasten wir uns im ersten Gang vor und nur mit ein wenig Glück gelingt es auch einmal, in den zweiten hochzuschalten. Damit ist die Maschine schon an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angelangt. Doch es gibt kein Halten, wir müssen immer weiter, denn stehenzubleiben, käme einer Katastrophe gleich: In dem staubtrockenen pulvrigen Schotter können sich die profillosen Reifen nicht festkrallen und beim Anfahren drehen sie einfach durch. Einige Male bleiben wir dennoch stehen, weil der Wagen an einer Steigung erschöpft aufgibt – am Hang verhungert. Nach einer langen Schrecksekunde geht es dann aber doch irgendwie immer weiter: Es ist jedes Mal ein nervenaufreibendes Kunststück, dieses Ärgernis von einem Auto wieder in Gang zu bringen.

Während wir darüber nachdenken, ob es nicht besser sei, dass alle bis auf den Fahrer ausstiegen, um den Wagen ein wenig zu erleichtern, donnern immer wieder SUVs mit aufheulendem Motor an uns vorbei. Die Fahrer beschleunigen, dass die Räder nur so durchdrehen. Staubfontänen sprudeln in die dünne Luft. Ich bin nicht sehr erbaut angesichts der Vorstellung, die letzten Meter auch noch zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Ich verfluche diese Angeber in den SUVs mit den verdunkelten Scheiben und ich verfluche unser Auto und alle Autovermietungen gleich mit (Meine Flüche sind wahrscheinlich gar nicht wirksam, weil ich sowieso nicht an die Macht von Flüchen glaube). Mein Groll wird schnell wieder besänftigt, denn zur rechten Zeit entsinne ich mich eines wichtigen Naturgesetzes, einer Wechselbeziehung, die als bewiesener Lehrsatz dieselbe unumstößliche Gültigkeit beanspruchen kann wie das Newtonsche Gravitationsgesetz: Danach steht die PS-Stärke des Autos in reziprokem Verhältnis zur Größe gewisser Körperteile des Fahrzeugbesitzers (kleiner Tipp: Es sind nicht die Ohren). Ich kann den Fahrern dieser großen, großen Autos nicht länger böse sein; ich empfinde sogar ein wenig Mitleid mit ihnen.

Hütten, Pyramiden und tonisierende Tränke

Es kommt einem Wunder gleich, dass wir unser Ziel in 4.800 Metern Höhe überhaupt erreichen: ein Parkplatz, der so dicht mit Autos zugestellt ist wie die Parkflächen vor Kaufland an einem samstäglichen Verkaufsvormittag. Nur mit Mühe finden wir eine freie Stellfläche. Ich steige aus und sehe mich ein wenig um, und sofort erfasst mich das Bergfieber. Ich will hinauf, immer nur hinauf, höher und höher. Die meisten Besucher scheint derselbe Wahnsinn umzutreiben, denn eine Kette aus bunten Watteanoraks bewegt sich vom Parkplatz aus hinauf zur Pyramide, einem Monument und einer bekannten Landmarke etwa hundert Meter oberhalb der Carrel-Hütte.

Als ich ziellos herumlaufe, begierig, alle Eindrücke aufzusaugen wie ein Schwamm, stehe ich plötzlich vor meinem Landsmann, demselben, dem ich schon einmal bei der Lamaherde begegnet bin und den ich einen Moment lang (irrtümlich) für Vater Abraham hielt. Er fragt mich, wo denn die Whymper-Hütte sei. Ich habe keine Ahnung, aber da diese Berghütte von allen Außenposten der Menschheit in der größten Höhe zu finden ist, nehme ich an, man müsste, um dorthin zu gelangen, den Berg nur weiter hinaufsteigen.

Er scheint mich für den einzigen kundigen Menschen zu halten und in der Tat muss ich in meinen Cargo-Shorts und mit meinen nackten Waden in dieser Höhe – wir sind nun auf fast fünftausend Metern – einen recht verwegenen Eindruck hinterlassen. Wahrscheinlich denkt er sich, wer die Chuzpe hat, mit kurzen Hosen bis an den Rand des ewigen Eises aufzusteigen, würde auch mit Leichtigkeit zum Gipfel marschieren, und zwar noch vor den Frühstücks-Cornflakes (tatsächlich muss man Nachts aufbrechen, um den Abstieg noch rechtzeitig vor dem Abend zu schaffen).

