Geheimnisse des French Toast und echte Wikinger

Bahía de Caráquez, die Stadt am Pazifik, wird von drei Seiten von Wasser umschlossen. Bis vor wenigen Jahren verlief die einzige dünne Lebensader, die den Ort mit dem Festland verband, entlang des Grates der Halbinsel, an deren Spitze Bahía liegt. Dann erbaute man unter großen Kosten und Mühen eine Brücke, welche den Einwohnern der Stadt nun eine schnellere Verbindung zum Rest der Welt gestattet. Doch Bahía bleibt seiner insularen Bestimmung treu: Auch wenn man heutzutage nicht mehr die beschwerliche Fahrt über die Halbinsel in Kauf nehmen muss, weil man das Festland in wenigen Minuten über die neue Brücke erreichen kann, bleibt einem doch das Gefühl erhalten, man befände sich auf einer Insel.

Die Nähe des Meeres nimmt dem Leben die Schwere und obwohl es hier in Wahrheit nicht leichter sein mag als an anderen Orten in Ecuador, befällt jeden, der die Stadt besucht, schon nach kurzer Zeit ein Gefühl der Sorglosigkeit gleich einer Amnesie. Aller Ungemach fällt ab und alle lästigen Verpflichtungen, alle Notwendigkeiten (wahre oder eingebildete), die der Reisende in der Welt jenseits des Meeres zurückgelassen hat, beginnen zu verblassen, als hätte das Rauschen der Wellen sie ausgelöscht. Der Ozean übt eine eigenartige, fast schon hypnotische Anziehungskraft aus auf alle, die nach festem Grund suchen im Wildwasser des Lebens. In Bahía, der Stadt im Meer, finden sie ihre friedliche Insel, und die Welt scheint sich um sie zu drehen wie der Hurrikan um ein Auge vollkommener Windstille.

In den letzten Jahren ist Bahía zum Refugium eines bunten Völkchens von Expats geworden – Auswanderer, Wanderer zwischen den Welten, gestrandete Reisende, Weltflüchtige, Träumer und Suchende. Mit den Immigranten wurde die Stadt zum Emporium für Sehnsüchte aller Art; einen schillernd bunten Markt für Träume und Träumereien von einem unbeschwerten Glück beherbergt dieser Ort. Die Einheimischen sind gegen dieses Fieber größtenteils immun, doch sie lassen die Fremden in ihrer Mitte gern gewähren. Aber sie wollen nicht mittun beim Bau der Luftschlösser – die Leute mit den verrückten Ideen sind immer die Fremden.

Es gibt kaum einen, in dem der Zauber der tropischen Meeresküste nicht das Verlangen nach einem Leben ohne verzweifelte Sinnsuche wachrufen würde. Manch einer der zugereisten Fremden hat sich in der Stadt häuslich niedergelassen und er versucht, seine Vision vom Glück Wirklichkeit werden zu lassen. Und manchmal, sehr selten freilich, wird man Zeuge, dass es tatsächlich noch möglich ist, Träume zu leben – in Bahía, der Stadt am Ende der Welt.

Amerikaner sind angenehme Zeitgenossen: Man kommt mit ihnen schnell ins Gespräch. Aus ihren Überzeugungen machen sie kein Geheimnis; sie sind stets gerade heraus ohne grob zu sein. Besonders fällt auf, wie unglaublich nett die Leute sind. Wer wie ich an die berüchtigte Berliner Ruppigkeit gewöhnt ist, kann gar nicht glauben, wie nett man sein kann. Da trifft es sich gut, dass die Kommune der Expats in Bahía zu einem Großteil aus Amerikanern besteht. Nicht alle freilich pflegen engen Kontakt zu den Einwohnern der Stadt – man hat genug an sich selbst und wenn man unter sich bleibt, fühlt man sich auch nicht so fremd. Doch es gibt Ausnahmen.

„Henry´s Sports Café“ ist ein schönes Beispiel dafür, welche Art „Karrieren“ in der Stadt möglich sind. Henry, mein Namensvetter, ist vor Jahren nach Bahía gekommen mit kaum mehr als dem Wunsch, Ruhe und Frieden zu finden. Obwohl ich mehr als nur einmal Gelegenheit hatte, mich mit ihm zu unterhalten, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen, welche Sehnsüchte es sind, die ihn bestimmten, seine Zelte an diesem abgelegenen Flecken aufzuschlagen. Wer weiß schon, welche Hoffnungen sich erfüllt haben, welche Träume wahr geworden sind – und Bahía ist gewiss nicht der schlechteste Platz in der Welt, um sich heimisch zu fühlen. Henry jedenfalls scheint ein glücklicher Mensch zu sein und jedem, der es wissen will, würde er dies wahrscheinlich auch genau so sagen.

