Der Hafen am Ende der Welt

Heute muss man sich nicht mehr ein Fischerboot am Strand von Bahía suchen, wenn man zur Isla Corazón übersetzen möchte. Man überquert die Brücke, welche die Mündung des Río Chone in gerader Linie überspannt, und wenn man die Festlandseite erreicht hat, folgt man der Straße nach Süden. Schon nach wenigen Kilometern gelangt man zu einem Flecken namens Puertobelo.

Der poetische Name gibt Anlass zu den schönsten Hoffnungen, aber um in diesem Ort mehr zu sehen als bloß eine Ansammlung von Hütten, bedarf es schon einer überschäumenden Phantasie. Mir drängte sich der Eindruck auf, Puertobelo sei der letzte Hafen vor dem Ende der Welt. Der Fortschritt scheint an diesem Ort vorbeigegangen zu sein und auch die Brücke, über die das Leben und neue Ideen zur Halbinsel fließen, hat ihn nicht beflügeln können. Puertobelo ist ein von der Zeit vergessenes Dorf am Pazifik, wie es viele in Ecuador geben mag.

Doch der erste Eindruck täuscht und wer die Leute nicht fragt, dem bleibt das Geheimnis verborgen: Bis 1998 war Puertobelo ein wichtiger Ausfuhrhafen für landwirtschaftliche Produkte der Region. Schiffe machten an den Kais in Sichtweite der Mangroveninsel fest. Die Fracht wurde entlang der Küste bis nach Manta verschifft. Als wir den Hafen besuchten, lag aber nicht ein einziges Schiff vor Anker. Die Wasserstraße zwischen Hafen und Insel wirkte wie ausgestorben. Man sah keine Fischer, keine Boote, nicht einmal Touristen. Die weite, leere Wasserfläche glänzte magisch in der grellen tropischen Sonne. Auf der anderen Seite lag zum Greifen nahe die Isla Corazón, still und unberührt wie ein wildes Eden.

Bis 1998 war Puertobelo auf den Karten der Küstenschifffahrt als wichtiger Hafen vermerkt, doch dann kam El Niño und unaufhörliche sintflutartige Regenfälle suchten die Küstenregion heim. Die Wassermassen spülten Unmengen an Sedimenten in die Flussmündung. Lag die Wassertiefe im Hafen vor 1998 bei durchschnittlich 25 Metern, so sind es jetzt gerade einmal fünf bis sieben Meter. Für Schiffe, wie sie für den Transport auf dem Meer nötig wären, reicht die Wassertiefe mittlerweile nicht mehr aus. Die Transportrouten haben sich verlagert und Puertobelo gerät immer mehr in Vergessenheit.

Insel im Strom

Die Isla Corazón ist ein über und über mit Magroven bewachsenes sumpfiges Eiland in der Mündung des Río Chone. Der Mündungstrichter des Flusses schneidet durch die Küstenebene und trennt eine gebirgige Halbinsel vom Festland. Die Landzunge ragt wie ein Sporn in den glitzernden Spiegel des Pazifiks und in dem Maße, wie sie sich verjüngt, gewinnt der Strom an Breite. Am äußersten Ende der Halbinsel, gleich einem glitzernden Juwel an der Spitze eines Szepters, liegt Bahía.

Seit einigen Jahren überspannt eine mehrere Kilometer lange Brücke die Mündung des Río Chone und verbindet die Stadt direkt mit dem Festland auf der anderen Seite des Flusses. Wenn man von der Stadt aus dem Chone stromaufwärts folgt und an der Brücke vorbeifährt, gelangt man schon nach wenigen Kilometern zu einer Insel, die wie ein flacher Diskus im Mündungstrichter des Flusses zu treiben scheint. Ihren Namen Isla Corazón, Herzinsel, verdankt sie ihrer Form, doch nur, wenn man auf die Berge hinauffährt, welche die Halbinsel wie ein Rückgrat durchziehen, kann man es tatsächlich sehen: ein grünes Herz, von den braunen Fluten des Río Chone umspült.