Mit einiger Sicherheit kann ich erklären, dass ich seit Humboldt gewiss der erste bin, den der Berg in kurzen Hosen und Sommerjacke sieht. Wer mich erblickt, muss denken, dass mir die schneidende Kälte und die dünne Luft nichts ausmachen. Doch das ist alles nur ein Missverständnis, denn meine lange, warme Hose ist mir vom Bund bis in die Kniekehle zerrissen, ausgerechnet beim Zitronenpflücken auf der Finca eines Freundes.

Und so stehe ich nun am Rande des Parkplatzes wie ein Strandurlauber am Pazifik, während alle anderen in dicken Thermo-Anoraks und Bergstiefeln zur Pyramide aufsteigen. Doch ich fühle mich von einer Woge jener Euphorie getragen wie sie vor über zweihundert Jahren Humboldt erfasst haben muss, als er den Berg zum ersten Mal sah. Die schockierten Blicke, die ich für meinen leichtsinnigen Aufzug ernte, beflügeln meine Hybris und ebenso sehr befeuern sie meine Entschlossenheit. Ich fürchte, der Höhenrausch hat mich erfasst.

Wir kehren kurz in die Carrel-Hütte ein, um uns für den bevorstehenden Aufstieg zu wappnen. Die Hütte liegt nur einen Katzensprung vom Parkplatz entfernt und ist für gewöhnlich der erste Anlaufpunkt des Laien-Alpinisten. In der dünnen Höhenluft kriecht einem die Kälte rasch bis in die Knochen und dann ist man froh über einen gemütlichen Platz in der mollig warmen Hütte. Auf dem Tresen stehen Doughnuts mit dicker Schokoladenglasur und reich gefüllte Teigtaschen. Wer sonst auch streng auf seine Linie achten mag, hier ist er dankbar für die gehaltvolle Stärkung.

Wir haben genug Reserven und so nehmen wir Vorlieb mit einem erprobten Hausmittel gegen die Höhenkrankheit – Coca-Tee. Mit etwas Zucker schmeckt der heiße Sud gar nicht so schlecht und nachdem ich meine Tasse ausgetrunken habe, fühle ich mich elektrisiert bis in die Haarwurzeln. Meine Wangen glühen und mein Kopf ist so leicht, als wäre mal eben kurz durchgelüftet worden im Oberstübchen.

Übrigens heißen die Berghütten „Whymper“ und „Carrel“ zu Ehren der Erstbesteiger. Das war im Jahre 1880, ein Menschenleben nach Humboldt. Edward Whymper war Engländer und mit Sicherheit wird er im letzten Biwak vor dem Gipfel seinen Tee getrunken haben – keine heroische Großtat zum Ruhme des Empire ohne Tee! Vielleicht schwammen da in Whympers Tasse, passend zum Anlass, ein paar Coca-Blätter.

Über uns wächst der Berg in einen Himmel, in dem das reine kristallklare Azurblau mit jeder weiteren Stunde die Oberhand gewinnt. Der Himmel ist so nah, dass man beinahe die Hände in seinem Blau baden könnte (auf dem Bild hebe ich schon mal die Arme). Wir schließen uns dem Zug der anorakbewehrten Hobby-Alpinisten an und steigen auf zum Pyramiden-Monument. Es sollte nicht die letzte Station sein.

Zweihundert Blogposts

Wächter des Sonnentempels

Am Tage, an dem wir Cuenca Lebewohl sagen, spannt sich ein makellos blauer Himmel über die Anden. Fast könnte man glauben, es sei ein Gott, der auf dieser himmlischen Leinwand seiner Schöpfung die reine Idee von Blau offenbare. Das menschliche Auge, an allgegenwärtige Unvollkommenheit gewöhnt, sucht nach der kleinsten Unregelmäßigkeit, um darin Halt zu finden. Doch es gibt nichts, woran es sich klammern könnte, und so irrt der Blick unstet umher und endet doch wieder auf der Erde.