Das „Sports Café“ ist einer amerikanischen Sportsbar nachempfunden: Über den Köpfen der Gäste hängen große Bildschirme, auf denen rund um die Uhr Fußball-, Basketball- oder Football-Übertragungen aus den Staaten laufen. Die Wände sind mit Vereinsdevotionalien geschmückt und auf der Bar stehen Hörnerhelme – wahlweise, um daraus stilecht wie ein Wikinger Bier zu trinken, oder um als gehörnter Volltrottel lallend um die Zapfhähne zu stolpern, was gewiss nicht oft vorkommt, da man ausschließlich teure Cervezas artesanales (Craftbiere oder Handwerksbiere) ausschenkt. Doch im Augenblick bringt die Belegschaft ihre Zeit nicht mit Zapfen zu, sondern mit Däumchen-drehen. Die Gäste bleiben aus und durstige Kehlen sind rar.

Wir frühstücken ein paarmal im „Sports Café“ und immer treffen wir den Besitzer an. Er sitzt entspannt zwischen Tresen und Bar, trinkt seinen Morgenkaffee, checkt die Mails und erweckt darüber hinaus den Eindruck, er sei fest entschlossen, diesen Tag für einen guten Tag zu halten, ganz gleich, was in den nächsten Stunden geschehen mag – ob nun das Klo verstopft ist, die Lautsprecherboxen Feuer fangen oder ein Asteroid die Erde trifft. Und so ist es an jedem Tag. Henry ist Amerikaner und was man daher mit Gewissheit sagen kann, ist, dass er hinsichtlich dessen, was er von der Zukunft zu erwarten hat, eine durch und durch optimistische Einstellung hegt. Man mag dies für naiv halten, aber rosige Aussichten verschönern bekanntlich das Leben.

Wir bestellen den suchterzeugenden Stuffed French Toast und die üppigen Frühstücks-Burritos, Orangensaft mit Vanille und kanisterweise Kaffee. Der French Toast ist so gut, dass mein Sohn, ein ausgewiesener Liebhaber und Kenner dieses Gerichts, mich drängt, nach dem Rezept zu fragen, und Henry, der Besitzer des Cafés, teilt das Geheimnis gern mit seinen Gästen: Betty Crocker und Liebe – mehr bedarf es nicht. Vielleicht kommt es am Ende ja nicht darauf an, was man hat, sondern vielmehr, was man daraus macht.

Wir sind die einzigen Gäste und zwar an jedem einzelnen Morgen, an dem wir das Café besuchen (Abends bestellen wir Cocktails und wir sind ebenfalls allein). Seit dem Erdbeben bleiben die Touristen aus und obwohl Ferien sind und sich die Leute sonst keine Gelegenheit entgehen lassen, in Scharen an die Küste zu pilgern, wirkt die Stadt wie ausgestorben. Man könnte glauben, die Ausgangssperre sei verhängt (was sie eine Zeitlang tatsächlich war – zum Schutz vor Plünderern und Kriminellen). Es wird sicher noch Jahre dauern, bis der Ort zu alter Blüte zurückgefunden hat.

Das Café hat als eines von wenigen Gebäuden in Bahía das Erdbeben überstanden, ohne einen einzigen Kratzer abbekommen zu haben. Mehr noch, während viele in der Stadt alles verloren haben und andere Unternehmer aus der Gastronomiebranche herbe Einbußen hinnehmen mussten, könnte die Katastrophe dem „Sports Café“ sogar noch zum Vorteil gereichen: Zwar befindet sich das Gebäude, in dem das Etablissement untergebracht ist, nur einen Steinwurf vom Ufer des Río Chone mit Blick auf den Ozean entfernt, doch ein Haus direkt an der Wasserkante versperrte die Sicht. Wie auf Bestellung hat das Erdbeben dessen Mauern zum Einsturz gebracht und als wir das Café besuchten, beseitigten Planierraupen gerade den Schutt – gute Nachrichten für die Gäste des „Sports Café“.

Auch wenn man es ihm nicht anmerkt, macht sich Henry Sorgen um die Zukunft des Cafés – es gibt wohl keinen Gastronomen, der nicht besorgt wäre, wenn der Gästeraum seines Lokals über Wochen ausgestorben wirkte wie eine evangelische Kirche in Berlin zur Messfeier. Doch wie alle seine geschäftlich umtriebigen amerikanischen Landsleute hat auch er gleich mehrere Eisen im Feuer und vielleicht versprechen ja seine anderen Unternehmungen Erfolg. Und außerdem darf man hoffen, dass die Feriengäste irgendwann nach Bahía zurückkehren werden. Wo sollen sie sich am Abend vergnügen, wenn nicht im „Sports Café“, wo sie Cocktails schlürfen und Bier aus Hörnerhelmen trinken dürfen wie waschechte Barbaren!