Doch das Bild der Naturidylle täuscht, denn die Küste war wie nur wenige Regionen des Landes in den letzten Jahren starken Eingriffen des Menschen ausgesetzt: Die Shrimpzucht mit ihrem unstillbaren Hunger nach Land – man brauchte das Land, um darauf Becken für die Aufzucht der Krebstiere anzulegen – sorgte seit den achtziger Jahren zuverlässig dafür, dass die Magrove allmählich verschwand. Heute findet man sie nur noch in einigen geschützten Naturreservaten – und auf der Isla Corazón.

Zum ersten Mal habe ich Ecuador im Jahre 1992 bereist. Damals erlebte das Land die Hochzeit der Shrimpindustrie – weite Landstriche an der Küste waren von Shrimpfarmern in Beschlag genommen worden. Es herrschte eine Art Goldgräberstimmung: Jeder, der auch nur ein wenig Kapital aufzubringen vermochte, versuchte sich in der Shrimpzucht. Die Methoden, die man damals anwandte, wären wohl schwerlich mit heutigen Umweltschutzbestimmungen vereinbar gewesen; oftmals errichtete man die Farmen sogar illegal. Die Mangrove aber verschwand nach und nach, obwohl sie doch einst fast überall an der ecuadorianischen Küste zu finden war. Unersetzbare Naturreichtümer wurden der Profitgier geopfert, einzigartige Biotope vernichtet.

Damals, 1992, unternahmen wir eine Bootstour zur Insel. So etwas wie Tourismus war in jener Zeit praktisch nicht existent und bei den wenigen Reisenden, die es ins Land verschlug, handelte es sich ausnahmslos um den Typus des Freizeit-Abenteurers. Diese Leute schreckten auch vor Gefahren nicht zurück und der Gefahren waren viele. Man hatte es mit hartgesottenen Typen vom Schlage eines Bear Grylls zu tun – man hätte sie ohne schlechtes Gewissen in einem krokodilverseuchten Sumpf aussetzen können und hätte allenfalls um das Schicksal der Krokodile fürchten müssen. Die Bootstour zur Insel war von einem Freund organisiert, der auf einer Shrimpfarm arbeitete. Bootsfahrten für Touristen gab es damals nämlich nicht, ebenso wenig wie Touristen.

Seit jener Zeit hat sich viel verändert. Zwar wird auch heute noch Shrimpzucht betrieben, aber viele Farmen haben mittlerweile auf ökologische Erzeugung umgestellt – es werden wenig oder gar keine Antibiotika eingesetzt und man verwendet zunehmend Futter aus umweltgerechter Herstellung. Die Erträge sind nun zwar deutlich zurückgegangen, aber merkwürdigerweise sind die Shrimps viel größer und sie erzielen auch höhere Preise. Zugute kommt diese Entwicklung auch der geschundenen Küstenlandschaft, doch darf man bezweifeln, dass es auf absehbare Zeit gelingen wird, die mit Antibiotika und Exkrementen verseuchten Böden zu renaturieren.

Der Tourismus hat seit damals einen gewaltigen Aufschwung genommen und viele kommen hierher, um sich auf der Isla Corazón von den Wundern der Natur und ihrer Schönheit bezaubern zu lassen. Seit vielen Jahren ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel für Naturinteressierte. Mit den zahlreichen Touristen beginnen auch die Einheimischen den Wert ihres Landes zu erkennen.

Exodus zum Dritten

Unsere nächste Wohnung befand sich in einer kleinen Apartment-Anlage in Tumbaco, einer Gemeinde östlich von Cumbayá. Es war uns ein wichtiges Anliegen, eine Wohnung zu finden, die nicht mit dem pflegeintensiven Parkett ausgestattet war. Diese hatte bloß Teppich, aber wie die Vermieterin unserer alten Wohnung ein zwanghaftes Verhältnis zu ihrem Holzfußboden offenbart hatte, so enthüllte diese nun eine geradezu erotische Leidenschaft für ihren Teppich und einen ausgewachsenen Putzfimmel dazu.

