5.100 Meter: Fremder in einer fremden Welt

Wie vielen anderen, die an diesem Tag zur Pyramide aufgestiegen sind, macht meiner Frau die dünne Luft zu schaffen. Bis jetzt hat sie sich nicht beklagt und tapfer durchgehalten. Doch dann beschließt sie, wieder zur Carrel-Hütte abzusteigen, während ich meinen Blick auf die himmelhohe Felswand richte, die sich über uns auftürmt wie ein Monument, das den Menschen immerfort die Unbesiegbarkeit der Natur verkündet.

Ich fühle mich so gut wie seit langem nicht mehr und mein Aufstieg zur Whymper-Hütte gleich einem einzigen unwiderstehlichen Triumphmarsch. In Quito habe ich bei jeder größeren Anstrengung unter Atemnot gelitten, doch hier, in fast doppelt so großer Höhe, berste ich geradezu vor Energie und ich überhole jeden meiner Mitstreiter – von Luftnot und Schwindel keine Spur. Ich beginne allmählich zu glauben, dass ich die unerwartete Leistungssteigerung dem Doping durch Coca-Tee zu verdanken habe.

Die Whymper-Hütte ist der Ausgangspunkt für alle ernsthaften Versuche, den Gipfel zu erklimmen. Die Leute, die man vor dem pittoresken Häuschen mit dem roten Dach herumlungern sieht, tragen ausnahmslos Bergausrüstung, wie sie für einen Grenzgänger zwischen Himmel und Erde angemessen ist. Die meisten machen mir durchaus den Eindruck, sie seien Profi-Bergsteiger oder zumindest Amateure, die wissen, auf welches gefährliche Terrain sie sich begeben.

In meinen Cargo-Shorts falle ich da nur umso mehr auf und der ein oder andere mag, nachdem er den sonderbaren Anblick nur lange genug auf sich hat wirken lassen, zu der Überzeugung gekommen sein, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank. Doch niemand fordert von mir eine Erklärung und hätte man mich wohlwollend darauf aufmerksam gemacht, dass meine Kleidung kaum angemessen sei, um darin durch die Tierra nevada zu lustwandeln, würde ich mich einfach zum wahren Erben Humboldts erklärt und behauptet haben, nur verweichlichte Salon-Alpinisten schmücken sich mit solch unnützem Tand wie warmer Kleidung, Steigeisen und Eispickeln. Der Purist am Berg hat den Firlefanz nicht nötig.

Die Landschaft auf über fünftausend Metern Höhe wirkt so karg wie die Wüsten des Planeten Mars: Kahle Geröllfelder breiten sich unterhalb des vereisten Gipfelmassivs aus; monumentale Schuttfächer lehnen am Fels gleich riesigen Schanzen. Auf dieser Höhe gibt es kein Leben, längst ist der letzte Flecken Grün aus der Landschaft verschwunden. Es dominieren die Farben Rot und Grau mit einem Himmel darüber in Blau und Weiß. Wenn es tatsächlich noch Leben gibt, dann sind es allenfalls Mikroben, die den harschen Umweltbedingungen im Schutze der Felsen trotzen, verborgen in dem feinkörnigen und vor allem staubtrockenen Geröll.

In der Tat fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, man sei auf einem anderen Planeten: Keine der Landschaften, die ein Mensch in seinem Leben unter normalen Umständen zu Gesicht bekommt, wirkt so fremd wie diese. Die rostrote steinige Einöde gemahnt wirklich an die Wüsten des Mars. Enthusiasten einer Kolonisierung unseres Nachbarn müssten keine Außenstelle auf einer arktischen Insel unterhalten, um schon einmal auf dieser Welt zu erproben, wie es sich dort oben lebt. Ebenso gut könnten sie in die Whymper-Hütte einziehen: Es ist kalt und trocken und die Luft ist genauso dünn wie auf dem Roten Planeten (zumindest fühlt es sich so an). Man müsste dann nur noch Platz für die Alpinisten finden – in der Luftschleuse vielleicht oder in der bioponischen Anlage.