Es dauert geraume Zeit, bis wir aus der Stadt herausgefunden haben. Es scheint, an allen Ecken wird gebaut und zusätzlich zum Straßenbahnprojekt, dessen Umsetzung die gesamte Innenstadt blockiert, ist man auch noch ziemlich energisch damit zugange, die Ausfallstraßen zu erneuern. Ständig stößt man auf Hindernisse, die Hauptverkehrstrassen sind gesperrt, und bis wir die schlecht oder gar nicht ausgeschilderte Umleitung gefunden haben, vergeht wieder einmal viel Zeit.

Währenddessen fahren wir immer wieder im Kreis; es scheint uns wie Neo zu ergehen, als er einen Weg aus dem Metro-Tunnel des Trainman sucht. Selbst Google Maps, unser allwissender Cicerone und Führer durch alle Lebenslagen, kann natürlich nicht sämtliche Sperrungen in einer Provinzstadt irgendwo in den Anden kennen. Der freundliche Monopolist kennt mich zwar besser als ich mich selbst, aber uns aus dieser nicht sehr großen Stadt zu führen, damit tut er sich schwer. Wir haben fast den Eindruck, Cuenca will uns nicht gehen lassen an diesem wundervollen Tag mit seinem blauen, blauen Himmel.

Doch der Zufall ist ausnahmsweise einmal auf unserer Seite und schließlich finden wir doch die Panamericana, die uns geradewegs nach Norden führt, zum Chimborazo, Humboldts Schicksalsberg. Doch zuerst machen wir Station in Ingapirca: Bei Sonnenschein wirkt die Ruine des Sonnentempels noch viel eindrucksvoller. Majestätisch hebt sich das massive Gemäuer gegen den ätherisch blauen Himmel ab. Alles erscheint viel wirklicher als bei Regen, wenn die Ruinen, die Landschaft und der Himmel ineinander zu verschmelzen scheinen wie Wasserfarbe in einem traurigen Gemälde. Doch hoch in den Anden muss man immer mit Wetterkapriolen rechnen und das letzte Mal, da wir diesen Ort besuchten, schüttete der Himmel wahre Sturzbäche über unseren Köpfen aus.

Im hellen Licht des Tages gewinnt die Wirklichkeit an Kontur und wie nur bei wenigen Gelegenheiten gelingt es dem Besucher sich vorzustellen, wie die einst in pures Gold gekleideten Wände des Tempels vor den Augen des Inka im Sonnenglanz erstrahlt sein mögen. Wir spazieren mit der Sicherheit und Gelassenheit des erfahrenen Besuchers durch die Anlage. Die Erklärungen des Führers – niemand darf die Ruinenstätte ohne Guide betreten – rauschen an uns vorbei wie das Säuseln des Windes, der um die Mauern des Tempels streicht. Wir halten uns ein wenig abseits der Gruppe, die sich im Mauergeviert des Sonnentempels zu einem Erlebnis-Gruppenfoto aufbaut, wie man es zu Millionen im Internet finden kann. Man fragt, ob ich mich dazustellen wolle, aber warum sollte ich mich zusammen mit wildfremden Menschen fotografieren lassen, um dann auf deren Facebookseite als Staffage in die Kamera zu grinsen?

Denkmalschutz ist relativ neu in Ecuador – zumindest wenn man das Alter der zu beschützenden Stätten in Relation zu den Bemühungen um deren Schutz setzt. Erst in den letzten Jahren hat das bedrohte präkolumbianische Erbe im ecuadorianischen Staat einen mächtigen Hüter gefunden. Vorbei sind die Zeiten, da der abenteuerlustige Besucher die Mauern des Tempels ersteigen durfte, ohne dass ihn eine staatliche Behörde, geschweige denn der kraftlose Hausherr, daran hätten hindern wollen.

