Nur ein Reifen

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Posts, die auf einen einzelnen Blogpost unter dem Titel „Eine wahre amerikanische Odyssee“ zurückgehen. Siehe auch die Einleitung zu dieser Serie!

Eigentlich wollen wir nach Newhaven, aber wieder einmal läuft uns die Zeit davon, während das Schicksal schon andere Pläne für uns schmiedet: Am Nachmittag besuchen wir einen Wendy’s Diner (die Schoko-Shakes sind große Klasse!). Als wir vom Parkplatz rollen, bekomme ich im Display die Meldung, dass der Luftdruck im hinteren rechten Reifen zu niedrig sei. Erst glaube ich, dass es sich um eine Falschmeldung handeln muss, aber das rote Licht ist so nervig, dass ich schließlich parke und nachsehe. Und tatsächlich, eine dicke Schraube hat sich durch den Mantel des Reifens gebohrt. Ich kann es sogar zischen hören. Da es schon zu spät ist und die Reifenshops bereits um 18:00 Uhr schließen, entscheide ich, bis zum nächsten Tag zu warten.

Ich suche ein Geschäft für Autoteile auf und reihe mich in die Schlange ein, während der undichte Reifen leise vor sich hin zischt. Ich kann mir nicht erklären, warum dieser Car-Shop um diese Zeit so voll ist. Vor mir in der Reihe wartet ein älterer Herr, ein Gentleman im Freizeitoutfit. Er duftet nach teurem Rasierwasser und der eisgraue Haarschopf ist akkurat frisiert. Die Kleidung ist penibel sauber und frisch gebügelt. Als er hört, dass mein Wagen einen undichten Reifen hat, erklärt er mit der Stimme eines News-Anchorman: „When it comes to tire pressure, you come first.“ Und er macht mir augenblicklich Platz, damit ich schneller an die Reihe komme.

Ich lasse mir vom Verkäufer, der so jung ist, dass er leicht mein Sohn sein könnte, zu einem Dichtungsschaum raten. Ich fülle den Schaum ein und pumpe den Reifen an der Tankstelle noch einmal gut auf. Und tatsächlich, der Druck hält über Nacht. Am nächsten Morgen ist der Reifen immer noch prall gefüllt. Ich fahre los – nichts passiert –, doch kaum bin ich auf den Highway eingebogen, ist die Luft innerhalb weniger Sekunden aus dem Reifen entwichen und ich habe einen Platten. Ich nehme die erstbeste Ausfahrt und rette mich auf den Parkplatz einer Tankstelle.

Ich habe noch nie eigenhändig einen Reifen gewechselt, aber bekanntlich ist ja irgendwann immer das erste Mal. Das Aufziehen des Ersatzrades geht mir wider Erwarten so leicht von der Hand, als hätte ich mein ganzes Leben lang nie etwas anderes getan. Aber ein Reifen reicht aber fürs Erste und ich bin froh, als ich den Platten im Kofferraum verstaut habe. Anschließend frage ich den Angestellten des Tankstellen-Shops, ob ich mir die Hände waschen könnte und wir kommen ins Gespräch.

Er sagt, er stamme aus Texas und sei eigentlich nur wegen seiner Frau nach Connecticut gezogen. Aber es gefalle ihm hier nicht. Das Leben sei viel zu hektisch und die Leute seien einfach zu kalt, nicht so wie in Texas. Er freut sich zu hören, dass wir drei Jahre in Texas gelebt haben. Ich sage ihm, dass es uns dort sehr gefallen hätte. Das scheint ihn irgendwie aufzumuntern. Er meint, er und seine Frau wollten fortziehen nach Westvirginia. Dort sei es viel ruhiger. Er spendiert uns noch einen Kaffee und dann fahren wir auf unserem nagelneuen Ersatzrad zum Reifenshop.

Man sollte annehmen, im Autoland USA wäre das Wechseln eines Reifens eine ganz simple Angelegenheit und ein Viertelstündchen müsste mehr als ausreichend sein, um den neuen Reifen aufzuziehen und nebenbei auch noch die anderen Reifen einmal herum zu rotieren – so jedenfalls war es mir aus Texas in Erinnerung geblieben. Nachdem wir dann aber drei Stunden im Tireshop gewartet haben, teilt man uns mit, dass kein passender Reifen gefunden werden könnte. Wir sollten uns aber noch bis zum Abend gedulden – bis dahin würde man uns den passenden Reifen ganz sicher besorgt haben.