Spätestens an der Whymper-Hütte verliert sich der Strom der Touristen. Es sind nur wenige, die den Aufstieg bis in diese Höhe wagen, und noch viel weniger, die den Weg zur Laguna einschlagen: Von der Hütte aus geht es linker Hand über einen Geröllhügel. Der Aufstieg ist, abgesehen von den Schwierigkeiten, die einem die dünne Luft bereitet, keine nennenswerte Herausforderung. Allerdings sollte man spätestens hier gutes Schuhwerk tragen, zumindest solches mit Profilsohle, denn der Untergrund ist an vielen Stellen so lose, dass man kaum noch sicher Tritt fassen kann.

Dann stehe ich vor der Laguna Condor Cocha – und bin maßlos enttäuscht. Die Phantasie hatte mir einen kalten klaren Gletschersee vorgegaukelt, auf dessen Oberfläche sich das dramatische Schauspiel von Wolken und Himmel spiegelt. Stattdessen finde ich einen kreisrunden Tümpel mit schlammig trübem Wasser. Die Laguna ist so klein, dass man zum gegenüberliegenden Ufer spucken könnte. Der blaue Gletschersee entpuppt sich als Pfütze.

Ich mache Fotos und verliere mich ganz in dem Anblick aus Himmel, Fels und Eis. Die vergletscherte Flanke des Chimborazo steigt nun senkrecht vor mir in die Höhe. Man kann den Gipfel nicht sehen, denn so dicht unter dem Berg verhindert die domartige Krümmung der Kuppe die direkte Sicht. Der Blick schweift über Steilstufen und Abbruchkanten, an denen graue Eiszungen hängen gleich gefrorenen Wasserfällen. Unberührte Schneefelder bedecken das Gipfelplateau wie eine weiße Haube. Der Anblick ist majestätisch und furchteinflößend zugleich. Im Angesicht der überwältigenden Macht des Berges fühlt man sich klein und hilflos. Wie kann jemand behaupten, er habe den Berg bezwungen?

Ein paar Anoraks haben sich an der Laguna unter der Eiswand eingefunden. Das Wichtigste sind die Fotos. Man zückt die Handys und pausenlos wird anvisiert, aber nicht der Berg oder der See sind die bevorzugten Motive. Eigentlich macht man nur von sich selbst Bilder, auf denen der Berg zufällig im Hintergrund auftaucht, als Dekoration für die eigene grinsende Visage. Man fragt mich, ob ich auf den Auslöser drücken könne. Zum Dank komme ich dann auch noch auf ein Foto.

Ich weiß nicht, ob man mich fotografiert, weil ich den Leuten in meinem windigen Aufzug ein seltenes Beispiel Humboldtscher Verrücktheit bin, oder weil ich – zumindest nach Ansicht der Ecuadorianer – wie Jesus aussehe. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn schließlich ist der Heiland mein Landsmann (wenn ich nicht irre, ist Berlin sogar seine Geburtsstadt). Aber man müsste gar nicht der eineiige Zwilling des berühmtesten Zimmermanns aller Zeiten sein, denn jeder, der das Haar schulterlang trägt und Bart hat, sieht sich mit der überraschenden Tatsache konfrontiert, dass er Jesus auf verblüffende Weise gleiche. Die Männer sind hierzulande glattrasiert wie die Popen und auf dem Kopf trägt man langweilige Schreibstuben-Frisuren. Da ist der blasphemische Vergleich wohl unausweichlich. Ich nehme es mit Würde, doch eigentlich sollte ich mich geschmeichelt fühlen.

Zur Linken der Laguna erheben sich weitere Geröllhügel, die, je näher sie zum Berg liegen, allmählich in einen Schuttfächer übergehen. Die Laguna liegt auf 5.100 Metern Höhe – dies behauptet zumindest das Schild, das man an ihrem Ufer aufgestellt hat. Ich will der Parkverwaltung nicht widersprechen, denn die Luft fließt so dünn in meine Lungen, dass ich nach jeder größeren Anstrengung das Gefühl habe, die Lungenflügel würden kollabieren. Theoretisch ist es möglich, noch höher aufzusteigen, doch begegnen einem auf dem Weg nach oben Hindernisse, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Es ist nicht der Berg, der dem Gipfelstürmer den Weg zu unsterblichem Ruhm verwehrt. Der Halt wird auf recht prosaische Weise von einem Angestellten der Parkverwaltung erzwungen.