Das Land bemüht sich sehr um den Erhalt seines kulturellen Erbes, dessen Wert die breite Öffentlichkeit aber erst in jüngster Zeit erkannt hat. In manchen Gegenden wird die Plünderung archäologischer Stätten und Kunstraub auch heute noch als kaum mehr denn ein Kavaliersdelikt erachtet. Doch hier in Ingapirca nimmt der Staat seine Verantwortung sehr ernst und man ist sogar darum bemüht, die in den letzten Jahrzehnten angerichteten Schäden so gut es geht zu beheben.

Auf einer Wiese unterhalb der Tempelplattform sehen wir Gesteinsquader liegen, fein säuberlich ausgerichtet in Reih und Glied. Unser Führer erklärt, dass es sich bei den Blöcken um Teile der Tempelanlage handele. Die Steine wären von den Bewohnern der Gegend seit Jahrzehnten zum Bau von Häusern und Stallungen verwendet worden. Natürlich war das kein Diebstahl und auch kein Vandalismus (allenfalls Archäologen oder Kunsthistoriker hätten die rohe Tat als solchen betrachtet), denn lange existierte nicht einmal ein Gesetz, das die Zerstörung unersetzbarer historischer Stätten unter Strafe stellte. Die Ruinen galten den meisten lange Zeit wohl kaum mehr als ein Haufen alter Steine, die man jedoch, da sie schon behauen waren, vorzüglich als Baumaterial nutzen konnte.

Die Regierung hat einen Aufruf gestartet und die Menschen gebeten, die Steine wieder zurückzubringen. Und tatsächlich sind die Quader, die einst von den besten Steinmetzen der Inkas in Form gehauen wurden, um der Verherrlichung eines Gottes zu dienen, wieder zurückgekehrt, gerade so, als erinnerten sie sich daran, wo ihr angestammter Platz sei. Und da liegt es nun, das Erbe der Vorfahren, wie zum Spalier angetreten und darauf wartend, endlich nach Hause zurückkehren zu dürfen. Ich will hoffen, dass man die Steine freiwillig zurückgebracht hat, aus Einsicht, aber irgendwie will es mir nicht so ganz gelingen, daran zu glauben.

Es wird sicher noch viele Jahre dauern, die Blöcke wieder an ihren alten Platz zu befördern, und den Archäologen wird dieses Puzzle bestimmt noch so manches Kopfzerbrechen bereiten. Sie sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden, trotz leistungsfähiger Computer. Doch lässt sich wohl kaum auch nur ein einziges Beispiel finden, durch das der Beweis angetreten werden könnte, dass es leichter ist, etwas wieder zusammenzufügen als es zu zerstören.

Als wir die Ruinenstätte durch einen Hohlweg verlassen, werfe ich einen Blick zurück. Im Gegenlicht hebt sich der Tempel noch viel schärfer gegen den Himmel ab und die Mauern, in Schatten getaucht, umgibt eine geradezu mystische Aura. Ein Angehöriger des Wachschutzes steht am Rande der Plattform aus fugenlos zusammengefügten Quadern und wie ein einsamer Verteidiger gegen eine Übermacht von Feinden will er nicht von seinem Platz weichen. Ich lasse geraume Zeit verstreichen, um ihm die Chance zu geben, endlich zu verschwinden, doch er bleibt wie angewurzelt stehen und beäugt mich aufmerksam, gerade so, als fürchtete er, ich könnte zurückkommen und Steine aus der Mauer stehlen.

Zuerst ärgere ich mich, weil ich den Tempel einmal ganz ohne Menschen in ein Foto bannen möchte, doch als ich dann ein paar Aufnahmen mache, will mir scheinen, die winzige menschliche Figur am Rande der Plattform sei so etwas wie der unsterbliche Wächter dieses Heiligtums: Durch die Zeiten hindurch hütet er die Wohnstätte des Sonnengottes.

Der Himmel hat sich mittlerweile bedeckt und ein paar vereinzelte Wattewolken schwimmen gemächlich wie Treibeisschollen durch das Blau. Manchmal schieben sie sich für Sekunden vor die blendend weiße Sonnenscheibe. Dann gleißen sie silbrig und scheinen von innen heraus zu glühen und wenn die Wolken dann weiterziehen, ist es, als habe der Gott geblinzelt.

