Als wir unseren Coco helado trinken, fallen mir ein paar Hähne auf, die hinter der Kühltruhe, in der die Kokosnüsse auf Trinktemperatur gekühlt werden, entweder in Käfige gesperrt oder an Pflöcke angebunden sind. Die Hähne wirken nicht wie die Tiere, die man für gewöhnlich auf einem Bauernhof anzutreffen vermutet. Diese hier sind viel schlanker und sie sind hochbeinig, als liefen sie auf Stelzen. Ihr Gefieder ist prächtig und die Schwanzfedern spreizen sich herausfordernd. Mit ihren schlanken Körpern, ihren grazilen Beinen und den agilen Bewegungen sehen sie eher aus wie kleine befiederte Dinosaurier denn wie gewöhnliche Hühner, und wenn man den Paläontologen glauben will, ist das ohnehin fast dasselbe. Es kommt mir so vor, als stolzierten sie kampflustig und mit der Todesverachtung von Gladiatoren durch ihre kleine Arena hinter der Kühltruhe. Morituri te salutant!
Wir geben uns arglos, denn es ist natürlich offensichtlich, dass es sich um Kampfhähne handelt. Wir fragen den Mann, was es mit den Tieren auf sich habe. Der Kokosmann rückt nur zögernd mit der Sprache heraus, vielleicht ja auch, weil Hahnenkämpfe illegal sind. Aber wir sehen nicht aus wie Gesetzeshüter und deshalb erzählt er uns dann doch ein wenig: Ja, das seien seine Kampfhähne. Mehr sagt er erst einmal nicht. Ich will wissen, ob diese hier schon einmal gekämpft hätten. Mit stolzer Geste erklärt er, alle seien Champions. Wir erfahren weiterhin, dass den Hähnen Sporen an die Krallen gesteckt werden, so dass ein Kampf eine recht blutige Angelegenheit sein kann, die für den Verlierer – und manchmal auch für den Sieger – nicht selten tödlich ausgeht.
Nicht ohne stille Genugtuung erklärt der Kokosmann, man könne viel Geld mit Kampfhähnen verdienen. Da es sich bei seinen Tieren, wie er behauptet, um Champions handelt, darf man annehmen, dass er von sich selbst spricht. Seit jeher ist es Sitte, bei Hahnenkämpfen hohe Wetteinsätze zu platzieren und wer da einen „Champion“ in seinem Stall hat, dem winkt sicher oft das Glück in Gestalt klingender Münze.
Meine Frau stammt zwar aus Bahía, aber sie hat noch nie davon gehört, dass irgendwo in der Stadt Kämpfe veranstaltet würden. Der Mann aber meint, das Spektakel würde jedes Wochenende in San Vicente abgehalten (das ist die Stadt auf der anderen Seite der Bucht). Aber Hahnenkämpfe sind sicher nicht die Art von Freizeitvergnügen, deren Besuch man einem Mädchen in jenen Tagen im erzkatholischen Bahía gestattet hätte. Seitdem ist viel Zeit vergangen, aber ich kann mir dennoch nicht vorstellen, dass das blutige Schauspiel irgendwann eine Frauendomäne sein könnte.