Endstation

Noch am selben Tag, an dem wir die Ufer des Río Napo erreichen, fahren wir weiter nach Tena. Tena liegt nur einen Steinwurf vom Fluss entfernt und hat man die Wassermassen, die den Wald wie ein Band aus flüssiger Milchschokolade durchschneiden, erst einmal überwunden, gelangt man auf der hervorragend ausgebauten Autopista schon nach wenigen Minuten ans Ziel. Die Stadt, die ähnlich Puyo kaum über die Dimensionen einer Kleinstadt hinauswächst, breitet sich recht malerisch an beiden Ufern des Río Tena aus, eines von unzähligen Strömen, die das Tiefland als dichtes Adergeflecht durchziehen. Östlich der Anden kennen die Flüsse nur noch eine Richtung – gen Osten – und nachdem sie Tausende von Kilometern durch dichten Urwald gereist sind, vereinigen sie sich mit dem Vater aller Ströme, dem Amazonas.

Über Tena ließe sich dasselbe sagen wie über Puyo, denn genau wie dieser Stadt sagt man auch jener nach, sie sei ein Tor zum Oriente (das ist das grüne Tiefland östlich der Anden). Leider pflegt der Besucher sich nie lange an Toren aufzuhalten, wenn die eigentliche Attraktion dahinter zu finden ist. Niemand reist in den Oriente, um dessen schöne Städte zu besuchen, denn schöne Städte gibt es hier nicht. Weit lohnender erscheint es da, sich alsbald auf die Suche nach dem wirklichen Wunder zu begeben: die unberührte, weithin ursprüngliche Natur.

Als Sprungbrett für Expeditionen aller Art eignet sich Tena indes ganz hervorragend und so verwundert es nicht, dass man in der Stadt selbst nur vereinzelt Touristen begegnet (man erkennt sie an den Trekking-Rucksäcken und am verwahrlosten Erscheinungsbild). Dafür wimmeln die Wälder der Umgegend wahrscheinlich nur so von Hobby-Entdeckern, Möchtegern-Abenteuern und Sofa-Desperados.

Wir haben von einem angeblichen Geheimtipp gehört: Irgendwo westlich der Stadt liegt ein Dorf namens Serena, in dessen Nähe es eine wunderschöne Badestelle mit einem Wasserfall geben soll. In meiner Phantasie schießt ein glasklarer Bach rauschend über eine Felskante. Als durchsichtige Wasserwand fällt er in einen türkisblauen Pool, dessen Ufer von einem Baldachin aus glänzendem Blattwerk beschattet wird. Feuerfarbene Orchideen leuchten aus dem Dunkel. Ein Regenbogen bricht sich im Sprühnebel … Nachdem wir uns in Tena umgesehen und nichts gefunden haben, das unsere Aufmerksamkeit augenblicklich in Beschlag genommen hätte, beschließen wir, das Wagnis einzugehen: Aufs Geratewohl fahren wir Richtung Westen, nach Serena.

Die Schwierigkeiten stellen sich ein, kaum dass wir die Stadt verlassen. Google-Maps, unser allwissender Begleiter, ist leider so nützlich wie der Navigations-Computer des Space-Shuttle bei der Suche nach einem Parkplatz – weder will die störrische Maschine einen Ort namens Serena kennen noch überhaupt Straßen, die dorthin führen. Die Karte zeigt lediglich ein einheitliches graues Nichts. Man könnte glauben, wir fahren durch ein Testgelände für thermonukleare Sprengsätze.

Zu unserem Glück gibt es noch Menschen. Wir fragen Einheimische, doch ihre Antworten sind keineswegs erhellender als die Nonsens-Vorschläge unseres Fährtensuchers aus dem Internet. Unisono gibt man uns zu verstehen, man hätte noch nie von einem Dorf mit dem Namen Serena gehört. Die Leute scheinen sich sehr zu wundern, was ein Haufen Gringos in irgendeinem Nest mitten im Wald zu suchen hat und vor allem fragt man sich, was diese komischen Fremden in der Pampa eigentlich zu finden hoffen.

Allmählich beginnen wir zu glauben, dass das Internet vielleicht doch Recht haben könnte und dass wir nichts weiter als einer Chimäre hinterherjagen. Uns schwant, dass diese Fahrt kein gutes Ende nehmen wird. Doch das Schicksal hat anders entschieden: Wir treffen eine Frau, bei der der Name „Serena“ etwas zum Klingen bringt. Dunkel erinnert sie sich, schon einmal von diesem Ort gehört zu haben. Das erscheint uns sehr vielversprechend. Sie weist uns sogar noch vage die Richtung und wir fahren los, als jagten wir dem Gold von El Dorado hinterher.