Als wir von Bahía Abschied nehmen – es ist ein Abschied für immer –, wünsche ich Henry alles Gute und ich gebe meiner Überzeugung Ausdruck, dass die Zeiten nur besser werden können. Mein Namensvetter pflichtet mir bei, aber wie sollte er auch nicht: Schließlich ist er Amerikaner und Amerikaner sind bekanntlich Meister darin, das helle Licht am Ende des Tunnels zu erspüren, wenn niemand sonst daran glauben mag, dass der Tunnel überhaupt jemals endet, und so kann Henry der Tatsache, dass er nun von der Terrasse seines Lokals freie Sicht auf den Ozean hat, auch noch etwas Positives abgewinnen. Ich bin überzeugt, wir werden uns wiedersehen, und dann wird zur Feier des Tages das erlesene Craftbier in Strömen fließen. Und wenn es sein muss, werde ich mich sogar dazu überreden lassen, das edle Gebräu aus dem Wikingerhelm trinken.

Der Hafen am Ende der Welt

Heute muss man sich nicht mehr ein Fischerboot am Strand von Bahía suchen, wenn man zur Isla Corazón übersetzen möchte. Man überquert die Brücke, welche die Mündung des Río Chone in gerader Linie überspannt, und wenn man die Festlandseite erreicht hat, folgt man der Straße nach Süden. Schon nach wenigen Kilometern gelangt man zu einem Flecken namens Puertobelo.

Der poetische Name gibt Anlass zu den schönsten Hoffnungen, aber um in diesem Ort mehr zu sehen als bloß eine Ansammlung von Hütten, bedarf es schon einer überschäumenden Phantasie. Mir drängte sich der Eindruck auf, Puertobelo sei der letzte Hafen vor dem Ende der Welt. Der Fortschritt scheint an diesem Ort vorbeigegangen zu sein und auch die Brücke, über die das Leben und neue Ideen zur Halbinsel fließen, hat ihn nicht beflügeln können. Puertobelo ist ein von der Zeit vergessenes Dorf am Pazifik, wie es viele in Ecuador geben mag.

Doch der erste Eindruck täuscht und wer die Leute nicht fragt, dem bleibt das Geheimnis verborgen: Bis 1998 war Puertobelo ein wichtiger Ausfuhrhafen für landwirtschaftliche Produkte der Region. Schiffe machten an den Kais in Sichtweite der Mangroveninsel fest. Die Fracht wurde entlang der Küste bis nach Manta verschifft. Als wir den Hafen besuchten, lag aber nicht ein einziges Schiff vor Anker. Die Wasserstraße zwischen Hafen und Insel wirkte wie ausgestorben. Man sah keine Fischer, keine Boote, nicht einmal Touristen. Die weite, leere Wasserfläche glänzte magisch in der grellen tropischen Sonne. Auf der anderen Seite lag zum Greifen nahe die Isla Corazón, still und unberührt wie ein wildes Eden.

Bis 1998 war Puertobelo auf den Karten der Küstenschifffahrt als wichtiger Hafen vermerkt, doch dann kam El Niño und unaufhörliche sintflutartige Regenfälle suchten die Küstenregion heim. Die Wassermassen spülten Unmengen an Sedimenten in die Flussmündung. Lag die Wassertiefe im Hafen vor 1998 bei durchschnittlich 25 Metern, so sind es jetzt gerade einmal fünf bis sieben Meter. Für Schiffe, wie sie für den Transport auf dem Meer nötig wären, reicht die Wassertiefe mittlerweile nicht mehr aus. Die Transportrouten haben sich verlagert und Puertobelo gerät immer mehr in Vergessenheit.

Insel im Strom

Die Isla Corazón ist ein über und über mit Magroven bewachsenes sumpfiges Eiland in der Mündung des Río Chone. Der Mündungstrichter des Flusses schneidet durch die Küstenebene und trennt eine gebirgige Halbinsel vom Festland. Die Landzunge ragt wie ein Sporn in den glitzernden Spiegel des Pazifiks und in dem Maße, wie sie sich verjüngt, gewinnt der Strom an Breite. Am äußersten Ende der Halbinsel, gleich einem glitzernden Juwel an der Spitze eines Szepters, liegt Bahía.

Seit einigen Jahren überspannt eine mehrere Kilometer lange Brücke die Mündung des Río Chone und verbindet die Stadt direkt mit dem Festland auf der anderen Seite des Flusses. Wenn man von der Stadt aus dem Chone stromaufwärts folgt und an der Brücke vorbeifährt, gelangt man schon nach wenigen Kilometern zu einer Insel, die wie ein flacher Diskus im Mündungstrichter des Flusses zu treiben scheint. Ihren Namen Isla Corazón, Herzinsel, verdankt sie ihrer Form, doch nur, wenn man auf die Berge hinauffährt, welche die Halbinsel wie ein Rückgrat durchziehen, kann man es tatsächlich sehen: ein grünes Herz, von den braunen Fluten des Río Chone umspült.

