Manta: Santa Marianita

Maria Vicenta will uns nicht von Manta Abschied nehmen lassen, ohne uns an einen weiteren spektakulären Strand geführt zu haben. Auf einer Piste, deren Asphalt so unberührt scheint, als wäre er erst in der Nacht zuvor gegossen worden, fahren wir nach Santa Marianita. An diesem wie an allen Tagen scheint die Sonne aus einem feindlich blauen Himmel unerbittlich auf das ausgedörrte Land. Zwischen grellem Sonnenschein und Schatten gibt es keine Nuancen und das Gleißen über der Fahrbahn ist so stark, dass einem die Augäpfel schmerzen. Zwar weiß jedes Schulkind, dass sich Wärme und Licht aus dem nuklearen Feuer im Innern der Sonne speisen, doch erst hier möchte man es wirklich glauben. Die Sonne am tropischen Himmel ist ein anderer Stern als die kühle silbrige Scheibe, die sich im Nebeldunst des Nordens verbirgt, und man bekommt ihre Kraft zu spüren als eine dem Menschen feindlich gesinnte Naturgewalt.

Wir fahren vorbei an ockerfarbenen Hügeln, an Dornengestrüpp und ausgedörrter Erde. Doch dann, wie aus heiterem Himmel, öffnet sich der Blick auf den Ozean. Sein Anblick ist wie eine alles überwältigende Offenbarung. Das Blau des Meeres unter dem allgewaltigen Himmel ist unbeschreiblich – so wie man sich den Pazifik in seinen Träumen immer vorgestellt. In diesem Augenblick scheint es mir nicht mehr verwunderlich, dass die Alten Himmel und Meer von Gottheiten bevölkert glaubten. Doch selbst ein Gott müsste weichen vor der Majestät des Anblicks und auch ein noch so betörender Traum könnte unmöglich bestehen vor der Kraft dieses Bildes.

Santa Marianita ist kein unentdecktes Paradies, sondern eines, zu dem die Annehmlichkeiten moderner Infrastruktur wie zeitgenössischer Konsumkultur gefunden haben: Es gibt Parkplätze, einige Strandbars, mehrere kleine Pensionen und nicht einmal eine Handvoll Restaurants wartet in den Hügeln hinter dem Strand auf Gäste. Nichts von alledem ist auf Massenandrang ausgelegt. Am Strand selbst geht es sehr ruhig zu. Die meisten Gäste lümmeln in den Bars oder Restaurants, nur einige Verwegene werfen sich in die Wellen, andere sieht man erste vorsichtige Schritte mit dem Kite machen. Obwohl Meer und Strand geradezu zum Badevergnügen einladen (aber wann tun sie das nicht!), sieht man weit weniger Badewillige als an einem beliebigen Ostseestrand bei schlechtem Wetter. Die Leute können den Strand an ausnahmslos jedem Tag des Jahres genießen – da würde man irgendwann auch das Paradies über haben.

Es gibt erstaunlich viele Kiter an diesem Strandabschnitt, doch einen echten Profi sucht man vergeblich unter ihnen. Die besten sind allenfalls passable Amateure. Die meisten aber, die sich in die Gurte schnallen lassen, stellen sich so linkisch an, dass man in ihnen sofort den Anfänger erkennt. Ihrem blassen Teint nach zu urteilen, handelt es sich um Touristen. Die einheimischen Ausbilder legen ihnen die Geschirre an und der warme auflandige Wind füllt die bunten Schirme und lässt sie in den Himmel steigen. Ein eigenes Brett bekommen die Eleven aber noch nicht unter die Füße, denn erst einmal müssen sie lernen, mit dem Schirm über den Strand zu gehen und dabei sollen sie ein Gefühl für das Segel und die Launen des Windes entwickeln. Peinliche Missgeschicke, wie an anderen Stränden, wo Kiter in spe schon einmal bäuchlings hundert Meter über den Sand geschleift werden, wissen die Instruktoren zu verhindern. Jedenfalls ist mir kein Strandbesucher begegnet, dessen Bauch die verräterischen Brandspuren aufwies. Wie ich höre, kostet ein Kite-Kurs gerade dreihundert Dollar, und ich bin versucht, es zu wagen. Es muss einfach herrlich sein, allein mit der Kraft des Windes scheinbar schwerelos über die Wellen zu gleiten.