Zunächst führt die Straße durch einen Flecken namens Pano, dann durch Talag und direkt dahinter macht der Asphalt einem wüsten Schotterweg Platz. Als wollte Google doch noch Recht behalten, verschlechtert sich der Zustand der Straße mit jedem Meter: Bald versinken die Räder in tiefen Spurrillen oder sie tauchen so hart in Schlaglöcher, dass man um seine Bandscheiben fürchten muss. Das Auto, das kaum mehr Bodenfreiheit hat als ein ordnungsgemäß bemannter Viererbob, setzt alle paar Meter mit einem hässlichen Schleifgeräusch auf. Auf dem Beifahrersitz wird derweil gejammert, was wir dem armen Wagen alles zumuteten. Niemand aber klagt darüber, welche Verwüstungen diese Maschine an meinem Nervenkostüm angerichtet hat – nach dieser Tour bin ich reif für den Therapeuten („Bitte nicht schreien! Das ist doch nur ein Autoschlüssel.“).

Die Straße ist mittlerweile nur noch eine bucklige Lehmpiste, eingeschlossen in unüberwindliche Mauern aus Grün. Wir sind ganz allein, verlassen von Google und der Welt. Anderen Fahrzeugen begegnen wir nicht, obwohl doch allein schon die Existenz der Straße – einer Art Straße – beweist, dass Menschen hier leben müssen. Uns beschleicht der nicht sehr einladende Gedanke, dass wir bis in alle Ewigkeit durch dieses grüne Labyrinth irren werden, wenn wir nicht bald einem rettenden Engel begegnen.

Wir beschließen, der Straße noch zehn Minuten zu folgen und dann umzukehren. Als wir gerade enttäuscht aufgeben wollen, taucht wie aus dem Nichts ein einsamer Spaziergänger auf. Ein älterer Herr schreitet würdevoll am Wegesrand entlang: eisgraues Haar und verwegener Schnurrbart, das Hemd offen wie ein Millionär im Jacht-Urlaub, den Bauch würdevoll vorgestreckt, die dicke Goldkette vergraben im üppigen Brusthaar. Wir erklären ihm, wonach wir suchen: paradiesische Wasserfälle und kristallklare Pools unter tropischem Mondlicht. Er hört uns zu ohne die geringste Regung und meint nur „rechts“. Wir sollen nach rechts fahren. Mehr sagt er eigentlich nicht. Ich kann sein Rasierwasser riechen – man lebt zwar in der Wildnis, aber unzivilisiert ist man deshalb noch lange nicht. Vielleicht denkt er, es sei nicht gut, mit Leuten zu reden, die ohne Google gar nicht lebensfähig sind. Immerhin hat er uns einen Wink gegeben und immerhin gelangen wir auch irgendwohin.

An der Weggabelung fahren wir nach rechts ab – und landen schon nach kurzer Zeit in einem Ressort. Das hat man davon, wenn man die Leute von hier fragt, denn wer im Wald lebt, sucht natürlich die Zivilisation. Nur diese merkwürdigen Gringos kommen auf die verrückte Idee, die dunkelsten Geheimnisse der Wildnis ergründen zu wollen. Wir fahren zurück zur Gabelung und nehmen den linken Abzweig. Die Straße windet sich Kilometer um Kilometer durch den dichten Urwald und endet schließlich an einem Fluss.

Da nur eine Fußgängerbrücke zum anderen Ufer führt, ist die Fahrt hier beendet. Pikanterweise befindet sich am Ende der Strecke eine Bushaltestelle. Die Straße krümmt sich in einer Schlaufe, so dass der Bus wenden kann. Um uns ist nichts als Wald und da drängt sich natürlich die Frage auf, wer hier wohnt, so dass er den Bus nehmen müsste. Wir sehen weder einen Bus noch Menschen, die ihn nutzen könnten. Es wäre sicher interessant, einmal den Berufsverkehr zu erleben.

Laut meinem Reiseführer, der kaum halb so dick wäre, wenn er nicht vor lauter Geheimtipps nur so strotzen würde, solle man den Fluss überqueren und rechter Hand dem Ufer folgen. Nach einem kurzen Spaziergang sei man am Ziel: Wasserfälle und ein paradiesischer Badepool erwarteten den Besucher. Außerdem befände sich ein hübsches ethnokulturelles Museum ganz in der Nähe; ein Besuch lohne sich. Wir gehen über die Brücke und folgen dem Fluss nach rechts, immer stromaufwärts. Ein schmaler Fußgängerweg führt in Reichweite des Ufers immer tiefer in den Wald hinein.

Wolkenmeer und Sterne

Wir haben Riobamba noch nicht erreicht, da nähert sich der Tag mit rasender Geschwindigkeit seinem Ende. In den Tropen sind die Abende nie lang. Pünktlich um sechs Uhr oder nur wenig später verschluckt der Horizont die Sonne mit der Plötzlichkeit einer Katastrophe. Fast schlagartig wird es dunkel – keine lange Dämmerung, keine Stunde des Zwielichts. Der Sonnenuntergang vollzieht sich wie im Zeitraffer und dann bricht mit einem Mal die Nacht herein. Aber schon zwölf Stunden später, und zwar pünktlich um sechs Uhr Morgens, erscheint die Sonne ebenso plötzlich wie sie verschwunden ist – als hätte jemand den großen Schalter betätigt, um mal eben das Licht zu löschen.