Am Abend klingelt mich die Werkstatt an, um mir lapidar mitzuteilen, dass es in ganz Connecticut keine passenden Reifen für unseren Wagen gäbe – „Sorry about that.“ Ich setze mich mit der Autovermietung in Verbindung: Ja, es sei schwierig, passende Reifen für dieses Modell (Chevrolet Malibu) aufzutreiben – als ob wir das nicht schon wüssten. Man bietet uns stattdessen einen neuen Wagen an. Allerdings könnten wir das neue Auto nicht in Connecticut entgegennehmen. Vielmehr müssten wir uns nach Long Island bemühen.

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Manta: In Ostasien mit James Dean

Diesmal fuhren wir mit dem eigenen Auto und das Navi führte uns über die glänzend ausgebauten Straßen in nur anderthalb Stunden nach Manta. Eigentlich wollten wir einen kurzen Abstecher nach Rocafuerte machen, einer kleinen Stadt auf halbem Wege zwischen Bahía und Manta, aber obwohl ich den Namen der Stadt ins Navi eingab, führte uns das launische Gerät zielsicher daran vorbei. Manchmal bin ich nahe daran zu glauben, dieses Navi hat ein eigenes Bewusstsein, und Routen, die ihm aus irgendeinem Grund nicht zusagen (wer weiß schon, was in so einem elektronischen Hirn vorgeht), werden einfach ignoriert. In Rocafuerte wollten wir Süßigkeiten kaufen, denn die Stadt ist unter allen Süßmäulern berühmt für ihre Dulces, kleine süße Sünden, von einfachem Gebäck bis hin zu aufwändig verarbeitetem Konfekt. Doch das süße Leben musste bis zu unserer Rückreise warten.

Die Strecke zwischen Bahía und Manta ist sehr schön und die Fahrt hat etwas von einer Landpartie: Das Autofahren ist ein reines Vergnügen, denn die Straßen sind in hervorragendem Zustand. Meist ist auch nicht viel Verkehr unterwegs, so dass man von den üblichen Belästigungen durch andere Verkehrsteilnehmer weitgehend verschont bleibt. Man fährt durch ländliche Gebiete, die – so hat es den Anschein – von moderner Infrastruktur noch kaum berührt worden sind. Dennoch gibt es eine ganze Menge zu sehen, denn alle paar Kilometer wechselt die Landschaft und man hat den Eindruck, hinter jeder Wegbiegung ist der Ausblick noch schöner.

Einmal hielten wir in der Nähe Charapotós (das ist ein Ort auf der Stecke), um Fotos zu schießen: Reisfelder erstreckten sich bis zum Horizont und auf den schnurgeraden Rainen zwischen den Feldern, kleinen Wällen, die verhindern, dass das Wasser abfließt, wuchsen Palmen in den azurblauen Himmel. Auf den Feldern wateten die Bauern durch das knöcheltiefe, schlammige Wasser und pflanzten Stecklinge. Um sich vor der heißen Sonne zu schützen, hatten sie sich dick eingemummelt. Das Tagesgestirn schien mit einer Kraft, dass man innerhalb kürzester Zeit regelrecht verbrannt wäre, wenn man nicht jede noch so kleine Hautstelle mit Kleidung bedeckt hätte. Die Landschaft wirkte so ursprünglich und friedlich wie die bukolische Idylle aus der Feder nur irgendeines schwärmerischen Romantikers. Hätte man keine Ahnung, wo man sich befände, könnte man wegen der Reisfelder leicht der Vorstellung erliegen, man sei irgendwo in Südostasien. Ich war nie in Vietnam oder Kambodscha, aber Jahrzehnte ungezügelten Fernsehkonsums haben meinen Gehirnwindungen die Ikonografien des Medienzeitalters unauslöschlich eingeprägt: Einen Augenblick lang erwartete ich tatsächlich, einen Huey-Helikopter über die Wipfel der Palmen brausen zu sehen.