Man kann die Apartments wochen- oder monatsweise mieten oder auch für länger und als Langzeitmieter würde man erwarten, dass man von jedweden Belästigungen durch den Vermieter verschont bliebe. Wir fühlten uns aber zeitweise, als hätten wir uns als gerade geduldete Gäste auf der Couch seines Wohnzimmers einquartiert.

Diese Frau hatte tatsächlich die Unverfrorenheit, während unserer Abwesenheit die Wohnung aufzusuchen und die Fenster zu öffnen, um, wie sie anschließend erklärte, für gute Belüftung zu sorgen. Feuchtigkeit setze sich an den Wänden ab und dies könne zu Schimmel führen. Sie heischte fast um Verständnis, als sie mir sagte, dass ich doch sicher nicht die Wände streichen wolle. Soweit käme es noch! Auch schien sie zu glauben, sie könnte bestimmen, wann und wie wir die Wohnung zu reinigen hätten: Tagelang stand demonstrativ der Staubsauger vor unserer Tür, bis ich mich dann doch einmal erbarmte und ihn so geräuschvoll wie möglich benutzte, als ich die Frau in ihrer Wohnung nebenan wusste.

Wir hatten bis Ende des Monats bezahlt, aber als die Vermieterin erfuhr, dass wir ausziehen wollten, drängte sie uns, die Wohnung bereits zwei Tage vor Ende der Mietfrist zu verlassen. Wir wollten ihrem Wunsch so schnell wie möglich entsprechen und daher packten wir in aller Eile unsere Sachen zusammen und verstauten alles bei Freunden. Am Abend luden wir die letzten Habseligkeiten ins Auto. Wir waren entschlossen, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Nur der Schlüssel musste noch abgegeben werden.

Auf der Treppe lief mir die Vermieterin zufällig über den Weg. Ich händigte ihr ohne weitere Formalitäten die Schlüssel aus, drehte mich um und war im Begriff zu gehen. Sie hielt mich aber zurück und bestand darauf, dass wir erst den Teppich besichtigten, um gemeinsam festzustellen, wie teuer eine Reinigung wäre. Als ich dies ablehnte und ich ihr sagte, dass ich jetzt gehen müsste, ließ sie die Maske fallen und erklärte, die Teppichreinigung koste fünfzig Dollar und dieselbe Summe würde noch einmal für die Möbel fällig. Ich sagte, im Mietvertrag stünde nichts von einer Teppich- oder Möbelreinigung und außerdem sei der Teppich immer noch in dem Zustand, in dem wir ihn vorgefunden hatten. Sie behauptete freilich, die Hundehaare müssten mühsam entfernt werden und das koste eben Geld – als ob gründliches Saugen nicht ausreichen würde.

Sie erging sich noch eine ganze Weile darüber, wie teuer die Reinigung der Wohnung wäre und sie ging nicht davon ab, dass wir dafür aufzukommen hätten. Ich hörte ihr zunächst ruhig zu, aber schließlich riss mir dann doch der Geduldsfaden. Ich entschuldigte mich, ich müsste jetzt wirklich los. Um die Sache abzuschließen, sagte ich ihr, ich hätte ihrem Mann die Nummer unserer Anwältin gegeben. Wenn es noch offene Fragen gäbe, sei von nun an unser Rechtsbeistand dafür zuständig.