In den Tälern hängen die Wolken wie über einer verzauberten Märchenlandschaft. Zwischen den Bergketten wogt ein apfelblütenweißer Ozean, die Bewegung erstarrt in wilder Pose. Die Wolken liegen über dem Tal wie eine Decke aus Zuckerwatte. Die Sonne hängt als gleißende Fackel am Himmel, nur eine Handbreit davon entfernt, den Weltenbrand zu entfachen. Das Vlies aus Wolken ist undurchdringlich wie dicker Filz und der Betrachter vermag der verborgenen Welt darunter nicht das kleinste ihrer Geheimnisse zu entreißen.

Wir stehen vor diesem Naturwunder mit angehaltenem Atem, staunend, genießen das Schauspiel und machen Fotos. Obwohl die Panamericana eine vielbefahrene Route ist, sind wir allein. Hierzulande würde sich niemand die Mühe machen, irgendwo zu halten, etwa um Zeuge eines traumhaften Sonnenuntergangs zu werden. Die Leute begeben sich auf Reisen mit dem ausschließlichen Wunsch, ihr Ziel möglichst schnell zu erreichen. Niemand reist um des Reisens willen und außerdem gibt es noch so viele Sonnenuntergänge.

Kurz vor Riobamba lässt uns Google-Maps, unser treuer Führer in allen Lebenslagen, im Stich. Die Internetverbindung ist so schwach, dass sich kaum einmal eine Seite vollständig aufbaut, und alle paar Minuten landen wir in einem Funkloch. Wie üblich hat man wieder einmal die Ausschilderung „vergessen“ und so ist es ein Wunder, dass wir trotzdem den Weg zum Hotel finden.

Die Dunkelheit ist mittlerweile so vollständig, wie man sie in Berlin nie erleben würde: Wenn man in die Schwärze starrt, könnte man glauben, man sei plötzlich erblindet. Nur der Sternenhimmel spendet sein fahles, kaltes Licht. Das Firmament ist so dicht mit Sternen gesprenkelt, dass man meint, das ganze gewaltige Universum scheine auf einen herab. Wir würden gern halten, um uns bis in die Seele von diesem Anblick erschüttern zu lassen, aber wir finden nirgendwo einen Parkplatz. Und auf der Straße würde uns jeder Laster plattmachen wie leichtsinnige Rehkitze.

In Riobamba, einer Stadt ohne Sehenswürdigkeiten und ohne Anziehungskraft, finden wir das Hotel, in dem wir die Nacht verbringen, und ein Restaurant, in dem wir zu Abend essen. Wir freuen uns auf den nächsten Tag, an dem wir zum Chimborazo aufbrechen werden. Doch dieser Tag hat uns bis ins Innerste erschöpft. Während der Wagen auf dem hoteleigenen Parkplatz sicher vor Dieben hinter massiven Gittern verschlossen wird, liegen wir schwer vor Müdigkeit in unseren Betten, niedergestreckt von Strapazen geradezu Humboldtschen Ausmaßes. Wir träumen von Wolkentälern und einem funkelnden Kaleidoskop aus Sternen, in deren kaltem Strahlen sich ein ganzes Universum offenbart. Am nächsten Tag wird uns Humboldt in eisige Höhen führen.

Wächter des Sonnentempels

Am Tage, an dem wir Cuenca Lebewohl sagen, spannt sich ein makellos blauer Himmel über die Anden. Fast könnte man glauben, es sei ein Gott, der auf dieser himmlischen Leinwand seiner Schöpfung die reine Idee von Blau offenbare. Das menschliche Auge, an allgegenwärtige Unvollkommenheit gewöhnt, sucht nach der kleinsten Unregelmäßigkeit, um darin Halt zu finden. Doch es gibt nichts, woran es sich klammern könnte, und so irrt der Blick unstet umher und endet doch wieder auf der Erde.

Es dauert geraume Zeit, bis wir aus der Stadt herausgefunden haben. Es scheint, an allen Ecken wird gebaut und zusätzlich zum Straßenbahnprojekt, dessen Umsetzung die gesamte Innenstadt blockiert, ist man auch noch ziemlich energisch damit zugange, die Ausfallstraßen zu erneuern. Ständig stößt man auf Hindernisse, die Hauptverkehrstrassen sind gesperrt, und bis wir die schlecht oder gar nicht ausgeschilderte Umleitung gefunden haben, vergeht wieder einmal viel Zeit.