Eingedenk unserer Erfahrungen vor drei Jahren hatten wir damit gerechnet, dass wir gut drei Stunden benötigen würden, um Manta zu erreichen. Wir waren regelrecht verblüfft und zugleich freudig überrascht, als wir schon nach der Hälfte der Zeit an die Stadtgrenze gelangten. Dabei hatten wir uns nicht einmal sehr beeilt, sondern – ganz im Gegenteil – unterwegs noch Zeit gefunden, anzuhalten und die malerische Landschaft zu fotografieren.

Mit jedem Kilometer, mit dem wir uns der Stadt näherten, schien es wärmer zu werden. Die Einheimischen meinen, Manta sei eine der wärmsten Städte in Ecuador und tatsächlich, wenn man aus dem klimatisierten Auto steigt, hat man das Gefühl, man sei an die Ausläufer einer Wüste gelangt: Die Sonne brannte unbarmherzig auf das Land nieder und der Wind war so heiß und trocken, dass man meinte, das Fleisch würde einem am Knochen gedörrt. Auch die Landschaft hatte sich verändert und den höheren Temperaturen und vor allem der Trockenheit angepasst: Kurz vor Manta hatte das Land ein fast wüstenartiges Gepräge angenommen und beiderseits der Autopista sah man nur noch karge, allenfalls mit Dornbüschen und Sukkulenten bewachsene Erdhügel. Die Klimaveränderung wird durch den Humboldtstrom verursacht, der ungefähr auf der geografischen Breite von Manta in den Pazifik abknickt.

Die Urbanisation Manta Beach, in der die Freundin meiner Frau lebt, ist nicht leicht zu finden. Wir halten an einer Tankstelle und fragen einen der Angestellten. Der junge Mann scheint zu glauben, er sei so eine Art James Dean in irgendeinem amerikanischen Roadmovie: Die Stirn unter den nachlässig zurückgekämmten Haarsträhnen ist beständig in rebellische Falten geworfen, die Kippe hängt lässig im Mundwinkel zwischen den aufgeworfenen Lippen. Mit einer Coolness, die er sich von seinem Vorbild abgeschaut haben könnte, holt er sein Handy hervor und erklärt uns auf Google Maps, wie wir zu der Urbanisation gelangen, die sich auf der anderen Seite der Stadt befindet: Wir sollten die Ausfallstraße nehmen, die um die Stadt herumführt, alles andere wäre zu dieser Tageszeit einfach nur Wahnsinn. Er zoomt in die Karte und erklärt ein-, zwei-, und ich weiß nicht mehr wie viele Male mit einer schieren Engelsgeduld, welche Abzweigungen wir nehmen müssten und worauf wir zu achten hätten. Nach einer so sorgfältigen, ja idiotensicheren Unterweisung scheint es fast unmöglich, dass wir uns verfahren. Als wir uns verabschieden, ist er gerade dabei, sich eine neue Kippe anzustecken (und er arbeitet an einer Tankstelle!). Wir bedanken uns, er aber nickt bloß und nimmt einen tiefen Zug. Als wir abfahren, hat er sich bereits des nächsten hilfsbedürftigen Reisenden angenommen.

Eine wahre amerikanische Odyssee

Als wir durch Newark fahren, will ich vor der Kreuzung die Spur wechseln. Die Linie der Fahrbahnbegrenzung ist noch nicht durchgezogen, der Verkehr ist auch nicht allzu dicht – was soll also schon schiefgehen? Ich leite den Spurwechsel mustergültig wie im Fahrschullehrbuch ein: Blinker setzen, Spiegel, Spiegel, Schulterblick – alles frei und los geht’s. Als ich nach rechts ziehe, schert plötzlich von hinten ein Wagen aus der anderen Spur mit sehr hoher Geschwindigkeit genau in die Spur ein, in dich ich auch gerade hineinlenke. Der andere sieht mich nicht und rammt mich in die Seite, dass es nur so kracht. Wir räumen die Kreuzung und klären die Sache abseits der Straße.