Der Redefluss der Vermieterin stoppte abrupt. Sie sah mich völlig entgeistert an. Es schien, meine Worte brauchten einige Zeit, um bis in ihr Bewusstsein vorzudringen. „Ihr habt eine Anwältin?“ fragte sie ungläubig. In Ecuador müsse man so etwas haben, entgegnete ich forsch. Dann drehte ich mich auf dem Absatz um und ging einfach. Sie stand einen Augenblick sprachlos, aber dann rief sie mir wütend hinterher, dass es bestimmt meine Frau gewesen sei, die mich zu dieser Sache „angestiftet“ habe. Nun ja, schon möglich. Ich grinste still in mich hinein.

Exodus zum Zweiten

Unsere nächste Wohnung befand sich in Miravalle, das auf halbem Weg zwischen Quito und Cumbayá liegt. Für die kleine Dreizimmer-Wohnung zahlten wir achthundert Dollar, aber dafür kamen wir in den Genuss einer Sicherheit, die in Santa Inés nicht zu finden ist (die Wohnung in Santa Inés hatte übrigens genauso viel gekostet, war aber viel größer und schöner).

Unsere Vermieterin zeigte sich am Anfang von ihrer besten Seite. Sie war überaus freundlich und zuvorkommend. Sie half mir sogar dabei, einen Prüftermin für unser Auto zu bekommen. Allerdings offenbarte sie schon anlässlich unseres ersten Treffens eine geradezu pathologische Leidenschaft für das Parkett: Sie gab mir Pflegetipps und wies mehrfach darauf hin, dass der Holzfußboden beständiger Achtsamkeit und aufopfernder Pflege bedürfe. Ich versprach, ich würde den Fußboden künftig als den Mittelpunkt meines Lebens betrachten.

Unser Verhältnis kühlte dann sehr schnell ab: Hatte sich die Vermieterin am Anfang noch jede Woche mindestens einmal nach dem Befinden und vor allem nach dem Zustand der Wohnung erkundigt – und insbesondere nach dem Parkett (wobei sie nicht müde wurde zu mahnen, wir sollten dem Holzfußboden jedwede Pflege angedeihen lassen), ließ sie schon bald monatelang nichts mehr von sich hören. Nur wenn die Miete einmal einen Tag später als sonst einging, meldete sie sich, denn die Wohnung war über einen Kredit finanziert und die regelmäßigen Mieteinnahmen waren fest im Budget verplant.

Als wir ihr mitteilten, dass wir ausziehen und den Vertrag damit zu kündigen beabsichtigten, flatterte uns schon wenige Tage später eine Forderung über zweitausend Dollar ins Haus. Das Geld, das sie von uns zu erpressen versuchte, sollte offenbar für entgangene Mieteinnahmen entschädigen. In der Zwischenzeit hatten wir uns aber der Dienste einer Anwältin versichert und über diese ließen wir der Frau ausrichten, dass ihre Forderung „absolut illegal“ sei.

Die gesamte Summe mussten wir am Ende zwar nicht zahlen, aber da wir den Vertrag vor den vereinbarten zwölf Monaten kündigten, hatten die Vermieter ein Anrecht auf eine Monatsmiete. In diesem Fall handelte es sich immerhin um achthundert Dollar. Im übrigen sah ich mich auch noch veranlasst, die Wände zu streichen und dem Parkett jene aufopfernde Pflege angedeihen zu lassen, die mich in den Augen unserer Vermieterin zu ihrem Lieblingsmieter gemacht hätte. Doch alle Liebesbekundungen kamen natürlich zu spät.

Die Wohnungsübergabe vollzog unsere Anwältin. Wir wollten die Vermieterin nicht treffen, weil wir ahnten, dass sie versuchen würde, uns in endlose Diskussionen zu verwickeln. Die Anwältin besah sich die Wohnung und fand keine Mängel: Das Apartment war so sauber, als hätte jemand mit Putzzwang die Reinigung vorgenommen, die Wände waren frisch geweißt, das Parkett ebenfalls gründlich gereinigt, gewachst und auf Hochglanz poliert.