Währenddessen fahren wir immer wieder im Kreis; es scheint uns wie Neo zu ergehen, als er einen Weg aus dem Metro-Tunnel des Trainman sucht. Selbst Google Maps, unser allwissender Cicerone und Führer durch alle Lebenslagen, kann natürlich nicht sämtliche Sperrungen in einer Provinzstadt irgendwo in den Anden kennen. Der freundliche Monopolist kennt mich zwar besser als ich mich selbst, aber uns aus dieser nicht sehr großen Stadt zu führen, damit tut er sich schwer. Wir haben fast den Eindruck, Cuenca will uns nicht gehen lassen an diesem wundervollen Tag mit seinem blauen, blauen Himmel.

Doch der Zufall ist ausnahmsweise einmal auf unserer Seite und schließlich finden wir doch die Panamericana, die uns geradewegs nach Norden führt, zum Chimborazo, Humboldts Schicksalsberg. Doch zuerst machen wir Station in Ingapirca: Bei Sonnenschein wirkt die Ruine des Sonnentempels noch viel eindrucksvoller. Majestätisch hebt sich das massive Gemäuer gegen den ätherisch blauen Himmel ab. Alles erscheint viel wirklicher als bei Regen, wenn die Ruinen, die Landschaft und der Himmel ineinander zu verschmelzen scheinen wie Wasserfarbe in einem traurigen Gemälde. Doch hoch in den Anden muss man immer mit Wetterkapriolen rechnen und das letzte Mal, da wir diesen Ort besuchten, schüttete der Himmel wahre Sturzbäche über unseren Köpfen aus.

Im hellen Licht des Tages gewinnt die Wirklichkeit an Kontur und wie nur bei wenigen Gelegenheiten gelingt es dem Besucher sich vorzustellen, wie die einst in pures Gold gekleideten Wände des Tempels vor den Augen des Inka im Sonnenglanz erstrahlt sein mögen. Wir spazieren mit der Sicherheit und Gelassenheit des erfahrenen Besuchers durch die Anlage. Die Erklärungen des Führers – niemand darf die Ruinenstätte ohne Guide betreten – rauschen an uns vorbei wie das Säuseln des Windes, der um die Mauern des Tempels streicht. Wir halten uns ein wenig abseits der Gruppe, die sich im Mauergeviert des Sonnentempels zu einem Erlebnis-Gruppenfoto aufbaut, wie man es zu Millionen im Internet finden kann. Man fragt, ob ich mich dazustellen wolle, aber warum sollte ich mich zusammen mit wildfremden Menschen fotografieren lassen, um dann auf deren Facebookseite als Staffage in die Kamera zu grinsen?

Denkmalschutz ist relativ neu in Ecuador – zumindest wenn man das Alter der zu beschützenden Stätten in Relation zu den Bemühungen um deren Schutz setzt. Erst in den letzten Jahren hat das bedrohte präkolumbianische Erbe im ecuadorianischen Staat einen mächtigen Hüter gefunden. Vorbei sind die Zeiten, da der abenteuerlustige Besucher die Mauern des Tempels ersteigen durfte, ohne dass ihn eine staatliche Behörde, geschweige denn der kraftlose Hausherr, daran hätten hindern wollen.

Das Land bemüht sich sehr um den Erhalt seines kulturellen Erbes, dessen Wert die breite Öffentlichkeit aber erst in jüngster Zeit erkannt hat. In manchen Gegenden wird die Plünderung archäologischer Stätten und Kunstraub auch heute noch als kaum mehr denn ein Kavaliersdelikt erachtet. Doch hier in Ingapirca nimmt der Staat seine Verantwortung sehr ernst und man ist sogar darum bemüht, die in den letzten Jahrzehnten angerichteten Schäden so gut es geht zu beheben.

Auf einer Wiese unterhalb der Tempelplattform sehen wir Gesteinsquader liegen, fein säuberlich ausgerichtet in Reih und Glied. Unser Führer erklärt, dass es sich bei den Blöcken um Teile der Tempelanlage handele. Die Steine wären von den Bewohnern der Gegend seit Jahrzehnten zum Bau von Häusern und Stallungen verwendet worden. Natürlich war das kein Diebstahl und auch kein Vandalismus (allenfalls Archäologen oder Kunsthistoriker hätten die rohe Tat als solchen betrachtet), denn lange existierte nicht einmal ein Gesetz, das die Zerstörung unersetzbarer historischer Stätten unter Strafe stellte. Die Ruinen galten den meisten lange Zeit wohl kaum mehr als ein Haufen alter Steine, die man jedoch, da sie schon behauen waren, vorzüglich als Baumaterial nutzen konnte.