Ich befinde mich nun auf einem Hügel oberhalb der Laguna und wahrscheinlich könnte man auf dem Kamm des Schuttfächers noch gut drei- oder vierhundert Meter aufzusteigen, bevor dünne Luft, eisige Kälte, vor allem aber zunehmend unpassierbares Terrain der Kletterpartie ein jähes Ende bereiten würden. Doch das eigentliche Hindernis ist eine kleine, zähe Frau, die, eingepackt in eine dicke Wattemontur, den Zugang zum Berg bewacht wie ein Zerberus. Wie sie so allein in der roten Geröllwüste steht, hermetisch eingeschlossen in ihre warme, winddichte Kleidung, könnte man sie für eine Mars-Astronautin im prall aufgepumpten Raumanzug halten. Irgendwo hinter den roten Hügeln muss ihr Schiff auf Teleskopbeinen in der Landschaft stehen.

Sie schaut mich an, als wäre ich der erste Marsianer, der ihr über den Weg läuft. Mein sommerlicher Aufzug scheint sie tief zu beeindrucken. Die Bewunderung hält aber nur kurz an und darüber hinaus ist sie auch nicht so ganz überzeugt, jedenfalls nicht genug, um mich einfach passieren zu lassen. In der dünnen Luft spart sie sich die Worte: Mit einer befehlenden Geste macht sie mir unmissverständlich klar, dass meine kleine Expedition hier und jetzt beendet sei.

Ich gebe mich empört und tue so, als hätte mich der Präsident persönlich (und in Privataudienz) damit beauftragt, den Gipfel zu bezwingen – als erster Mensch in kurzen Hosen. Doch sie mag den Präsidenten anscheinend nicht, denn sie weist mir so energisch (und verärgert) den Weg, dass kein Zweifel mehr besteht: Mein Aufstieg ist beendet. Ich befinde mich auf ca. 5.200 Metern. Ich bin auf dem Mars, aber den Himmel werde ich nicht mehr erreichen, obwohl ich ihm so nahe gekommen bin, wie nur irgend möglich. Verdammte Nasa!

Ich verweile einen Augenblick auf den Hügeln oberhalb der Laguna. Der See wirkt von hier oben winzig wie ein Spucknapf. Die Gletscherzungen reichen fast bis zu seinem Ufer, aber auf dem Weg nach unten werden sie immer dünner, wie schüttere graue Haarsträhnen, und schließlich verlieren sie sich als Kreidestriche im Fels. Für einen imposanteren Eindruck müsste man auf die globale Erwärmung setzen, doch es ist hier so kalt, dass man sich nicht vorzustellen vermag, die mächtigen Gletscher könnten irgendwann einmal schmelzen. Und dennoch ist es vermutlich möglich.

Während ich vergnügt über die Geröllhügel spaziere und dabei Fotos mache, wird jede meiner Bewegungen argwöhnisch verfolgt. Die Parkangestellte behält mich mit Argusaugen im Blick, denn wahrscheinlich versuchen immer wieder Verrückte, sich an ihr vorbeizustehlen. Ich habe nicht vor, sie auszutricksen. Von dem Vorhaben, noch höher aufzusteigen, habe ich mich endgültig verabschiedet, doch sie scheint zu glauben, ich wolle sie mit meinem harmlosen Getue bloß täuschen. Wie ein Gardesoldat auf Wacht baut sie sich vor mir auf, in kaum zehn Metern Entfernung, und sie lässt mich nicht eine Sekunde aus den Augen. Ich versuche, die Situation mit einem augenzwinkernden Lächeln zu entspannen, doch sie schaut mich an, als lösten meine Lockerungsübungen nur Bauchschmerzen bei ihr aus.

Ich lasse mich nicht drängen. Ruhig schieße ich meine Fotos. Ohnehin dauert alles länger, denn mittlerweile sind meine Hände blau vor Kälte und meine Finger haben ungefähr noch so viel Gefühl wie ein geklopftes Schnitzel. Hinuntersteigen will ich aber nicht, noch nicht, denn ich möchte mir die einmalige Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen. Es dauert eine Ewigkeit, das Kameraobjektiv zu wechseln, und als ich es schließlich doch geschafft habe, möchte ich fast in Jubel ausbrechen.