Doch das Bild der Naturidylle täuscht, denn die Küste war wie nur wenige Regionen des Landes in den letzten Jahren starken Eingriffen des Menschen ausgesetzt: Die Shrimpzucht mit ihrem unstillbaren Hunger nach Land – man brauchte das Land, um darauf Becken für die Aufzucht der Krebstiere anzulegen – sorgte seit den achtziger Jahren zuverlässig dafür, dass die Magrove allmählich verschwand. Heute findet man sie nur noch in einigen geschützten Naturreservaten – und auf der Isla Corazón.

Zum ersten Mal habe ich Ecuador im Jahre 1992 bereist. Damals erlebte das Land die Hochzeit der Shrimpindustrie – weite Landstriche an der Küste waren von Shrimpfarmern in Beschlag genommen worden. Es herrschte eine Art Goldgräberstimmung: Jeder, der auch nur ein wenig Kapital aufzubringen vermochte, versuchte sich in der Shrimpzucht. Die Methoden, die man damals anwandte, wären wohl schwerlich mit heutigen Umweltschutzbestimmungen vereinbar gewesen; oftmals errichtete man die Farmen sogar illegal. Die Mangrove aber verschwand nach und nach, obwohl sie doch einst fast überall an der ecuadorianischen Küste zu finden war. Unersetzbare Naturreichtümer wurden der Profitgier geopfert, einzigartige Biotope vernichtet.

Damals, 1992, unternahmen wir eine Bootstour zur Insel. So etwas wie Tourismus war in jener Zeit praktisch nicht existent und bei den wenigen Reisenden, die es ins Land verschlug, handelte es sich ausnahmslos um den Typus des Freizeit-Abenteurers. Diese Leute schreckten auch vor Gefahren nicht zurück und der Gefahren waren viele. Man hatte es mit hartgesottenen Typen vom Schlage eines Bear Grylls zu tun – man hätte sie ohne schlechtes Gewissen in einem krokodilverseuchten Sumpf aussetzen können und hätte allenfalls um das Schicksal der Krokodile fürchten müssen. Die Bootstour zur Insel war von einem Freund organisiert, der auf einer Shrimpfarm arbeitete. Bootsfahrten für Touristen gab es damals nämlich nicht, ebenso wenig wie Touristen.

Seit jener Zeit hat sich viel verändert. Zwar wird auch heute noch Shrimpzucht betrieben, aber viele Farmen haben mittlerweile auf ökologische Erzeugung umgestellt – es werden wenig oder gar keine Antibiotika eingesetzt und man verwendet zunehmend Futter aus umweltgerechter Herstellung. Die Erträge sind nun zwar deutlich zurückgegangen, aber merkwürdigerweise sind die Shrimps viel größer und sie erzielen auch höhere Preise. Zugute kommt diese Entwicklung auch der geschundenen Küstenlandschaft, doch darf man bezweifeln, dass es auf absehbare Zeit gelingen wird, die mit Antibiotika und Exkrementen verseuchten Böden zu renaturieren.

Der Tourismus hat seit damals einen gewaltigen Aufschwung genommen und viele kommen hierher, um sich auf der Isla Corazón von den Wundern der Natur und ihrer Schönheit bezaubern zu lassen. Seit vielen Jahren ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel für Naturinteressierte. Mit den zahlreichen Touristen beginnen auch die Einheimischen den Wert ihres Landes zu erkennen.

Stadtrundfahrt mit Tía Tocha

An unserem letzten Abend in Bahía de Caráquez wollen wir das „Sorbetito“ besuchen. Ein Sorbete ist eigentlich ein Shake, ganz gleich, ob man ihn mit oder ohne Milch mixt, und „Sorbetito“ ist die Verkleinerungsform davon, ein kleiner Shake gewissermaßen. Es würde überraschen, wenn ein Lokal, das so heißt, für etwas anderes berühmt wäre als für seine Milchmixgetränke. Wir hatten schon viel Gutes über das „Sorbetito“ berichten hören und an diesem Abend wollen auch wir uns endlich einmal selbst davon überzeugen, dass das Lob gerechtfertigt ist.

Das „Sorbetito“ befindet sich nicht in Bahía, sondern in San Vicente (das ist die Stadt auf der anderen Seite der Bucht). Obwohl man einräumen muss, dass San Vicente sich in den letzten Jahren von einem unansehnlichen Flecken, den der Reisende in der Regel so schnell wie möglich zu verlassen wünscht, zu einer schöneren Stadt herausgeputzt hat, ist Bahía die bei weitem attraktivere der beiden Geschwister an der Mündung des Río Chone. Bahía ist recht klein, aber dennoch versprüht es städtisches Flair und es besitzt einen gewissen Charme, dem der Besucher nur zu gern erliegen möchte.

Doch wenn es um das gastronomische Angebot geht, hat San Vicente einiges zu bieten. Die Baheños selbst fahren nur zu gern in die Nachbargemeinde, in deren Restaurants man so gut und vor allem so preiswert essen kann. Seit eine Brücke das Delta des Río Chone überspannt und die beiden Städte über die Bucht hinweg wie eine Nabelschnur verbindet, ist das auch leicht möglich: Eine Fahrt mit dem Auto zur anderen Seite dauert gerade ein paar Minuten.