Während mein Sohn und ich uns kühn wie die Galapagos-Leguane ins Meer werfen, machen es sich meine Frau und ihre Freundin in einer der Strandbars bequem. Wie üblich haben sie viel zu bereden und das große Bier, das ich vor Maria Vicenta stehen sehe, scheint ihre Zunge noch mehr als sonst zu lösen. Meine Frau braucht solch einen Zungenlöser natürlich nicht. Sie kann auch so stundenlang reden, aber ich werde den Verdacht nicht los, der Barmann habe ihr eine Überdosis Aufputschdrogen in den Fruchtsaft gerührt. Doch Redseligkeit entspricht dem Naturell der Küstenbewohner und wer noch nicht erlebt hat, was es heißt, von einer Wortlawine ausgeknockt zu werden, der sollte die Madrina meiner Frau (also ihre Patentante) kennenlernen. Diese Frau kann schneller sprechen als ein Maschinengewehr zu schießen vermag, und zu allem Unglück kann sie es auch noch länger, viel länger. Widerstand ist zwecklos und eigentlich kann man die Wortflut nur wie eine Naturkatastrophe über sich ergehen lassen und hoffen, dass man alles ohne größeren Schaden übersteht (posttraumatische Störungen sind natürlich nicht auszuschließen).

Die Wellen werfen meinen Sohn und mich mit unbändiger Gewalt umher. Ein paarmal ziehen mich die Brecher unter Wasser: Man hört nur noch Rauschen und das Geräusch rollender Kiesel. Es ist finster wie am Grunde der Tiefsee. Im Bruchteil einer Sekunde verliert man jede Orientierung, und man kommt sich vor, als säße man mit verbundenen Augen in einer Achterbahn. Oft weiß man nicht, ob man kopfüber wie eine gekenterte Boje in der Dunkelheit treibt. Doch dann, als würde man von einem Wal ausgespuckt gleich einem unverdaulichen Happen, wird man wie ein Korken an die Oberfläche gespült und erst jetzt gibt es wieder Oben und Unten. Die Wasserwand rollt weiter auf den Strand, doch prustend und lachend und gierig nach Luft schnappend erwartet man schon die nächste Woge.

Manta: Leben hinter Mauern und zweimal Strand

Die Urbanisation Manta Beach liegt direkt am Highway und wenn man sich nähert, glaubt man zunächst, es handele sich nicht um einen Wohnpark, sondern um eine wichtige militärische Einrichtung, denn die Zufahrt ist gesichert, als würden hinter den Mauern nicht Menschen leben, sondern Atomsprengköpfe gelagert oder ein Arsenal tödlicher Biowaffen. In den USA habe ich Militärbasen gesehen, die weniger gut bewacht wirkten als der Eingang zu dieser Siedlung. Maria Vicenta, die Freundin meiner Frau, holt uns am Tor ab und wir fahren zu ihrem Haus.

Das Areal ist innerhalb der schützenden Mauern weiträumig bebaut und die ganze Anlage ist groß wie eine Kleinstadt. Die Grundstücke um jedes Haus sind so riesig, dass nirgendwo zwei Häuser aneinanderstoßen, und oft ist sogar Platz genug, dass ein Dutzend Leute dazwischen Fußball spielen könnten. Alles wirkt ein bisschen kahl, denn das trocken-heiße Klima verhindert, dass Bäume wachsen. Hier und da kämpft eine Palme gegen die Trockenheit und den Staub an, aber dort, wo Grundstücke verlassen stehen oder noch nicht erschlossen sind, sieht man nichts als staubtrockene Erde und Dornengestrüpp.