In Ermangelung einer Poliermaschine hatte ich einen ganzen Tag auf den Knien verbracht und den Fußboden von Hand poliert. Ich bin überzeugt, so schön strahlte das Parkett nicht einmal als es neu war. Wir machten noch Fotos – zum Beweis, dass wir die Wohnung in ordnungsgemäßem Zustand hinterließen – und suchten dann schleunigst das Weite, denn unseren Vermietern wollten wir auf keinen Fall begegnen.

Am Ausgang der Wohnanlage lief uns freilich der Sohn der Vermieterin über den Weg. Er schien geradezu perplex, uns die Anlage verlassen zu sehen, bevor die Übergabe stattgefunden hatte. Ich gab ihm zu verstehen, dass sich unser Rechtsbeistand um die Details kümmern werde. Später tauchte dann auch noch seine Mutter auf, die eigentliche Vermieterin, und wie befürchtet, versuchte sie unsere Anwältin in eine Diskussion über angeblich noch ausstehende Forderungen zu verwickeln.

Die Coolness unserer Anwältin lässt sich nur schwer überbieten. Kalt wie die Schneekönigin in Andersens Märchen teilte sie der Vermieterin mit, dass die Forderungen, mit denen sie uns beizukommen versuchte, „absolut illegal“ seien, zumal die Wohnung sich, wie man leicht nachprüfen könne, in exzellentem Zustand befände. Eigentlich sah das Apartment jetzt viel besser aus als zum Zeitpunkt unseres Einzugs.

Darauf behauptete die Vermieterin dreist, dass der Fußboden Dellen habe, die man ausbessern lassen müsse, dabei waren wir doch ein Dreivierteljahr auf Strümpfen durch die Wohnung gehuscht. Die Dellen hatten sich schon vorher im Boden befunden, aber wer denkt beim Einzug daran, eine geologische Karte des Fußbodens zu erstellen.

Die Vermieterin drohte mit einer Klage, doch unsere Anwältin ließ sich natürlich nicht einschüchtern und forderte sie sogar noch auf, das Verfahren nur ja schnell in die Wege zu leiten, wohl wissend, dass man die Mittel dafür nicht würde aufbringen können, zumal der Ausgang höchst ungewiss wäre. Am Ende hatte man nichts in der Hand, denn alle Rechnungen waren beglichen und wir schuldeten unseren Vermietern nicht das Geringste. Wir beglückwünschten uns dazu, eine Anwältin mit der Sache beauftragt zu haben. Manchmal trifft man im Leben eben nicht nur falsche Entscheidungen.

Exodus zum Ersten

Ganz gleich, wohin man reist – wenn man längere Zeit zu bleiben beabsichtigt, ist es aus vielerlei Gründen unumgänglich, dass man sich eine feste Bleibe sucht. In der Regel wird man ein Zimmer oder – ist man zu mehreren unterwegs – eine Wohnung mieten. Dann ist es unausweichlich, dass man mit einer ganz besonderen Spezies Bekanntschaft macht: dem Vermieter. Diese Begegnung muss nicht in jedem Fall unangenehm sein, doch nur zu oft ist die Interessenlage der Parteien zu verschieden, als dass ein einvernehmliches Miteinander möglich wäre. Wir haben ein Jahr in Ecuador gelebt. In dieser Zeit sind wir dreimal umgezogen und jedes Mal war es weder ein einvernehmlicher noch ein freundlicher Abschied.

Die erste Zeit wohnten wir in Santa Inés. Das ist ein Stadtteil Cumbayás, eines Vorortes von Quito. Cumbayá hat in den letzten Jahren eine Immobilienhausse ohnegleichen erlebt. Das billige Bauland vor den Toren der Hauptstadt hat die Begehrlichkeit der Oberschicht Quitos geweckt, und wie ein Schwarm hungriger Heuschrecken, die ein grünendes Weizenfeld erspähen, stürzte man sich auf den unbedeutenden Flecken, der Cumbayá damals war (und auch heute noch ist – entgegen den Beteuerungen seiner neureichen Bewohner).