Im geschwätzigen Bahía spricht sich schnell herum, dass wir den Abend mit einem Besuch im „Sorbetito“ einzuläuten gedenken (später zeigt sich, dass das Einläuten eher ein Ausklingen ist, denn für den Rest des Abends sollte uns der Fernseher mit seiner Magie der bunten Bilder in Bann schlagen). Die Großtanten meiner Frau sind schon sehr alt und sie verlassen nicht mehr so oft das Haus wie früher. Ihr größtes Vergnügen besteht darin, abends vor der Tür zu sitzen und ein Schwätzchen zu halten. Wer zufällig vorbeikommt, gesellt sich einen Augenblick lang zu ihnen und so erfahren sie immer, was es Neues in der Stadt gibt. Wahrscheinlich ist ihnen durch einen Besucher zu Ohren gekommen, dass wir ausgehen wollen.

Es sind ihrer drei: Tía Tocha, Tía Vicenta und Tía Juanita. Tía Juanita war von allen dreien stets die Unternehmungslustigste und sie reist auch jetzt noch gern, da sie auf die Neunzig zugeht, und sie schreckt auch vor langen beschwerlichen Busfahrten nicht zurück, sofern ihr nur jemand Gesellschaft dabei leistet.

Tía Vicenta fällt das Gehen mittlerweile so schwer, dass sie die meiste Zeit im Haus verbringt. Sie war früher Krankenschwester und ich erinnere mich, dass sie mir anlässlich unserer ersten Reise nach Ecuador im Jahre 1992 fachmännisch eine Spritze in den Allerwertesten verabreichte (so etwas vergisst man nie!). Ich litt damals an diversen Tropenkrankheiten – nicht an allen auf einmal, sondern immer hübsch nacheinander – und ich musste mich deshalb gleich mehrmals in ärztliche Behandlung begeben. Tía Vicenta übernahm dann die „Detailarbeit“. Ich kann mich rühmen, sie alle gehabt zu haben, darunter solch erlesene Menschheitsplagen wie Dengue und eine recht milde Form von Typhus. Der Arzt jedenfalls versicherte, sie sei milde, was den Typhus aber nicht davon abhielt, mich zwei Tage lang ununterbrochen auf dem Lokus festzuhalten.

Die dritte schließlich, Tía Tocha, ist stolze Bahieña und sie hat daher wenig Veranlassung, die Stadt zu verlassen, in der zudem ihre ganze Familie lebt. Wie die anderen beiden Tanten ist sie mittlerweile fast Neunzig. Die Beine bereiten ihr zunehmend Probleme und weite Strecken kann sie nicht mehr zu Fuß zurücklegen. So kommt sie nur selten in der Stadt herum und alles, was sie erfährt, erfährt sie von Leuten, die sie vor der Haustür trifft oder die sie besuchen kommen.

Als Tía Tocha davon hört, dass wir das „Sorbetito“ besuchen möchten, will sie auch mit. Sie kommt so selten unter Leute und ergreift deshalb nur zu gern jede sich bietende Gelegenheit, das Haus zu verlassen. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir die Tía mitnehmen, und im Auto reservieren wir für sie den Beifahrersitz. Ein paar Cousins und Cousinen meines Sohnes fahren ebenfalls mit, aber die Kinder brauchen nicht viel Platz oder werden, wie hierzulande üblich, gleich Gepäckstücken unter der Heckklappe verstaut.

Die Sonne schickt sich gerade an, im Ozean zu versinken, als wir vor dem Restaurant vorfahren. Ich parke den Wagen direkt vor dem Eingang und helfe der Tía aus dem Sitz. Das „Sorbetito“ ist im Grunde nur ein kleines Eckgrundstück, das von einem Zaun umgrenzt wird. Im vorderen Teil, der zur Straße weist, befindet sich eine Art Pavillon mit einer Bar darin, auf deren Tresen man drei oder vier elektrische Mixer sieht. Auf dem Grundstück stehen mehrere Bankreihen, die nach Art der Sitzgelegenheiten an Autobahnrastplätzen überdacht sind. Die Gäste nehmen auf Sitzmöbeln Platz, die an Campinggestühl erinnern.

Neben Sorbetes, also Shakes, serviert das „Sorbetito“ noch eine Auswahl an Sandwiches und Hotdogs. Mein Sohn und sein Cousin bestellen die ausgezeichneten Hotdogs und die Tía Tocha gelüstet es nach einem Sandwich, das sie dann so genussvoll verspeist, als hätte sie dieses Vergnügen seit langer Zeit entbehren müssen. Dazu trinkt sie ganz stilecht eine Cola. Der Arzt hat ihr süße Softdrinks strengstens verboten, aber Tía Tocha liebt nun einmal die klebrige Limonade und sie kann der Versuchung einfach nicht widerstehen.

