Crossfit und Paläo

Ich bin auf der Suche nach einem Studio. Wenn man die körperliche Anstrengung nicht bewusst sucht, bewegt man sich hier so gut wie gar nicht. Das einzig Anstrengende ist das Shoppen – ständig muss man in Taxis steigen, aus Taxis aussteigen, Straßen überqueren, Shoppingcenter nach den Läden durchsuchen, in denen man einkaufen möchte. Ich hasse shoppen, am Abend bin ich immer wie gerädert. Aber es gibt unglaublich viele Dinge, die man braucht, wenn man seine Bleibe ein klein wenig wohnlicher gestalten möchte.

Direkt im Zentrum von Cumbayá, dort, wo die größte Shopping-Mall, sämtliche Automarken, Banken und alle teuren Restaurants ihren Standort haben, bin ich über ein Crossfit-Studio gestolpert. Ich war sowieso auf der Suche nach einem Studio. Zwar bin ich kein großer Fan dieser Art des Trainings, aber man kann ja mal einen Blick hineinwerfen: Das Studio ist groß wie die Turnhalle einer Schule; den Boden hat man komplett mit robusten Gummimatten ausgelegt. In der Mitte des Raumes hängen vier Paar Turnerringe von der Decke. Im hinteren Teil befinden sich mindestens zwanzig Klimmzugstangen in den unterschiedlichsten Höhen. Etwas am Rand stehen zwei Dutzend Langhanteln fein säuberlich sortiert in einem Rack und davor befinden sich bunte Plattenstapel, die aussehen wie geschichtete Buttercremetorten. Alles ist neu, vieles scheint noch unbenutzt und der ganze Raum riecht nach frischem Gummi, dass einem fast übel wird. Ich frage den Angestellten, der nicht so aussieht, als würde er viele Klimmzüge schaffen, wie teuer es sei, hier zu trainieren. Die Tageskarte kostet sieben Dollar, der Montsbeitrag beläuft sich auf 75 Dollar. Da bleibt mir fast die Spucke weg: 75 Dollar für ein paar Hanteln? In Berlin würde man nicht einmal für die Premium-Mitgliedschaft so viel bezahlen. Die Preise sind einfach nur abenteuerlich, aber das hat man davon, wenn man ausgerechnet dort trainieren möchte, wo sich das Geld konzentriert.

Nur ein paar Meter weiter sehe ich einen Laden, über dessen Tür groß der Schriftzug „Paleo-Training“ prangt. Ich bin neugierig. Ich kenne die Paläo-Diät und ich habe auch schon von Paläo-Training gehört, aber dass es eigens dafür Studios gibt, ist mir neu. Ich schaue kurz rein, um einen Eindruck zu erhalten: In einer ansonsten fast leeren Halle steht ein Parkour aus aufgebockten Baumstämmen. Die Teilnehmer des Kurses, der gerade veranstaltet wird, springen abwechselnd über die Baustämme oder kriechen darunter hindurch. Ich bin nicht sehr begeistert. Das Training erinnert mit an meine Zeit als Leistungssportler. Athletiktraining sah oft genauso aus, nur hatten wir keine Baumstämme zur Verfügung. Hürden unterschiedlicher Höhe taten es auch. Ich konnte dieses Training damals schon nicht leiden und ich mag es jetzt noch viel weniger. Dass es Leute gibt, die dafür Geld ausgeben, um von einem Drill-Instructor bis zur Erschöpfung über die Strecke getrieben zu werden, verwundert mich immer wieder. Aber wie heißt es so schön: Jedem Tierchen sein Pläsierchen.