Der Schaden ist gering, nur ein paar Beulen sind zu sehen; beide Fahrzeuge sind absolut fahrtüchtig und verletzt wurde Gott sei Dank niemand. Der andere Fahrer regt sich furchtbar auf („My brand new car!“), flucht und ist ganz außer sich, doch er beruhigt sich so schnell, dass es einem schon komisch vorkommt. Und plötzlich wirkt er so entspannt, als hätte er sich eine Extrapackung Chillpills eingeworfen: „Shit happens.“, meint er achselzuckend. Während wir unsere Daten über Fahrzeugpapiere und Versicherungen austauschen, fordert sein Beifahrer, der nun ebenfalls ausgestiegen ist, man solle die Polizei holen. Er macht, um es einmal vorsichtig auszudrücken, einen sehr desolaten Eindruck – unter anderen Umständen als diesen hätte ich vermutet, er habe Drogen genommen. Er trägt ein weißes Unterhemd über der Hühnerbrust und um seinen Hals baumeln mehrere dicke Goldketten. Auf dem Kopf hat er ein Cap wie es Gängsterrapper tragen. Und tatsächlich wirkt er auf mich wie die billige Kopie eines solchen. Der Fahrer, der bis zu diesem Moment tiefenentspannt wirkte, zuckt kurz zusammen und verbietet seinem Kompagnon den Mund: keine Polizei! Er zwingt ihn etwas unsanft auf den Beifahrersitz und dann hat er es auf einmal sehr eilig. Er steigt ins Auto und erklärt etwas gehetzt, er habe es sich anders überlegt und wolle nun doch zur Polizei; eine Polizeistation sei gleich da vorn. Ich könne ja folgen, meint er noch und gibt auch schon Vollgas. Sekunden später taucht er in den Verkehr und dann ist er plötzlich verschwunden.

Ich bleibe etwas perplex zurück. Später, bevor ich den Schaden der Autovermietung melde, sehe ich mir noch mal seine Papiere an (mein Sohn hat mit dem Handy Fotos gemacht). Sein Auto ist nicht so neu, wie er behauptete, sondern in Wahrheit sechs Jahre alt und auch das Kennzeichen des Wagens auf dem Nummernschild stimmt nicht mit dem in den Papieren genannten Kennzeichen überein. Ich kann mir zwar keinen Reim darauf machen, aber ich habe das unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz koscher ist.

Niemand ist verletzt und der Wagen fährt auch noch – das sind gute Nachrichten. Ich hoffe, dass die Pechsträhne beendet ist, aber es muss erst noch schlimmer kommen, bevor es besser wird: In Connecticut, wo wir der billigen Hotels und der schönen Strände wegen einige Tage zu verbringen beabsichtigen, besuchen wir einen Wendy’s Diner (die Schokoshakes sind große Klasse!). Als wir wieder abfahren, bekomme ich im Display die Meldung, dass der Luftdruck im hinteren rechten Reifen zu niedrig sei. Erst glaube ich, dass es sich um eine falsche Meldung handeln muss, aber das rote Licht ist so nervig, dass ich schließlich parke und nachsehe. Und tatsächlich, eine dicke Schraube hat sich durch den Mantel des Reifens gebohrt. Ich kann es sogar zischen hören. Da es schon zu spät ist und die Reifenshops bereits um 18:00 Uhr Feierabend machen, beschließe ich, bis zum nächsten Tag zu warten. Ich suche ein Geschäft für Autoteile auf und lasse mir vom Verkäufer, der so jung ist, dass er locker mein Sohn sein könnte, zu einem Dichtungsschaum raten. Ich fülle den Schaum ein und pumpe den Reifen an der Tankstelle noch einmal gut auf. Und tatsächlich, der Druck hält über Nacht. Am nächsten Morgen ist der Reifen immer noch prall gefüllt. Ich fahre los – nichts passiert -, doch kaum bin ich auf den Highway eingebogen, ist die Luft innerhalb weniger Sekunden aus dem Reifen entwichen und ich habe einen Platten. Ich nehme die erstbeste Ausfahrt und rette mich auf den Parkplatz einer Tankstelle.