Ich halte mich derweil an die Shakes. Die Shakes sind geeist und erinnern in ihrer festen cremigen Konsistenz an die Milchshakes bei McDonalds. Um den vielen Bestellungen nachzukommen, arbeiten die Leute hinter den Mixern im Akkord. Nicht weit von uns entfernt nehmen ein älterer Herr mit schlohweißem Haar und Schnurrbart und seine Frau Platz. Der agile Kellner begrüßt den Besucher mit „Herr Richter“, doch der honorige Gast bestellt ganz schlicht ein Sandwich, das er mit einem Shake herunterspült. Seine Frau isst nichts. Sie sitzt nur steif auf ihrem Stuhl und schaut etwas pikiert dabei zu, wie der Richter sein Sandwich genießt.

Ich bestelle einen Schoko-Shake, denn leider erliege ich den Einflüsterungen meines Sohnes. Der Sorbete de chocolate ist nicht schlecht, wirklich nicht, doch nachdem ich den Mora-Shake probiert habe, bereue ich fast, dass ich so ein Schokoladen-Freak bin und reflexartig alles esse oder trinke, was nur irgendwie nach Schokolade aussieht oder riecht.

Mora ist die Maulbeere. Die Mora ist in Ecuador so weit verbreitet wie Erdbeeren zur Sommerzeit in Deutschland. Man kann die fast schwarzen Beeren praktisch überall kaufen. Verarbeitet werden sie zu Eis oder Saft und Mora-Geschmack ist hier so gewöhnlich wie Erdbeere in Deutschland. Aber ihre wahre Bestimmung hat die Mora in den Shakes des „Sorbetito“ gefunden. Diese Shakes sind einfach nur göttlich. Der Becher kostet gerade einen Dollar und ich trinke an diesem Abend drei. Danach zittere ich zwar vor Kälte, als hätte ich Schüttelfrost, aber mein Bauch ist gefüllt mit cremiger Glückseligkeit in Mora-Geschmack.

Die Tía Tocha möchte sich noch ein wenig in San Vicente umsehen. Sie war seit Jahren nicht mehr dort und da man die Stadt in der letzten Zeit großzügig verschönert hat, gibt es viel Neues zu sehen. Wir rollen langsam auf den nächtlichen Straßen San Vicentes dahin. Die Gegend an der Seeseite ist dicht bevölkert – die Menschen genießen die milde tropische Nacht und den Blick auf das auf der anderen Seite der Bucht gelegene Bahía.

Wir fahren weiter zu einem Aussichtspunkt wenige hundert Meter außerhalb der Stadt, doch zu dieser späten Stunde ist der Ort verwaist wie die Oberfläche des Mondes. Nicht ein einziger Besucher hat sich an diesen Platz über dem Meer verirrt, dabei treibt es die Leute am Tage in Scharen hierher. Es ist so dunkel wie es in einer mondlosen Nacht nur sein kann. Wir werfen einen sehnsuchtsvollen Blick auf die Lichter-Silhouette Bahías, die jenseits der Bucht in der Dunkelheit schwimmt. Dann fahren wir zurück.

Mare tranquilitatis

Bahía de Caráquez ist eine Ausnahme unter den ecuadorianischen Städten. Die meisten Städte im Land, selbst die kleinen, sind quirrlig und chaotisch. Bahía hingegen ist eher ruhig – wenn nicht gerade Horden von Touristen und Ausflüglern einfallen. Als ich die Stadt 1992 zum ersten Mal besuchte, gab es so gut wie keinen Autoverkehr. Es war vollkommen egal, ob man auf der Straße ging oder auf dem Bürgersteig. In der ganzen Stadt fand man nicht eine Verkehrsampel (wozu auch?) und es war eine regelrechte Sensation, als man später eine aufstellte. Heute gibt es im Zentrum und an der Zufahrtsstraße gleich mehrere, und wie in allen Städten tun sie zuverlässig ihre Arbeit und bremsen den Verkehr aus, der übrigens stark zugenommen hat. Vor 23 Jahren war die Brücke, welche die Stadt mit dem Festland verbindet, noch nicht gebaut und man musste weite Wege in Kauf nehmen, um zur anderen Seite zu gelangen. Heute ist das kein Problem mehr: Man läuft einfach hinüber zur anderen Seite oder joggt, was der sportbegeisterte Teil der Einwohnerschaft gelegentlich tut.