Die Regierung hat einen Aufruf gestartet und die Menschen gebeten, die Steine wieder zurückzubringen. Und tatsächlich sind die Quader, die einst von den besten Steinmetzen der Inkas in Form gehauen wurden, um der Verherrlichung eines Gottes zu dienen, wieder zurückgekehrt, gerade so, als erinnerten sie sich daran, wo ihr angestammter Platz sei. Und da liegt es nun, das Erbe der Vorfahren, wie zum Spalier angetreten und darauf wartend, endlich nach Hause zurückkehren zu dürfen. Ich will hoffen, dass man die Steine freiwillig zurückgebracht hat, aus Einsicht, aber irgendwie will es mir nicht so ganz gelingen, daran zu glauben.

Es wird sicher noch viele Jahre dauern, die Blöcke wieder an ihren alten Platz zu befördern, und den Archäologen wird dieses Puzzle bestimmt noch so manches Kopfzerbrechen bereiten. Sie sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden, trotz leistungsfähiger Computer. Doch lässt sich wohl kaum auch nur ein einziges Beispiel finden, durch das der Beweis angetreten werden könnte, dass es leichter ist, etwas wieder zusammenzufügen als es zu zerstören.

Als wir die Ruinenstätte durch einen Hohlweg verlassen, werfe ich einen Blick zurück. Im Gegenlicht hebt sich der Tempel noch viel schärfer gegen den Himmel ab und die Mauern, in Schatten getaucht, umgibt eine geradezu mystische Aura. Ein Angehöriger des Wachschutzes steht am Rande der Plattform aus fugenlos zusammengefügten Quadern und wie ein einsamer Verteidiger gegen eine Übermacht von Feinden will er nicht von seinem Platz weichen. Ich lasse geraume Zeit verstreichen, um ihm die Chance zu geben, endlich zu verschwinden, doch er bleibt wie angewurzelt stehen und beäugt mich aufmerksam, gerade so, als fürchtete er, ich könnte zurückkommen und Steine aus der Mauer stehlen.

Zuerst ärgere ich mich, weil ich den Tempel einmal ganz ohne Menschen in ein Foto bannen möchte, doch als ich dann ein paar Aufnahmen mache, will mir scheinen, die winzige menschliche Figur am Rande der Plattform sei so etwas wie der unsterbliche Wächter dieses Heiligtums: Durch die Zeiten hindurch hütet er die Wohnstätte des Sonnengottes.

Der Himmel hat sich mittlerweile bedeckt und ein paar vereinzelte Wattewolken schwimmen gemächlich wie Treibeisschollen durch das Blau. Manchmal schieben sie sich für Sekunden vor die blendend weiße Sonnenscheibe. Dann gleißen sie silbrig und scheinen von innen heraus zu glühen und wenn die Wolken dann weiterziehen, ist es, als habe der Gott geblinzelt.

Trucks auf Abwegen

Gegen halb Drei sind alle glücklich im Auto versammelt und wir können nach Cuenca aufbrechen, der nächsten Station unserer Reise. Google, der hilfreiche Internetmonopolist, führt uns sicher aus der Stadt und ins Gebirge, das sich schon wenige Kilometer hinter der Küstenebene drohend in den Himmel erhebt. Auf halber Strecke nach Cuenca, irgendwo auf der gewundenen Autopista, zwischen einem Wegschrein der Jungfrau und einer einsamen Raststätte oberhalb der malerischen Berglandschaft, zwingen uns die vorausfahrenden Wagen zu einem Stopp. Zunächst begreife ich nicht, was geschehen ist, doch dann sehe ich, dass sich am Ausgang einer Kurve auf der Gegenspur ein Unfall ereignet hat.

Ein weißer Truck hat sich überschlagen. Anhand der Unfallspuren lässt sich leicht auf den Hergang schließen: Wahrscheinlich hat der Fahrer die Kurve zu eng genommen, so dass das rechte Vorderrad in den Graben geriet. Der Wagen neigte sich immer stärker zur Seite; schon fräste sich der Kotflügel in die Böschung und dann kippte er über, rutschte noch ein Stück auf dem Dach und blieb liegen, die Räder hilflos in die Luft gestreckt. Der Unfall muss sich nur Sekunden zuvor ereignet haben, denn als wir eintreffen, drehen sich die Räder noch. Weitere Fahrzeuge halten und bald ist eine bunte Schar von Schaulustigen und Helfern am Unfallort versammelt.

Irgendwann versucht man, den Wagen mit vereinten Kräften wieder umzudrehen, doch das Unterfangen ist aussichtslos. Es gelingt den Hilfswilligen lediglich, den schweren Pickup ein wenig auf dem Dach zu drehen. Einer hilft besonders eifrig, aber erst spät erfahre ich, dass es sich um den Fahrer handelt. Offenbar ist ihm nichts passiert, doch seine übertriebene Agilität und seine fahrigen Bewegungen deuten darauf hin, dass er unter Schock steht. Niemand empfiehlt ihm Ruhe, niemand möchte bis zum Eintreffen der Polizei warten, und ich wette, wäre es gelungen, den Wagen wieder auf die Räder zu drehen, hätte unser Fahrer seinen Weg fortgesetzt, als wäre nichts geschehen. Die Ordnungshüter lassen derweil auf sich warten. In beiden Richtungen vom Unfallort aus gibt es auf viele Kilometer keine Siedlungen, nur Berge und Wolken und Einsamkeit.