Gipfel, Gletscher und Gefahren

Wenn man „Vulkan“ hört, gaukelt einem die Einbildungskraft vor, man hätte es mit einem feuerspeienden Bergriesen irgendwo im unzugänglichen Urwald oder auf einer Insel in den entferntesten Regionen des Ozeans zu tun. Doch dieser Berg liegt in Sichtweite der vielbefahrenen Panamericana und Straßen führen direkt bis an seinen Fuß. Und wenn man will, und wenn nicht gerade Ausbruch-Warnstufe „Gelb“ ausgerufen ist, kann man der Straße auch noch ein ganzes Stück weit bergauf folgen, bis auf 4.600 Meter. Nur zweihundert Meter höher, knapp unterhalb der schroffen Eiszungen des Gipfelgletschers, liegt die alpine Schutzhütte „José Rivas“ wie ein roter Ziegelstein auf der schwarzen Felsflanke des Vulkans.

Doch an diesem Tag war die Straße, die zum Gletscher hinaufführt, leider gesperrt. Ein junger Parkranger bewachte den Abzweig, denn die Unvernunft ist in diesem Land so allgemein, dass man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen muss, einige der Parkbesucher würden die Schranke, die den Weg sperrte, geradezu als Aufforderung verstehen. Der Vulkan könne jederzeit ausbrechen, meinte der Parkranger, und wenn man sich zufällig dort oben aufhalte, sei man verloren. Wir überredeten ihn, ein Bild von uns zu machen, mit dem Vulkan im Hintergrund. Er schien nicht unglücklich über die Abwechslung, denn den ganzen Tag allein in der Landschaft herumzustehen und Posten zu schieben, um uneinsichtigen Möchtegern-Abenteurern die nur allzu offensichtlichen Gründe auseinanderzusetzen, warum sie nicht zur Schutzhütte hinauffahren dürften, gehört vielleicht nicht zu den Dingen, von denen man als Berufsanfänger immer geträumt hat.

Der Cotopaxi gilt unter Geologen als typischer Stratovulkan, also als Schichtvulkan, bei dem jeder neue Ausbruch eine weitere Decke Asche, Geröll und Lava über die Ablagerungen älterer Ausbrüche legt. Der Berg wird so mit jeder Eruption immer größer und seine regelmäßige Kegelform ist der Tatsache zu verdanken, dass Auswurfmaterial gleichmäßig auf die Hänge verteilt wird. Nach allgemeiner Vorstellung ist der Cotopaxi so etwas wie der Prototyp eines Vulkans und wenn man Kinder einen Feuerberg malen ließe, sähe das Ergebnis wahrscheinlich aus wie der Cotopaxi.

Der Vulkan erhebt sich fast unvermittelt aus der flachen Ebene, wodurch er noch viel beeindruckender wirkt als er ohnehin schon ist. Er hat keine Rivalen, mit denen er sich den Himmel teilen müsste, und so weit das Auge reicht, ist er der solitäre Herrscher dieser kalten stillen Welt. Seine Flanken steigen steil, aber fast gerade an und seine massive Silhouette verjüngt sich kegelförmig zur Spitze hin. Firnfelder und Gletscher krönen den Gipfel – ein wahrhaft majestätischer Anblick.

Und da standen wir also vor dem gewaltigen Vulkankegel und sahen – so gut wie nichts. Der Parkranger, der an der Kreuzung Wache hielt, erklärte uns, dass der Bergriese sich fast immer in Wolken hülle, die meiste Zeit des Jahres. Nur sehr selten klare es einmal auf und nur dann könne man den schneebedeckten Gipfel in seiner ganzen Pracht bewundern. Die Postkarten mit einem Cotopaxi vor strahlend blauem Himmel, die der Tourist gerne kauft, um sie in alle Welt zu versenden als Beweis, dass er tatsächlich den „gefahrvollen“ Aufstieg zum Vulkan gewagt hat, sind in diesen seltenen Augenblicken entstanden. Wahrscheinlich musste der Fotograf viele Tage warten, ehe ihm die Aufnahme glückte.