Als wäre eine Art Goldrausch ausgebrochen, begann man vor zwanzig Jahren damit, sich wie im Fieber die aussichtsreichsten Claims zu sichern. Die Bodenpreise sind seither freilich geradezu explodiert und derzeit werden dem solventen Interessenten eine Million Dollar für ein bescheidenes Stück Land abverlangt. Ein Kollege meiner Frau, der die Absicht hegte, sich auf Dauer in Cumbayá niederzulassen, klagte uns einmal sein Leid (die enorme Summe reicht dabei gerade für ein unerschlossenes Stück Land).

Die Teuerung macht sich auch auf dem Mietmarkt bemerkbar. Die Mieten in Cumbayá gleichen denen in Berlin oder übertreffen diese sogar noch. Jedenfalls gelang es uns nicht, in dieser Vorstadtsiedlung ein Apartment zu finden, für das wir ungefähr so viel wie für unsere Wohnung in Friedrichshain zu bezahlen hätten. Was wir für uns als angemessen erachtet hätten, also guter Plattenbaustandard, lag deutlich darüber, und in Wohnungen, die etwa dem Berliner Preisniveau entsprachen, hätten wir nicht leben wollen – zu unsicher, zu abgewohnt, zu klein.

Santa Inés, ein Stadtteil Cumbayás, gilt immer noch als weitgehend ursprünglich. Die angestammte Bevölkerung verteidigt ihren Besitz zäh gegen die Begehrlichkeiten der Invasoren aus Quito. Doch nagelneue Apartment-Häuser, die wie Inseln zwischen den einfachen Eingeschossern aufragen, zeigen an, dass die Gentrifizierung bereits in vollem Gange ist. Von diesen Brückenköpfen nimmt die Invasion der Gutbetuchten ihren Ausgang, und gleich Krebsgeschwüren fressen sich die schicken neuen Wohnanlagen immer weiter ins Stadtbild.

Schon haben die Bessergestellten sich eine neue Kirche bauen lassen. Wie man hört, sei das Gotteshaus fast ausschließlich durch die Spenden „der Reichen“ finanziert worden. Man gibt sich gern fromm, eine Eigenschaft, welche nur noch durch die Bigotterie übertroffen wird, die unter diesen Leuten zu grassieren scheint wie der Aussatz in einer Leprakolonie. Außerdem ist so ein sonntäglicher Gottesdienst die perfekte Gelegenheit zu zeigen, welchen Platz unter den Menschen einem der Herrgott im Himmel zugewiesen hat. Denn zwar heißt es, sein sei das Reich und die Macht und die Herrlichkeit, und zwar sein allein, aber natürlich weiß man, dass der Allmächtige seinen Lieblingen nicht gar zu selten schon zu Lebzeiten gestattet, sich im Glanze seiner Herrlichkeit zu sonnen.

In Santa Inés haben wir nur einige Wochen gewohnt. Unser Apartment war zwar sehr schön, doch hatte der Besitzer kaum für die Sicherheit Sorge getragen. Nach einem Wohnungseinbruch beschlossen wir, uns ein neues Quartier zu suchen. Jeder verständige Hausbesitzer hätte in dieser Situation davon Abstand genommen, die Kaution einzubehalten oder die Miete für einen weiteren Monat zu fordern, zumal der Einbruch erhebliche Sicherheitsmängel offenbart hatte, für die niemand anderer als der Vermieter die Verantwortung trug. Eine weitere Mietzahlung war dennoch eine Zeitlang im Gespräch, denn mit unserem Auszug würden wir den Vertrag, der pro forma eine Mietdauer von einem Jahr vorsah, vorzeitig beenden.