Wir fahren weiter – helfen können wir ohnehin nicht. Die Sonne nähert sich allmählich der zerklüfteten Horizontlinie. Am liebsten möchten wir hinter jeder Wegbiegung anhalten, um das großartige Panorama in ein Foto zu bannen. Leider gibt es nirgends Haltebuchten oder Parkplätze und einfach irgendwo stehenzubleiben auf der Autopista, die über keinen Seitenstreifen verfügt, wäre geradezu lebensgefährlich. Ein Unfall an diesem Tag reicht uns und so haben wir nur zweimal Gelegenheit zu eindrucksvollen Fotos.

Wir treffen in Cuenca bei völliger Dunkelheit ein. Doch Google-Maps lässt uns nicht im Stich – wir finden die „Cuenca Suites“ so leicht, dass ich mich zu fragen beginne, warum wir in unserem alten Auto ein Navi haben mussten, das uns fast öfter in die Irre als zum Ziel führte. Die „Cuenca Suites“ gehören nicht eben zu den preiswertesten Etablissements in der Stadt (aber gewiss zu den angenehmsten). Wir buchen jedoch online und tatsächlich gelingt es uns, ein Sonderangebot zu ergattern.

Unsere erste Mahlzeit in der Stadt nehmen wir im „Angelus“ ein, einem American Deli gegenüber der Kirche. Wir sind seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen und für den nächsten Tag sind wieder welterschütternde Unternehmungen geplant. Ich zappe mich noch ein wenig durch das reichhaltige Fernsehangebot – die Freuden des Pay-TV sind inklusive – ehe mir die Fernbedienung vor Müdigkeit fast aus der Hand fällt. Cuenca erwartet uns.

Tischlein, deck dich!

Am Tage unserer Ankunft in Guayaquil ist es schon reichlich spät und wir überlegen, wo wir noch etwas essen könnten, ohne unsere Reisekasse übermäßig zu strapazieren. Zwar gibt es ein hübsches Hotelrestaurant, doch die Preise sind eher abschreckend. Rechtzeitig fällt meiner Frau ein, dass sie anlässlich eines länger zurückliegenden Besuches in der Stadt in einem Restaurant zu Mittag aß, das ihr sehr gefallen hätte, und das sie uns nun wärmstens empfiehlt. Ein alter Bekannter lud sie damals zum Essen ein und offenbar hat das Mahl bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Jedenfalls erinnert sie sich noch an den Namen des Lokals: „Las Menestras de la Pocha“. Wir kämpfen uns durch den dichten abendlichen Stadtverkehr, doch dank Google-Maps finden wir das Restaurant tatsächlich auf Anhieb.

Die Gegend erweckt nicht gerade den Eindruck, als ob es eine gute Idee wäre, hier bei Dunkelheit spazieren zu gehen, aber in einer Stadt wie Guayaquil kann man sich wahrscheinlich nur in der Shopping-Mall, in der Hotel-Lobby oder im Wartesaal des Flughafens völlig sicher fühlen. Es ist spät am Abend und die Straßen der großen Hafen-Metropole sind erfüllt von Leben. Man hat den Eindruck, niemand in dieser Stadt müsste je schlafen.

Trotz der späten Stunde ist das Restaurant fast bis auf den letzten Platz besetzt. Der Laden erweckt eher den Anschein einer Kantine. Das Interieur ist einfach und zweckmäßig gestaltet, aber alles ist sehr sauber. Da das Lokal sich selbst Nachts eines geradezu fabelhaften Zuspruchs erfreut, dürfen wir für das Essen nur das Beste hoffen. Ein Tisch ist noch frei und wir stürzen uns darauf wie die Piranhas auf die blutige Beute. In der Sekunde, in der wir uns setzen, drückt uns der agile Kellner auch schon die Menü-Karte in die Hand. Das ist nicht die Art Lokal, in das man seine Angebetete beim ersten Rendezvous ausführen würde. Zum Glück kenne ich meine Frau schon ein wenig länger. Doch wir haben Hunger und wir wollen satt werden und dafür sind wir genau am richtigen Fleck gelandet.

Serviert werden, wie der Name verrät, ausschließlich Menestras, also Linsen- und Bohnengerichte. Ein Teller, das sind immer wahlweise Linsen oder Bohnen, weißer Reis und eine ordentliche Portion Fleisch vom Grill. Zur Auswahl stehen Rind, Schwein, Huhn oder Meeresfrüchte. Zugegeben, das Essen sieht in dieser unabänderlichen Dreifaltigkeit recht uniform aus und es kommt auch ziemlich schlicht daher. Auf den Tellern finden sich keine aufwendigen Dekorationen, kein Salat, kein Schnickschnack. Wir sind gespannt.