Die Vorgärten müssen auf den obligatorischen Rasen verzichten und manch einer, der sich damit nicht abfinden kann, versucht der Natur zu trotzen, indem er sich Kunstrasen vor dem Haus ausrollen lässt. Der Plasterasen ist so grün, dass es schon in den Augen sticht, und im Kontrast zu den teuren Häusern erscheint er nur um so billiger. Die Wohnanlage indes gehört zu den teuersten und exklusivsten der Stadt. Maria Vicenta versichert, es gäbe überhaupt nur eine Siedlung, die noch teurer sei. Die Häuser, die wir sehen, würden jedem Vorstadt-Nobelviertel in Deutschland zur Ehre gereichen.

Bis das Mittagessen fertig ist, dauert es noch eine Weile und so macht unsere Gastgeberin den Vorschlag, an die Playa de murcielago, den Fledermausstrand, zu fahren. Murcielago Beach ist einer der prominentesten Strände der Stadt und will man den Reiseführern glauben, der einzige Strand innerhalb der Stadtgrenzen, an dem man dank Strandpatrouille nicht fürchten muss, dass einem die Unterhosen nebst anderen Dingen abhanden kommen, während man sorglos im Meer schwimmt. Der Sohn Maria Vicentas arbeitet bei der Strandaufsicht und so müssen wir auch nicht die übliche Taxe für die Benutzung des Parkplatzes entrichten.

Die Playa de murcielago bietet alles, was sich der an den Komfort karibischer Ressorts gewöhnte Strandurlauber nur wünschen kann: Um eine große Plaza einen Steinwurf hinter dem Sandstrand reiht sich ein Dutzend Restaurants, deren Schlepper hungrige Spaziergänger mal marktschreierisch, mal höflich-reserviert in die auf Massenansturm ausgelegten Fresstempel zu locken versuchen. Zwischen den Restaurants finden sich die üblichen Souvenirshops und die unvermeidlichen Boutiquen, in denen Strandkleidung und Accessoires feilgeboten werden.

Es gibt eine unscheinbare Kaffeerösterei, welcher aber ein so verführerischer Duft nach frisch gerösteten Bohnen entströmt, dass man sofort Lust auf eine schöne Tasse Kaffee bekommt. Doch an diesem Tag herrscht eine infernalische Hitze und das einzige, wonach man sich nach einer Stunde auf dem heißen Sand wirklich sehnt, ist Schatten und ein kühles Blondes. Mitten auf der Plaza steht das Zelt eines Tätowierers, in dem sich der abenteuerlustige Strandbesucher das unvermeidliche Tribal oder einen neckischen Delfin zum Andenken stechen lassen kann. Für jedes noch so kleine Bedürfnis der zahlreichen Besucher an diesem Tag ist gesorgt, doch die eigentliche Sensation an der Playa de murcielago ist das Meer: Der Pazifik ist türkisblau und der Horizont scheint unter dem Azur des Himmels geradezu in eine jenseitige Welt entrückt. Wann im Leben sieht man schon einmal solches Blau!

Nach dem Mittagessen soll es nicht bei einer Stippvisite am Strand bleiben. Maria Vicenta fragt uns, welche Art Strand wir bevorzugen würden: den ruhigen, einsamen oder lieber einen solchen, wo sich Jubel, Trubel und der übliche Konsum ein Stelldichein geben. Ohne zu überlegen entscheiden wir uns für das Friedvolle. Nach zwanzigminütiger Fahrt über frisch gepflasterte Highways, über deren heißem Asphalt die Fata Morgana wabert, erreichen wir einen Strand außerhalb der Stadt. Man könnte mit dem Auto geradewegs ins Meer fahren, doch wir sind ja keine Barbaren und deshalb parken wir den Wagen ein wenig oberhalb des Strandes neben einer windschiefen Palmstrohhütte, dem einzigen Hinweis am ganzen Strand, dass Menschen diesen Planeten bewohnen. Nicht viele Besucher haben am Nachmittag hierher gefunden – kaum ein halbes Dutzend Autos parkt oberhalb des Strandes neben der Hütte. Die wenigen Besucher verlieren sich geradezu in der Einsamkeit des über einen Kilometer langen Sandstrandes.