Da die Stadt auf einer Halbinsel liegt, hat sie naturgegeben wenig Platz, um sich auszubreiten. Von drei Seiten wird der Ort von Meer eingeschlossen, nur die Seite zur Halbinsel hin ist offen. Und genau hier wurde in den letzten Jahren am meisten gebaut: Firmen haben sich angesiedelt und Privatleute haben Land gekauft, um Häuser darauf zu bauen. Direkt an der Zufahrtsstraße nach Bahía, etwas außerhalb der Stadt, aber gerade noch zu Fuß zu erreichen, hat man ein riesiges Einkaufszentrum, ein Centro comercial bzw. eine Shopping Mall, errichtet. Als wir vorbeifuhren, hatte ich kurz ein Deja vu und ich glaubte, ich befände mich vor den Hellerdorfer Arkaden oder vor irgendeinem beliebigen Wall-Mart in den USA. Lediglich der Schriftzug „Centro Comercial“ belehrte mich eines Besseren. Die Architektur solcher Malls ist so austauschbar, dass man glauben könnte, ein einziger Verantwortlicher hätte sämtliche Shopping Malls auf der ganzen Welt konzipiert.

Wenn man nicht gerade der Besitzer einer der zahllosen kleinen Geschäfte ist, welche in großer Zahl die Straßen säumen, hat man in Bahía nicht viel zu tun: man kann an den Strand gehen oder eines der vielen kleinen Restaurants besuchen. Schließlich bleibt noch die Möglichkeit, auf dem Balkon oder vor dem Haus zu sitzen und die Leute auf der Straße zu beobachten, was die Einheimischen auch gern tun. Für Feierwütige bietet die Stadt nicht viele Gelegenheiten. Während der Saison, die bis Mitte August dauert, gibt es manchmal Straßenpartys, aber sonst sucht man vergeblich nach Zerstreuung. Man lässt die Tage eher gelassen angehen, denn Zeit spielt eigentlich keine Rolle. Jeder Tag ist wie alle Tage – es passiert nichts; die Sensationen des Lebens spielen sich im privaten Bereich ab.

Am Vormittag wollte ich trainieren und da ich erfahren hatte, dass es gleich eine Straße weiter ein Studio gäbe, stand meinem Entschluss nichts mehr im Wege. Nach drei Wochen ohne Training fühlte ich mich schon ganz eingerostet und ich konnte meinen Bewegungsdrang kaum noch bändigen. Ich brauchte unbedingt ein gutes Workout, sonst würde mich das Rumsitzen, Abhängen und Chillen noch umbringen. Das Studio breitet sich auf drei Etagen eines Wohnhauses aus. Auf der mittleren Etage befinden sich die Privaträume des Besitzers und man muss notgedrungen an ihnen vorbeilaufen, wenn man in die oben befindlichen Studioräume gelangen möchte. Das Studio selbst ist sehr spartanisch eingerichtet: ein paar Maschinen, die aussehen, als wären sie in Heimarbeit zusammengeschweißt worden, ein paar Bänke und Gott sei Dank eine gute Auswahl an Lang- und Kurzhanteln. Das Studio erfüllte dann auch seinen Zweck – das Workout war gut, doch nicht ohne Wehmut dachte ich an meine alte Arbeitsstelle, das Studio im Sportzentrum der Turngemeine in Berlin. Ich glaube nicht, dass es hier in Ecuador auch nur ein Studio damit aufnehmen kann. Und ich dachte auch an die Freunde und Kollegen in Berlin, denen ich Lebewohl gesagt hatte, an Christoph, an Marte und an all die anderen – viele herzliche Grüße!

Der Besitzer des Studios, in dem ich trainieren wollte, sieht aus wie ein fetter deutscher Pumper, ist aber offenbar waschechter Ecuadorianer. Ich versuchte, mich mit ihm auf Englisch zu unterhalten, aber hier im Land spricht fast niemand Englisch. Genausogut hätte ich es mit Hindi oder Kisuaheli versuchen können. Ich kenne Leute, die seit fünf oder mehr Jahren in Berlin leben und gerade mal „Guten Tag“ auf Deutsch sagen können. In Berlin besteht keine wirkliche Notwendigkeit, Deutsch zu lernen, weil man mit Englisch fast überall durchkommt. Hier ist das anders: Niemand spricht Englisch, wirklich niemand. Selbst in Quito, der Hauptstadt, ist es ausgeschlossen, dass man in einer der großen Shopping-Malls auf Englisch bedient wird. Eine einfache Unternehmung wie eine Order im Restaurant kann zur Tortur werden, wenn einem die Worte fehlen. Die Leute, die hier leben, empfinden dies aber nicht als Einschränkung, denn schließlich spricht man fast auf dem ganzen Kontinent Spanisch und immerhin sind Spanisch und Portugiesisch bzw. Brasilianisch miteinander verwandt und sie sind sich so ähnlich, dass man sich gegenseitig versteht, ohne die Sprache des anderen lernen zu müssen. Zählt man übrigens die Sprecher einer Sprache, die dieses Idiom als ihre Muttersprache ansehen, so steht Spanisch nach Chinesisch auf dem zweiten Rang, noch vor dem Englischen. Man darf nicht vergessen: Im Gegensatz zum Deutschen ist das Spanische eine Weltsprache – schon deshalb lohnt es sich, diese Sprache zu lernen.