Abschied vom Pazifik

Am Tag vor unserer Abreise aus Bahía fahren wir nach Manta an den Strand. Santa Marianita liegt nur wenige Kilometer westlich der großen Stadt und doch hat man den Eindruck, man sei einen halben Kontinent und einen Ozean von der nächsten größeren Ansiedlung entfernt. Der Strand ist mit dem Auto gut erreichbar, denn die nagelneue Küstenstraße – ein Teilstück von Ecuadors Küstenautobahn, der Ruta del Spondylus – verbindet Manta auf dem kürzesten Weg mit all den anderen wundervollen Orten, die sich jenseits der Stadt wie Perlen an einer Kette aufreihen.

Kurz vor Manta kommen wir durch einen Wald von Ceibos, jenen gewaltigen Bäumen, deren bauchig ausladende Stämme an Wasserschläuche erinnern. Der Baum speichert darin das kostbare Nass, das er braucht, um die langen Trockenzeiten zu überstehen. Die Gegend erinnert in der Tat an eine Wüste und außer den Ceibos und etwas Gestrüpp, das sich verzweifelt an die staubtrockene Krume krallt, sieht man so gut wie kein Leben. (Es kann allerdings vorkommen, dass man in dieser gottverlassenen Gegend echten Aliens begegnet, Reisenden von fremden Welten, die auf diesem lebensfeindlichen Planeten gestrandet sind mit nichts weiter bewaffnet als einer teuren Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv.)

Bei Manta empfängt uns der pazifische Ozean wie eine Offenbarung. Sonnenglanz liegt blendend hell auf dem Wasser. Die See wiegt sich im Glitzern von Abermillionen von Diamanten. Im Hafen von Manta schaukelt ein Wald von Masten sanft in den Wellen. Ich habe Lust, an Bord zu gehen. Die Magie dieses ruhigen sonnigen Ozeans lockt mich an die entferntesten Gestade. Der Parkplatz vor dem Murcielago-Beach, dem Vorzeigestrand der Stadt, ist nicht übermäßig gefüllt – seit dem Beben hat Manta, wie viele Städte an der Küste, empfindliche Einbußen im Tourismusgeschäft hinnehmen müssen.

Es hat den Anschein, in Santa Marianita würde der Strand nur auf uns warten. Man sieht eine Handvoll Badender, aber sie verlieren sich in der schier grenzenlosen Ausdehnung der Küste. Die bunten Segel der Kite-Drachen hängen am ätherisch blauen Himmel. Sie wiegen sich im Wind wie Blumen an dünnen Blütenstängeln. Immer hat man den Eindruck, man sei allein. Das Geräusch des Windes und der Klang der Wellen verschlucken die Stimmen der anderen Besucher. Doch es besteht auch keine Notwendigkeit, enger zusammenzurücken, denn der Strand scheint an diesem Tag ohnehin viel zu groß zu sein für so wenig Gäste.

Später, ermattet von Sonne und Meer wie die Quallen in den Gezeitentümpeln, versuchen wir irgendwo etwas zu essen. Die Bars in unserem Rücken sind geschlossen wie auch fast alle Restaurants. Wir müssen weit laufen, um überhaupt ein Lokal zu finden, das geöffnet hat, und dann ist das Essen ziemlich gewöhnlich, aber dafür kommen uns die Preise reichlich übertrieben vor. Vielleicht empfindet es das halbe Dutzend Gäste, das trübsinnig an den Tischen hockt, ganz genauso: Missmutig stochern die Leute in den lieblos zubereiteten Fisch- und Krabbengerichten herum. Nicht wenige erwecken ganz den Anschein, als bedauerten sie, etwas bestellt zu haben. Wir kaufen nur Wasser und eisgekühlte Fanta und begnügen uns darüber hinaus mit Keksen und Schokolade aus unserem Notvorrat.

Der Hund hetzt derweil am Strand umher, als hätte man ihn mit starken Aufputschmitteln vollgepumpt. Mit hängender Zunge jagt er am Wasser entlang. Zu versuchen, ihn wieder einzufangen, wäre aber zwecklos, denn obwohl er so klein ist, kann er rennen wie ein geölter Blitz. Irgendwann hat er genug und dann kommt er von allein zurück, glücklich hechelnd, wie mir scheinen will. Ins Wasser wagt er sich zwar nicht, aber dafür gräbt er mit großer Hingabe Löcher in den Sand. Vielleicht hat ja jemand seine Lieblingssnacks am Strand verbuddelt. So ein verrücktes Hundi!

