Landesspezialitäten

Auf der Rückfahrt von Cochasquí kamen wir durch Guayllabamba. Das ist eine kleine Stadt nördlich von Quito, nur eine Katzensprung von der Panamericana entfernt. Die Hauptstraße des Ortes ist förmlich gepflastert mit Restaurants, Kantinen und Imbissständen und nicht wenige der Reisenden, die auf der Panamericana unterwegs sind, machen hier Station, um zu essen. Wir fuhren nicht bis in die Stadt hinein, sondern besuchten ein Restaurant kurz hinter der Abfahrt der Autopista, das „Guayllabambeñito“. Das Lokal breitet sich in einem riesigen Speisesaal aus, aber es war Mittagszeit und tatsächlich waren nahezu alle Tische besetzt.

Wir bestellten eine der Spezialitäten der Gegend: Fritada. Dazu gab es Chicha, das traditionelle Getränk der Anden, ein aus vergorenem Mais hergestelltes gelbliches Gebräu. Chicha schmeckt säuerlich-prickelnd und erinnert ein wenig an vergorenen Apfelsaft. Erfrischend und lecker – man darf nur nicht daran denken, dass die Gärung in alter Zeit eingeleitet wurde, indem man die Maische einmal ordentlich im Mund durchspülte und sie anschließend in ein großes Gefäß spuckte, in dem das Maisbier dann reifen musste, bis es sein volles Aroma entwickelt hatte. Heute ist die traditionelle Herstellung nicht mehr üblich und man ist ausnahmsweise einmal froh darüber, dass alte Traditionen gelegentlich aussterben. Darauf nahmen wir einen großen Schluck Chicha!

Abschied von Bahía

Die schöne Zeit in Bahía de Caráquez ging zu Ende; wir mussten zurück nach Cumbayá. Bevor wir abreisten, waren wir noch einmal im Pazifik baden. Es war Ebbe und um überhaupt ein paar Wellen abzubekommen, musste man hundert Meter ins Meer hineinlaufen, und selbst dort reichte das Wasser kaum bis zum Bauch. Es gab auch Badende, die sich noch viel weiter hinaus wagten, aber das schien mir dann doch zu gefährlich, zumal die Gezeiten schnell wechseln und Strömungen den Schwimmer aufs offene Meer hinausziehen können.

Schon am Morgen war der Himmel aufgerissen und die Sonne brannte den ganzen Tag lang gnadenlos auf den Strand. Das hielt die Badewilligen jedoch nicht davon ab, ihr Vergnügen zu suchen. Es waren so viele Leute am Meer wie kaum je außerhalb der Feriensaison und viel mehr als an den kühleren Tagen (an diesen Tagen ist es bewölkt und die Temperaturen liegen irgendwo knapp unter dreißig Grad). Man spürte die Hitze aber nicht, denn vom Meer blies ein beständiger warmer Wind und wenn man gerade aus dem Wasser kam, fühlte es sich angenehm kühl an. Doch man sollte die tropische Sonne nicht unterschätzen. In Berlin kann man gut und gerne den ganzen Tag am Orankesee sitzen und Abends noch ein paar Bier zischen, aber hier, am Äquator, sollte man die Mittagssonne lieber meiden. Nach drei Stunden war mir, als knisterte es in meinem Kopf und ich fühlte mich so matt, als hätte ich einen Sonnenstich – höchste Zeit, den Strand zu räumen.

Wir nahmen den langen Weg um die Landspitze herum. Der hundert Meter breite Sandstrand war wie ausgestorben – nicht eine Menschenseele hatte sich hierher verirrt. Dafür hockte das Badevolk auf der Buchtseite unter Schirmen und Zeltdächern, schleckte Eis und schlürfte kalte Drinks. Als ich zuhause ankam, war ich von der vielen Sonne regelrecht ausgelaugt und ich musste mich erst einmal hinlegen. Den Nachmittag zu verschlafen, ist in den Tropen nichts Schlimmes und niemand wird deswegen für faul gehalten, denn meist ist es so heiß, dass einem das Hirn zu kochen beginnt und selbst dem Arbeitswütigsten vergeht in der Hitze die Lust auf körperliche Anstrengung. Man schwitzt in einem fort, fühlt sich schlapp und ist vollkommen lustlos. Die Straßen sind um die Mittagszeit wie ausgestorben, die Geschäfte schließen, und die Leute essen Mittag oder machen Siesta. Im Schatten ruhen ist das einzig Sinnvolle.

Am nächsten Tag sagten wir Bahía Lebewohl. Wir verabschiedeten uns von der Familie und dankten der Tante, in deren Haus wir in den letzten Tagen logiert hatten. Die Tante hatte sich solche Mühe gegeben und war so nett, dass es mir leid tat, gehen zu müssen. Wir kommen bestimmt in den nächsten Ferien wieder.