Es gibt auch hier kleine Kolonien von Ausländern, meist Amerikanern, in denen man sich hartnäckig weigert, die Landessprache zu lernen. Die Ecuadorianer sprechen von ihnen mit einer gewissen Verachtung. Diese Leute leben nur unter sich, sie haben mit den Einheimischen nicht viel zu tun und vermutlich wollen sie auch gar nicht mit ihnen zu tun haben. Die Ecuadorianer sind sehr gastfreundliche Menschen, aber solch eine ablehnende Einstellung gegenüber der Landeskultur sehen sie mit tiefster Missbilligung. Ich finde, sich zu weigern, die Landessprache zu lernen, ist ein Zeichen von Arroganz und zeugt von schlechten Manieren. Gewiss gelingt es nicht jedem, die Sprache leicht zu erlernen – viele müssen sie quälen (ich gehöre auch dazu), aber letztlich zählt doch die Einstellung. Die Einheimischen merken sehr schnell, was man über ihr Land denkt und was man von ihrer Kultur hält. Wenn man hier auf Dauer leben möchte, ist es nicht nur klüger, sondern auch profitabler – und zwar in jeder Hinsicht –, wenn man versucht, sich anzupassen. Spanisch gehört in jedem Fall dazu.

In Bahía sollte man an den Strand gehen, denn er ist eine der wenigen Attraktionen, welche die Stadt zu bieten hat. Und das Beste daran: Alles ist kostenlos. Besucht man den Strand bei Ebbe, wird man von einem hundert Meter breiten Streifen aus feinem Sand empfangen. In der Bucht, die der Stadt ihren Namen gab (Bahía bedeutet Bucht), sollte man lieber nicht baden, es sei denn, man sehnt sich nach juckendem Hautausschlag. Etwa einen Kilometer oberhalb der Badestelle werden nämlich die Abwässer der Stadt ins Meer eingeleitet und was aus dem Rohr kommt, sieht nicht wirklich appetitlich aus. Das Rohr endet über der Wasserlinie und man kann dabei zusehen, wie der Unrat sich in der Bucht verteilt. Der Fluss spült ihn direkt an den Badenden vorbei. Auch die Abwässer der Shrimp-Farmen werden in die Bucht eingeleitet; die leckeren Krebstierchen mag man zwar gern essen, doch in ihren Exkrementen und den Antibiotika, die man ihnen mit dem Futter verabreicht, möchte man nicht unbedingt baden. Überdies besteht die Gefahr, dass man von der Strömung erfasst wird. Schließlich badet man in einer Flussmündung, die dazu noch Gezeitenzone ist. Vom Strand aus kann man die Strömungen und Strudel gut sehen, die sich schon wenige Meter vom Ufer entfernt bilden. Es hat in den letzten Jahren immer wieder tödliche Unfälle gegeben. Die Badenden, zumeinst sind es Touristen aus der Sierra, d.h. aus den Gebirgsregionen, scheinen davon gehört zu haben, denn sie wagen sich nicht weiter als bis zum Bauchnabel ins Wasser hinein.

Gesünder und vor allem weniger gefährlich ist es, man geht auf die andere Seite der Landzunge, dorthin, wo die Wellen des Pazifiks auf den Stand rollen. Die Schar der Badelustigen ist hier eigenartigerweise überschaubar, obwohl das Wasser sauberer ist und obwohl es riesigen Spaß macht, sich in die Wellen zu stürzen. Das Wasser ist warm wie in einer Badewanne, obgleich dicht an der Küste der kalte Humboldtstrom vorbeifließt. Vor Kleiderdieben muss man sich nicht fürchten, aber man muss aufpassen, dass die Sachen, die man am Strand zurückgelassen hat, nicht von der Flut überspült werden. Wir warfen uns den halben Tag lang in die Wellen und gingen an den malerischen Stränden direkt vor der Stadt spazieren. Die Strandpromenade war gepflastert mit mobilen Verkaufsständen, die den Badetouristen Erfrischungen und Snacks anboten. Es sind die Tage vor dem 10. August, des Tages des Primer Grito de la Indepencia – des „ersten Schreis nach Unabhängigkeit“. Die Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, strömen in die Stadt, um ein paar schöne Tage am Meer zu verleben.

So ganz genau weiß ich noch nicht, was es mit dem 10. August auf sich hat. Als ich meine Frau, die es ja wissen müsste, fragte, meinte sie in typischer Lehrermanier, ich solle mich im Selbststudium darüber informieren (6 – setzen! Arbeit nachschreiben!). In den nächsten Monaten habe ich Zeit und es ist durchaus lohnend und interessant, sich mit der an Umstürzen und Revolutionen reichen Geschichte dieses Landes zu befassen. Zwar habe ich schon viel gelesen, aber alles kann man natürlich nicht wissen. Schließlich bin ich ja erst kürzlich zugezogen; da verzeiht man schon mal den einen oder anderen Fauxpas.