Wir bleiben, bis die Sonne nur noch zwei Hände breit über dem Meereshorizont hängt. Wir hätten die Abendstimmung gern noch ein wenig länger genossen, aber wir müssen zurück nach Bahía. Nächtliche Fahrten auf den größtenteils unbeleuchteten Straßen sind nicht immer ein Vergnügen und ganz ungefährlich sind sie auch nicht. Wir möchten nicht in Verlegenheit geraten, Manta, die große, quirlige Hafenstadt, nach Einbruch der Dunkelheit durchqueren zu müssen, zumal sich das Korps der freiwilligen „Helfer“, das die Stadt nächstens nach hilfsbedürftigen Fremden durchstreift, seit der Erdbebenkatastrophe beträchtlich vergrößert hat.

Das herabsinkende Tagesgestirn breitet seinen Strahlenfächer über das Meer und wo das Licht den Ozean berührt, verwandelt dieser sich in geschmolzenes Silber. Unter einer dünnen erkalteten Kruste scheinen die Wolken von innen heraus zu glühen. Schiffe ziehen über den Horizont, schwimmen durch die trüben Lichtbalken, als versuchten sie, den Tag mit ihren Netzen einzufangen. Wir spüren eine große Wehmut, denn es ist der letzte Abend, den wir in Bahía verbringen sollten, und es ist unser letzter Besuch am Strand. Schon bald werden wir vom Pazifik Abschied nehmen. Es wird ein Abschied für immer sein.

Manta: Santa Marianita

Maria Vicenta will uns nicht von Manta Abschied nehmen lassen, ohne uns an einen weiteren spektakulären Strand geführt zu haben. Auf einer Piste, deren Asphalt so unberührt scheint, als wäre er erst in der Nacht zuvor gegossen worden, fahren wir nach Santa Marianita. An diesem wie an allen Tagen scheint die Sonne aus einem feindlich blauen Himmel unerbittlich auf das ausgedörrte Land. Zwischen grellem Sonnenschein und Schatten gibt es keine Nuancen und das Gleißen über der Fahrbahn ist so stark, dass einem die Augäpfel schmerzen. Zwar weiß jedes Schulkind, dass sich Wärme und Licht aus dem nuklearen Feuer im Innern der Sonne speisen, doch erst hier möchte man es wirklich glauben. Die Sonne am tropischen Himmel ist ein anderer Stern als die kühle silbrige Scheibe, die sich im Nebeldunst des Nordens verbirgt, und man bekommt ihre Kraft zu spüren als eine dem Menschen feindlich gesinnte Naturgewalt.

Wir fahren vorbei an ockerfarbenen Hügeln, an Dornengestrüpp und ausgedörrter Erde. Doch dann, wie aus heiterem Himmel, öffnet sich der Blick auf den Ozean. Sein Anblick ist wie eine alles überwältigende Offenbarung. Das Blau des Meeres unter dem allgewaltigen Himmel ist unbeschreiblich – so wie man sich den Pazifik in seinen Träumen immer vorgestellt. In diesem Augenblick scheint es mir nicht mehr verwunderlich, dass die Alten Himmel und Meer von Gottheiten bevölkert glaubten. Doch selbst ein Gott müsste weichen vor der Majestät des Anblicks und auch ein noch so betörender Traum könnte unmöglich bestehen vor der Kraft dieses Bildes.