Ockerfarbene Berge, rau und kahl wie die Abhänge eines Mondkraters, umschließen den Strand gleich dem gezackten Rand einer Muschelschale. Und in der Tat scheint es dem Auge, als schmiege sich der Sandstreifen an die Berge wie das glatte Innere der Muschel an den gewölbten Rand der Schale. Die Pazifikküste macht bei Manta einen scharfen Bogen und der Strand verläuft daher nicht in Nord-Süd- sondern in Ost-West-Richtung. Das westliche Ende der Bucht wird von einem Vorgebirge begrenzt, dessen äußerste felsige Ausläufer an eine Sphinx erinnern, die wie die Wächterin des Meeres über den Wellen thront und deren steinernes Antlitz hinaus auf den weiten Horizont des Ozeans gerichtet ist.

Ich sitze im warmen Sand und schaue den Jungs beim Herumtollen in den Wellen zu. Einmal gehe ich mit ins Wasser – das Meer reißt einen mit Gewalt von den Beinen und wirbelt einen herum, dass man glaubt, man würde nie wieder auftauchen. Ich lasse mich am Strand von der Sonne trocknen und schaue den Wellen dabei zu, wie sie sich matt legen und den Sand mit einem glänzenden Firnis überziehen. Noch herrscht Ebbe und der Strand ist so breit, dass ein ganzes Fußballfeld darauf Platz hätte.

Ein altes Ehepaar hat sich Campingstühle aufgebaut. Die Eheleute sitzen Hand in Hand wie frisch Verliebte vor der überwältigenden Szenerie des Meeres und warten auf den pazifischen Sonnenuntergang. Eine Joggerin läuft leichtfüßig an mir vorbei. Bei jedem Schritt vibriert die papierdünne Haut über den Muskelsträngen ihres Bauches. Ihre eng anliegende Sportkleidung und das zu einem dicken Zopf geflochtene Haar gemahnen an Lara Croft. Ich muss schmunzeln, aber sie nimmt nicht einmal Notiz von mir, obwohl sie auf Armeslänge an mir vorbeiläuft. Ihr Tempo ist mörderisch, sie fliegt förmlich über den Strand, aber ich höre sie nicht einmal atmen. Wie fit man sein kann. In der Ferne werfen sich ein paar Teenager quietschend vor Vergnügen in die Brandung. Auf dem Spiegel des Meeres ziehen weiße Jachten und Fischerboote vorüber.

Der Zivilisation zu entfliehen ist ein sinnloses Unterfangen; man könnte versuchen, selbst noch zu den entferntesten, gottverlassenen Orten der Welt zu entkommen, man würde dennoch eingeholt. Gibt es irgendein Paradies, das nicht besudelt worden wäre? Manchmal muss man sich wirklich fragen, wer eigentlich die Barbaren sind – die sogenannten Wilden oder diejenigen, die sich für zivilisiert halten?

Ich habe einen Bekannten, der in der Reisebranche arbeitet, und der das Reisen zu fernen, unbekannten Orten über alles liebt. Reisen ist seine Leidenschaft. Schon von Jugend an erforschte er die ganze Welt und irgendwann erfüllte er sich seinen großen Traum: Tahiti. In Tahiti hörte er Einheimische von einer geheimen Insel sprechen, einem Ort, der dem gewöhnlichen Touristen für immer verwehrt bleibt. Er machte sich auf die Suche nach dieser Insel und schließlich, nach vielen Mühen und Gefahren, fand er sie. Er überredete einen Fischer, ihn überzusetzen, und als er dann an dem menschenleeren weißen Sandstrand angelangt war und im kühlen Schatten eines einsamen Palmenhains rastete, vernahm er plötzlich Stimmen auf dem angeblich menschenleeren Eiland. Er folgte den Stimmen und dann verstand er sogar, was sie sagten, und als er nahe genug war, so dass er alles ganz genau hören konnte, wurde seine Verwunderung nur um so größer. Und dann begriff er und da erst zerbarsten all seine Hoffnungen und was blieb, war Enttäuschung, schwärzer als die dunkelste Ohnmacht, und sein vor Leidenschaft hämmerndes Herz wäre fast daran erstickt, wenn ihn nicht sein eigenes hysterisches Lachen erlöst hätte: Die Worte, achtlos in die Einsamkeit von Meer, Sonne, Wind gesprochen, drangen mit einem unverkennbar sächsischen Zungenschlag an sein Ohr. (Ich schwöre, die Geschichte ist nicht erfunden – soviel zu den Netzen der Zivilisation)

