Ein Nachtrag in Sachen Internet 1

Wir leben nun schon eine ganze Weile in unserer neuen Wohnung in Nayón, doch leider haben wir immer noch keinen Internetanschluss. Wie schwierig es sein kann, Internet in den eigenen vier Wänden zu bekommen, und wie viel Geduld man vor allem aufbringen muss, um Wochen oder gar Monate offline zu überstehen, davon habe ich schon des öfteren in diesem Blog berichtet.

Nun endlich glomm wieder Hoffnung auf, denn für heute hatte sich der Netzanbieter „Netlife“ angekündigt. Die Monteure kämen vorbei, um den Internetanschluss endlich zu installieren – das wurde aber auch Zeit, wollte man da befreit ausrufen. Mit einer Verspätung von zwei Stunden, also pünktlich, gemessen am ecuadorianischen Zeitempfinden, trafen endlich die versprochenen Techniker ein. Sie fuhren mit einem Laster vor, als wollten sie nicht nur die Kabelbox installieren, sondern gleich im ganzen Haus den Beton aufstemmen, um überall neue Leitungen zu verlegen. Ich musste fast lachen, denn als die Tür aufging, standen vor mir dieselben drei Gestalten, die schon in unserer alten Wohnung in Santa Inés das W-Lan eingerichtet hatten. Und wieder kam mir die alte Frage in den Sinn, warum man drei Leute benötigt, wenn man nur eine Kabelbox an die Wand hängen möchte.

Als erstes fragten sie mich, wo die Box (caja) sei – keine Ahnung, was sie meinten; ich kenne viele Boxen, doch kaum die, die sie im Sinn hatten. Und selbst wenn ich es gewusst hätte, würde ich ihnen nicht zeigen können, wo sie sich befand, weil ich auch das nicht wusste. Anscheinend verwechselten sie mich mit dem Administrator der Wohneinheit. Doch dann baten sie mich, denselben anzurufen, damit er ihnen doch bitte verriete, wo sie die ominöse Box finden könnten. Ich tat, worum sie mich gebeten hatten, doch es nützte nichts, da auf beiden Handy-Nummern immer nur die Mailbox ansprang.

Die Leute von „Netlife“ wirkten ein wenig konsterniert, als wüssten sie überhaupt nicht mehr, was sie jetzt tun sollten. Das ist aber auch eine Crux mit diesen Boxen! Schließlich begaben sie sich auf die Suche und, man staune, schon nach wenigen Minuten fanden sie die vielbeschworene Box gleich neben dem Fahrstuhl, nur wenige Meter von unserer Wohnungstür entfernt. Sie öffneten die Abdeckung, schraubten ein wenig daran herum, berieten sich dann und schließlich verkündete ihr Sprecher mit traurigem Hundeblick, dass sie nichts tun könnten. Ich glaubte, mich verhört zu haben, und ließ mir die Botschaft von meinem Sohn, der fließend Spanisch spricht, noch einmal dolmetschen: Sie könnten nichts tun. Sie erklärten mir auch warum, aber eigentlich wollte ich nur Internet; an Ausflüchten war ich keineswegs interessiert.

Das kam nun wirklich etwas überraschend, zumal man bedenken muss, dass wir uns für einen Zeitraum von zwei Jahren vertraglich an „Netlife“ gebunden haben. Für uns heißt das, dass wir auf eine Auflösung des Vertrages drängen werden, denn der Anbieter kann die Dienstleistung, zu der es sich vertraglich verpflichtet hat, nicht erbringen. Nun sind wir aber in Ecuador und einen Vertrag aus nur allzu gut nachvollziehbaren Gründen aufzulösen, kann sich als schwieriger erweisen als die Entwirrung des Gordischen Knotens. Wahrscheinlich müssen wir auch noch eine Vertragsstrafe zahlen, weil wir früher aus dem Vertrag auszuscheiden gedenken. Wir warten ab und sehen uns nach einem neuen Anbieter um – was bleibt uns auch übrig.