Obwohl der Laden nun bis auf den letzten Platz besetzt ist und die Bestellungen im Akkord eingehen, scheint dem Personal Eile fremd zu sein. Die Kellner bewegen sich mit aristokratischer Würde zwischen den Gästen, nehmen mit unbewegtem Gesicht Bestellungen entgegen und zaubern das Essen in solch atemberaubender Geschwindigkeit auf die Tische, dass es fast schon an Zauberei grenzt. Wenn man ihnen eine Weile dabei zuschaut, wie sie sich – steif aufgerichtet, das Kinn stolz in die Höhe gereckt – mit der Grazie von Tänzern von Tisch zu Tisch schwingen, gewinnt man fast den Eindruck, ihre Bewegungen folgten einer ausgeklügelten Choreografie. Leider bleibt einem nie viel Zeit, das Treiben zu beobachten, denn kaum hat man seine Wahl getroffen, ist das Essen auch schon da.

Wir brauchen bestimmt dreimal so lange, unser Essen aus dem ziemlich übersichtlichen Angebot auszuwählen, wie der Kellner benötigt, die Bestellung entgegenzunehmen und zu servieren. Kaum zwei Minuten sind vergangen, da stehen die Teller auch schon auf dem Tisch. Das Essen dampft. Die Bestellung hat uns fast überfordert, unser Kellner erweckt indes den Eindruck, die Arbeit sei für ihn kaum mehr denn ein verspieltes Hobby: Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, schreitet er würdevoll wie ein zufälliger Flaneur durch den Gästeraum. Nichts entgeht seinem scharfen Blick, jeder Wink eines Gastes erweckt seine Aufmerksamkeit und findet eine prompte Antwort. Ich bin beeindruckt.

Das Essen liegt recht unspektakulär auf dem Teller und eigentlich erwarten wir nicht viel, aber als die Bohnen in der cremigen Soße, das herzhaft gegrillte Rindfleisch und ein dampfender Schneeberg von Reis meine Geschmacksknospen küssen, verwandle ich mich augenblicklich in einen Fresssüchtigen. Ich kann nicht eher aufhören zu essen, ehe alles vollständig verputzt ist oder ich geplatzt bin. Glücklicherweise ist der Teller irgendwann leer und ich bin einfach nur satt, glücklich satt. Bedauerlicherweise verbietet die moderne Etikette das Tellerablecken.

Das Essen war ausgezeichnet und auch nicht allzu teuer. Wirklich preiswert kann man aber in Ecuador seit der Einführung des Dollars nirgendwo mehr essen. Die Preise unterscheiden sind nur dahingehend von denen in Berlin, dass man oft den Eindruck hat, hier wäre alles sogar noch um mehr als bloß einen Tick teurer. Die Betreiber des „Las Menestras de la Pocha“ müssen sich ums Geschäft jedenfalls keine Sorgen machen: Der Laden läuft so gut, als wäre er inmitten einer Typhus-Pandemie der letzte Ort, an dem es noch saubere Nahrung gibt.

Das Erfolgsrezept ist klar: Man beschränkt sich auf einfache Bohnen- und Linsengerichte und bietet diese in hervorragender Qualität an. Das Konzept geht auf, denn zur Mittagszeit und am Abend stürmen die Leute den Laden förmlich. Das ist kein Restaurant, sondern eine Geldmaschine. Ich wette, die Betreiber sind längst Millionäre und genießen den wohlverdienten Ruhestand an irgendeinem Palmenstrand in Miami, der Schweiz Lateinamerikas.

[Anmerkung: Gern hätte ich ein paar Fotos beigesteuert, doch es ist kein ganz ungefährliches Vorhaben, in einer großen Stadt wie Guayaquil eine Kamera für jedermann sichtbar mit sich zu führen. Nur zu leicht erregt man Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit ist wirklich das Letzte, was man sich wünschen könnte. Man sollte sich die Leute von hier zum Vorbild nehmen: Niemand zeigt in der Öffentlichkeit sein Handy oder sein Tablet oder protzt mit einer teuren Kamera. Dafür gibt es gute Gründe und es ist nur klug, nie zu vergessen, wo man sich gerade befindet.]

Manta: Asphalt und Straßenkarten

Manta ist eine der größten Städte in Manabí, einer der Küstenprovinzen Ecuadors. Sie beherbergt den größten Fischereihafen des Landes und ist der bedeutendste Umschlagplatz für Thunfisch im gesamten Ostpazifik. Aber das kann man auch auf Wikipedia oder in jeder beliebigen Länderenzyklopädie nachlesen und deswegen würde man auch kaum nach Manta reisen, denn Manta ist nicht nur berühmt für seine Fischkonserven, sondern vor allem für seine schönen Strände. Da trifft es sich gut, dass die beste Freundin meiner Frau in Manta lebt. Sie hat uns für ein paar Tage zu sich eingeladen und es wäre nicht nur unhöflich, sondern geradezu eine Torheit, wenn wir uns diese Gelegenheit entgehen ließen.