Ich habe noch nie eigenhändig einen Reifen gewechselt, aber bekanntlich ist ja irgendwann immer das erste Mal. Das Aufziehen des Ersatzrades geht mir wider Erwarten so leicht von der Hand, als hätte ich mein ganzes Leben lang nie etwas anderes getan. Ein Reifen reicht aber fürs Erste und ich bin froh, als ich den Platten im Kofferraum verstaut habe. Anschließend frage ich den Angestellten des Tankstellenschops, ob ich mir die Hände waschen könnte und wir kommen ins Gespräch: Er sagt, er stamme aus Texas und sei eigentlich nur wegen seiner Frau nach Connecticut gezogen. Aber es gefalle ihm hier nicht. Das Leben sei viel zu hektisch und die Leute seien einfach zu kalt, nicht so wie in Texas. Er freut sich zu hören, dass wir drei Jahre in Texas gelebt haben. Ich sage ihm, dass es uns dort sehr gefallen hätte. Das scheint ihn irgendwie aufzumuntern. Er meint, er und seine Frau wollten fortziehen nach Westvirginia. Dort sei es viel ruhiger. Er spendiert uns noch einen Kaffee und dann fahren wir auf unserem nagelneuen Ersatzrad zum Reifenshop.


Man sollte annehmen, im Autoland USA wäre das Wechseln eines Reifens eine ganz simple Angelegenheit und ein Viertelstündchen müsste mehr als ausreichend sein, um den neuen Reifen aufzuziehen und nebenbei auch noch die anderen Reifen einmal herum zu rotieren – so jedenfalls war es mir aus Texas in Erinnerung geblieben. Nachdem wir dann aber drei Stunden im Tireshop gewartet hatten, beschied man uns, dass kein passender Reifen gefunden werden könnte. Wir sollten uns noch bis zum Abend gedulden – bis dahin würde man uns den passenden Reifen ganz sicher besorgt haben. Am Abend klingelte mich die Werkstatt an, um mir lapidar mitzuteilen, dass es in ganz Connecticut keine passenden Reifen für unseren Wagen gäbe – „Sorry about that.“ Ich setzte mich mit der Autovermietung in Verbindung: Ja, es sei schwierig, passende Reifen für dieses Modell (Chevrolet Malibu) aufzutreiben – als ob wir das nicht schon wüssten. Man bot uns stattdessen einen neuen Wagen an. Allerdings könnten wir das neue Auto nicht in Connecticut entgegennehmen. Vielmehr müssten wir uns bis nach Long Island bemühen.

Nach viertündiger Fahrt kamen wir endlich am McArthur-Airport in Long Island an, wo unser Ersatzauto auf uns wartete. Erschöpft, aber glücklich nahmen wir den neuen Wagen in Empfang. Unsere Frage, ob wir einen Discount erwarten könnten, weil wir doch so viel Zeit und Mühe aufwenden mussten nur wegen eines undichten Reifens, wurde mit der üblichen eingeübten Floskel abgewimmelt: Darum kümmere sich stets die Stelle, bei der das Auto ursprünglich angemietet wurde. Als ich dort anrief, erachtete man es nicht einmal für angemessen, dass ich mein Anliegen einem Mitarbeiter vortrug; man verband mich gleich mit der Mail-Box. Ich unterließ es, eine Nachricht zu hinterlassen.

Irgendwo im Nirgendwo finden wir einen Starbucks. Ich muss erst einmal meine Nerven beruhigen und so beschließen wir, eine kleine Rast einzulegen. Wir bestellen überteuerten Kaffee und einen viel zu teuren Chai latte, dazu nehmen wir noch etwas Kuchen, der auch zu teuer ist und nicht mal schmeckt. Wenigstens gibt es freies W-Lan. Ich buche unser Hotel für die Nacht und dann versuche ich, ein wenig zu entspannen und meinen Chai latte zu genießen, was mir aber nicht gelingen will, da er regelrecht mit Zimt kontaminiert ist (und an der Theke steht noch ein Streuer, aus dem man sich extra Zimt hineinschütten kann). Alles schmeckt nur noch nach Zimt, vom Tee keine Spur. Am Nebentisch sitzen ein paar Jungs, die mit viel zu großen Autos gekommen sind. Sie sind gebräunt wie Fitnessmodels, die Haare haben sie sorgsam frisiert, die Arme sind noch immer ordentlich aufgepumpt vom Workout im Gym. So posieren sie vor den Mädchen, die sie mitgebracht haben, um ihnen einen Kaffee auszugeben, und weil sie vielleicht auch auf mehr hoffen. Die Mädchen haben sich in ultrakurze Pants gezwängt; sie sitzen auf dem Schoß der Jungs und lachen über deren Witze und Neckereien – manche Dinge werden sich wohl niemals ändern, egal wie alt die Welt noch werden mag.

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