Freundliche Parkranger

Wir folgten der Panamericana einige Kilometer weiter nach Süden und die Ausschilderung ließ tatsächlich nichts zu wünschen übrig. Wir fanden die Zufahrt zum Cotopaxi-Nationalpark ohne Probleme und nach kurzer Fahrt auf der schön asphaltierten Straße gelangten wir zum Eingangstor. Der ecuadorianische Staat hat seine Naturparks in den letzten Jahren nach US-Vorbild erschlossen und unter Verwaltung genommen. Das imposante Eingangsportal macht jedem Besucher klar, dass er im Begriff steht, eine Grenze zu überschreiten. Wenn man sich dann dem Tor nähert und schließlich hindurchfährt, befällt einen freudige Erregung wie sonst nur im Kino, wenn die Lichter ausgehen und der Film beginnt.

Ausnahmslos jeder, der den Park zu betreten wünscht, muss sich zunächst registrieren lassen. Selbst die Pässe werden eingesehen und das Prozedere erinnert ein wenig an die Abfertigung an einer streng bewachten internationalen Grenze. Der Besucherverkehr war an diesem Tag nicht besonders stark und der große Parkplatz vor dem Eingangstor lag größtenteils verwaist. Die Mehrheit der Besucher schienen Ecuadorianer zu sein. Gringos oder zumindest Menschen, die so aussahen, als wären sie welche (was auf mich zutrifft), sah man nicht. Eigentlich schien ich weit und breit der einzige Nicht-Ecuadorianer zu sein und deshalb fiel ich dem Bodenpersonal der Parkverwaltung natürlich sofort auf. So ist es auch nicht verwunderlich, dass mich der erste Parkranger ansprach, kaum dass ich aus dem Wagen gestiegen war.

Während meine Frau uns für den Besuch anmeldete und die Tickets kaufte, unterhielt ich mich mit dem Mann. Wir stellten einander vor. Er sagte, er heiße Giovanni und sei Parkranger. Mich verwunderte ein wenig, dass man uns so leutselig begrüßte, denn eine solche Umgänglichkeit geht den Leuten aus der Sierra meist ganz ab. Man ist eher verschlossen und oft auch ein wenig reserviert, insbesondere gegenüber Fremden. Hier nun hatte man aber jemanden als eine Art Conferencier angestellt, dem es sichtlich Spaß machte, die Gäste des Parks zu begrüßen, zu informieren und mit ihnen zu plaudern. Wenn man so begrüßt wird, fühlt man sich wirklich willkommen.

Ich fragte Giovanni, ob es denn seine hauptsächliche Beschäftigung sei, Gäste zu begrüßen. Eigentlich schon, meinte er, und er fügte hinzu, dass er seinen Job leidenschaftlich liebe. Doch oft hätte er auch im Park selbst zu tun und Gäste zu empfangen, sei zwar ein wichtiger und auch ein sehr angenehmer Teil seiner Arbeit, aber eben nur ein Teil. Ich bemerkte, er hätte es kaum besser treffen können: Immer sei er in der Natur und zumeist hätte er es mit gutgelaunten Menschen zu tun. Er pflichtete mir ohne Einschränkung bei. Ich fragte ihn, ob ich ein Foto von uns beiden haben könnte. Por supuesto – selbstverständlich! Und so kam die Aufnahme in die Galerie – ich mit Parkranger Giovanni.

Neben dem Eingangstor liegt das Gebäude der Parkverwaltung; man findet dort auch das Besucherzentrum, den unvermeidlichen Souvenirshop und ein Café. In einer Auslage des Cafés entdeckten wir rein zufällig, wonach wir schon so lange gesucht hatten: Coca-Blätter. Zwar nutzen die Einheimischen Coca seit jeher, um die Auswirkungen der Höhenkrankheit zu lindern, aber dennoch ist es ein Rätsel, warum man Coca-Blätter nirgendwo kaufen kann. Hier nun wurden wir fündig und wir kauften zwei kleine Päckchen mit getrockneten Blättern für Tee und eine Salbe. Wem die Höhe zu schaffen macht und wer sich schon hier, am Eingang des Parks, ein wenig flau fühlt, kann sich auch gleich im Café seinen Coca-Tee zur Stärkung bestellen. Im Besucherzentrum des Parks hat der Reisende zudem zum letzten Mal Gelegenheit, eine zivilisierte Toilette aufzusuchen. Die Tour durch den Park dauert mehrere Stunden und man ist gut beraten, das sanitäre Angebot zu nutzen.