Natürlich war der Strand, an dem wir unseren Nachmittag verbrachten, kein wirklich unentdecktes Land, dessen Koordinaten auf der Landkarte etwa nur ein weißer Fleck markiert hätte. Und so blieb es nicht aus, dass man auch hier von den üblichen nervigen Abgesandten der Zivilisation behelligt wurde: Einer der Besucher des Strandes hatte sämtliche Türen seines Wagens sowie die Heckklappe geöffnet und dann die Stereoanlage auf volle Lautstärke gestellt. Aus den Boxen, die groß genug waren, um ein ganzes Stadion zu beschallen, dröhnte Partysalsa der schlimmsten Sorte. Ich wollte eigentlich den Strand und den Klang des Meeres genießen, doch dieses bescheidene Vergnügen blieb mir dank dieses Idioten versagt. Die einzige Maßnahme, um den Tag noch zu retten, hätte wohl darin bestanden, den Möchtegern-DJ mit dem Basie windelweich zu prügeln – einfach so, aus purer Lust und natürlich aus erzieherischen Gründen! Denn man weiß ja: Erziehung ist alles. Leider hatte ich zufällig keinen Basie dabei. Schade.

Am entferntesten Ende des Strandes sah man einen SUV nur wenige Meter entfernt von den Wellen im Sand stehen. Zufällig kam eine Polizeistreife vorbei. Der Polizeiwagen hielt neben dem motorisierten Strandbesucher und man sah, wie der Halter des Fahrzeuges und der Polizist in eine angeregte, um nicht zu sagen, in eine heftige Diskussion gerieten. Wahrscheinlich machte der Gesetzeshüter den Mann darauf aufmerksam, dass es nicht gestattet sei, den Strand mit dem Auto zu befahren. Der Mann antwortete wahrscheinlich, wozu hätte er sich denn ein allradgetriebenes Auto gekauft, wenn er damit nicht einmal über den Strand fahren dürfe. Das bisschen Motoröl könne doch wohl kaum dem riesigen Ozean schaden, und überhaupt sei so ein Biotop nur gesund, wenn es beständig durch Umweltveränderungen herausgefordert werde. Um also einen wirklichen Beitrag für die Umwelt zu leisten, müsste eigentlich an Ort und Stelle ein kompletter Ölwechsel vorgenommen werden. Und da das allein bei einem so gewaltigen Ozean keinesfalls ausreichend sei (immerhin handele es sich um den Pazifik!), könne man ja gleich noch die alte Batterie im Meer entsorgen … Der Polizist und der SUV-Fahrer diskutierten noch eine ganze Weile. Leider konnte man überhaupt nichts hören, weil die Entfernung und das Donnern der Wellen jedes Geräusch erstickten. Manchmal wünscht man sich, der Punisher würde sich öfter melden. Gelegenheit, sein gerechtes Werk zu verrichten, gäbe es jedenfalls genug – in Ecuador wie anderswo.

Im Licht der untergehenden Sonne ließ sich ein junges Hochzeitspaar vor der Kulisse einer steil aufragenden Felswand fotografieren: er im schwarzen Anzug, sie im blütenweißen Brautkleid mit Schleier und Brautstrauß. Beide lächelten gegen die sinkende Sonne an, aber die geologischen Schichtungen im Hintergrund, die von Jahrmillionen des Wechsels von Land und Meer, Hitze und Kälte, Regen und Trockenheit erzählten, degradierten das Glück des jungen Paares zu nicht mehr als einem kurzen Augenblick, kaum länger als ein einziges schnelles Blinzeln in einem langen Menschenleben.