Vor drei Jahren, bei unserem letzten Besuch in Ecuador, hatte uns der Cousin meiner Frau nach Manta eingeladen und mit dem Auto dorthin gefahren. Wir hatten uns pünktlich für zehn Uhr Morgens verabredet, aber der Cousin traf dann doch erst gegen halb Zwölf mit dem Wagen vor unserer Haustür ein. Er schien diesen nicht unbeträchtlichen Zeitverzug gar nicht als Verspätung zu empfinden und aus der Sicht eines Küstenbewohners sind anderthalb Stunden auch gar nicht der Rede Wert, denn schließlich hat so ein Tag vierundzwanzig Stunden und in Bahía oft sogar noch ein bisschen mehr.

Obwohl auf der Karte nur eine kurze Strecke von Bahía entfernt, dauerte die Fahrt nach Manta eine Ewigkeit. Aber vielleicht kam es mir in dem kleinen Auto ohne Klimaanlage auch nur so vor. Damals waren die Straßen noch keineswegs so gut ausgebaut wie sie es heute sind und immer wieder gerieten wir an Streckenabschnitte, die man allenfalls in Schrittgeschwindigkeit passieren konnte, wollte man sich nicht unweigerlich die Federung ruinieren. Damals wurde allerorten viel gebaut und alle paar Kilometer sah man Bautrupps die alten löchrigen Straßen mit schwerem Gerät aufreißen oder Asphalt gießen.

Weite Teile des Streckennetzes waren bereits zu jener Zeit von Grund auf erneuert worden, aber es sollte noch weitere Jahre dauern, bis auch die letzten Teilstücke endlich internationalem Standard angeglichen werden konnten. Wenn einen heute die Abenteuerlust bis in die hintersten Winkel des Landes führt, kann man in der Regel davon ausgehen, dass man sich auf asphaltierten Pisten bewegt. Dadurch wird so eine Reise nicht weniger abenteuerlich, aber man erreicht sein Ziel auf jeden Fall schneller und vor allem reist man viel bequemer – Bandscheiben und Gesäß danken es einem.

Vor drei Jahren dauerte es elend lange bis wir endlich in Manta eintrafen, und dann war gerade noch genug Zeit übrig, ein Restaurant zu besuchen, bevor wir auch schon wieder die Rückreise antreten mussten. Ich glaube, daran war nicht der Zustand der Straßen schuld, sondern der Cousin, der eher in der Laune zu sein schien, uns auf einer Art Lustreise durch die schöne Landschaft zu kutschieren, als auf dem kürzesten Wege zum Ziel: Wenn man es schon mit der Zeit nicht allzu genau nimmt, wäre es naiv zu erwarten, dass man eine Karte benutzt, um den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten zu ermitteln. Damals waren Navis noch nicht sehr verbreitet und auch noch heute sieht man sie nicht oft. Karten gab es natürlich schon immer, aber aus irgendeinem Grund, der mir nicht bekannt ist und der, wäre er es, mir wahrscheinlich auch gar nicht einleuchten würde, verlässt man sich lieber auf das Gedächtnis oder den Rat eines Freundes, ganz so, als wäre der modernen Kartografie nicht zu trauen.

Natürlich besitzt heute jeder ein Handy und viele benutzen Google Maps, aber das Misstrauen, das man Straßenkarten entgegenbringt, scheint dennoch keineswegs verflogen: Als wir unsere Anwältin in Quito bei einer Gelegenheit im Auto mitnahmen, war sie regelrecht erstaunt, dass es eine Maschine gibt, die einem präzise den Weg weist. Sie schaute sehr skeptisch, aber wir beteuerten, dass das Navi in der Regel gut funktioniere. Unsere Versicherung schien ihren Zweifel nicht zu zerstreuen. Und selbst meine Frau, die sich als Ecuadorianerin während der Jahre in Deutschland doch viele der pedantischen Marotten der Deutschen zu Eigen gemacht hat, fragt unterwegs lieber wildfremde Menschen als sich durch einen Blick in die Karte des richtigen Weges zu vergewissern – als könnte man der Information eines Fremden eher vertrauen als der Kartografie, die immerhin eine Wissenschaft ist. (Wer wissen möchte, wie man ohne die Hilfe einer Straßenkarte reist und dennoch zum Ziel gelangt, mag „Coyotes“ von Ted Conover lesen. Darin reisen Menschen Tausende von Kilometern quer durch die USA und orientieren sich nur anhand dessen, was sie durch Hörensagen in Erfahrung gebracht haben.)