Santa Marianita ist kein unentdecktes Paradies, sondern eines, zu dem die Annehmlichkeiten moderner Infrastruktur wie zeitgenössischer Konsumkultur gefunden haben: Es gibt Parkplätze, einige Strandbars, mehrere kleine Pensionen und nicht einmal eine Handvoll Restaurants wartet in den Hügeln hinter dem Strand auf Gäste. Nichts von alledem ist auf Massenandrang ausgelegt. Am Strand selbst geht es sehr ruhig zu. Die meisten Gäste lümmeln in den Bars oder Restaurants, nur einige Verwegene werfen sich in die Wellen, andere sieht man erste vorsichtige Schritte mit dem Kite machen. Obwohl Meer und Strand geradezu zum Badevergnügen einladen (aber wann tun sie das nicht!), sieht man weit weniger Badewillige als an einem beliebigen Ostseestrand bei schlechtem Wetter. Die Leute können den Strand an ausnahmslos jedem Tag des Jahres genießen – da würde man irgendwann auch das Paradies über haben.

Es gibt erstaunlich viele Kiter an diesem Strandabschnitt, doch einen echten Profi sucht man vergeblich unter ihnen. Die besten sind allenfalls passable Amateure. Die meisten aber, die sich in die Gurte schnallen lassen, stellen sich so linkisch an, dass man in ihnen sofort den Anfänger erkennt. Ihrem blassen Teint nach zu urteilen, handelt es sich um Touristen. Die einheimischen Ausbilder legen ihnen die Geschirre an und der warme auflandige Wind füllt die bunten Schirme und lässt sie in den Himmel steigen. Ein eigenes Brett bekommen die Eleven aber noch nicht unter die Füße, denn erst einmal müssen sie lernen, mit dem Schirm über den Strand zu gehen und dabei sollen sie ein Gefühl für das Segel und die Launen des Windes entwickeln. Peinliche Missgeschicke, wie an anderen Stränden, wo Kiter in spe schon einmal bäuchlings hundert Meter über den Sand geschleift werden, wissen die Instruktoren zu verhindern. Jedenfalls ist mir kein Strandbesucher begegnet, dessen Bauch die verräterischen Brandspuren aufwies. Wie ich höre, kostet ein Kite-Kurs gerade dreihundert Dollar, und ich bin versucht, es zu wagen. Es muss einfach herrlich sein, allein mit der Kraft des Windes scheinbar schwerelos über die Wellen zu gleiten.

Während mein Sohn und ich uns kühn wie die Galapagos-Leguane ins Meer werfen, machen es sich meine Frau und ihre Freundin in einer der Strandbars bequem. Wie üblich haben sie viel zu bereden und das große Bier, das ich vor Maria Vicenta stehen sehe, scheint ihre Zunge noch mehr als sonst zu lösen. Meine Frau braucht solch einen Zungenlöser natürlich nicht. Sie kann auch so stundenlang reden, aber ich werde den Verdacht nicht los, der Barmann habe ihr eine Überdosis Aufputschdrogen in den Fruchtsaft gerührt. Doch Redseligkeit entspricht dem Naturell der Küstenbewohner und wer noch nicht erlebt hat, was es heißt, von einer Wortlawine ausgeknockt zu werden, der sollte die Madrina meiner Frau (also ihre Patentante) kennenlernen. Diese Frau kann schneller sprechen als ein Maschinengewehr zu schießen vermag, und zu allem Unglück kann sie es auch noch länger, viel länger. Widerstand ist zwecklos und eigentlich kann man die Wortflut nur wie eine Naturkatastrophe über sich ergehen lassen und hoffen, dass man alles ohne größeren Schaden übersteht (posttraumatische Störungen sind natürlich nicht auszuschließen).

Die Wellen werfen meinen Sohn und mich mit unbändiger Gewalt umher. Ein paarmal ziehen mich die Brecher unter Wasser: Man hört nur noch Rauschen und das Geräusch rollender Kiesel. Es ist finster wie am Grunde der Tiefsee. Im Bruchteil einer Sekunde verliert man jede Orientierung, und man kommt sich vor, als säße man mit verbundenen Augen in einer Achterbahn. Oft weiß man nicht, ob man kopfüber wie eine gekenterte Boje in der Dunkelheit treibt. Doch dann, als würde man von einem Wal ausgespuckt gleich einem unverdaulichen Happen, wird man wie ein Korken an die Oberfläche gespült und erst jetzt gibt es wieder Oben und Unten. Die Wasserwand rollt weiter auf den Strand, doch prustend und lachend und gierig nach Luft schnappend erwartet man schon die nächste Woge.