Ich glaube, der Eigentümer des Hauses nahm nur deshalb von seiner unverschämten Forderung Abstand, weil ihm zu dämmern begann, dass er allein die Verantwortung für die offengelegten Mängel trug, welche den Einbruch letztlich erst begünstigt hatten. Jeder Versuch, das Geld einzuklagen, hätte ihn in Erklärungsnot gebracht. Gleichsam als Beweis kann der Umstand gesehen werden, dass er schon wenige Tage nach dem Ereignis hektisch Ausbesserungsarbeiten an sämtlichen Türen und Toren anordnen ließ, wobei er sich nicht zu schade war, selbst Hand anzulegen: Ich sah ihn wie einen Berserker an den Flügeln des Garagentores zerren. Hier hatten sich die Diebe Zutritt verschafft. Das billige Tor hatte einfach nachgegeben. Als wäre er ein Eisenbieger, versuchte der Hausbesitzer, den Stahlstreben ihre ursprüngliche Form zurückzugeben. Der Mann musste wirklich verzweifelt sein.

Paradies in Schokolade

Auf der Suche nach dem Schokoladenland: Wir rechneten damit, dass sich irgendwo hinter Nanegalito die Ausfahrt befinden müsste, die uns direkt nach Mashpi Shungo führen würde, ins süße Land der Schokolade. Aus der Karte, die auf dem Handzettel abgedruckt war, mit dem die Farm für sich warb, ging nicht klar hervor, ob man die Hauptroute vor oder hinter San Miguel de los bancos verlassen sollte. Wir entschieden uns für die Ausfahrt davor und wie üblich war es der falsche Weg: Der Asphalt verschwand schon nach wenigen hundert Metern und von jetzt an bewegten wir uns auf einer Schotterpiste, deren Zustand sich mit jedem weiteren Kilometer zu verschlechtern schien. Doch die Landschaft war ein üppiges tropisches Paradies, wie es den Visionen Henri Rousseaus entsprungen sein könnte.

Über die in sattes Grün getauchte Flur schweifte der Blick in einen scheinbar unberührten Garten Eden. Kolibris, schillernd wie Edelsteine, schwirrten auf der Jagd nach Blüten durch das Blattwerk. Oft kreuzten sie wie bunte Geschosse den Weg und ich fürchtete, sie könnten als Federknäuel auf der Windschutzscheibe enden. Doch sie waren viel zu flink; der trägen Maschine wichen sie mit artistischer Behändigkeit aus.

Die Straße wurde immer schlechter und der zerklüftete Untergrund schaukelte den Wagen derart auf, dass man fürchten musste, hinter der nächsten Biegung in den Büschen zu landen. Zeitweise kamen wir nur mit Schrittgeschwindigkeit voran. So unberührt uns das Land auch erschien, die Gegend war vollständig erschlossen und alle paar hundert Meter kamen wir an einem Tor vorbei, das zu einer Finca führte, deren Herrenhaus sich irgendwo im Hügelland unter undurchdringlichem Grün verbarg.

Eigenartigerweise trugen die Farmen in dieser Gegend ausschließlich englische Namen. Wir fragten später in Mashpi Shungo, was es damit auf sich habe – wir vermuteten, dass Amerikaner das Land gekauft hätten –, und man bestätigte uns, dass der Boden in dieser Gegend tatsächlich im Besitz von Ausländern sei. Ich kann mir zwar beim besten Willen nicht vorstellen, was man in der lähmenden Beschaulichkeit zwischen Orchideen und Kolibris mit seinem Leben anfangen könnte, aber paradiesisch schön muss es sein.

Irgendwann verloren sich die Reste der Straße im dichten Urwald. Unser Weg war nur noch ein Pfad. Eine dicke Laubschicht bedeckte den Boden. Man konnte den Verlauf der Straße nur deshalb noch vage ausmachen, weil dort keine Bäume wuchsen und der Wald gleichsam Spalier bildete. Durch das Halbdunkel unter dem Kronendach führte ein Fluss und irgendwann standen wir ratlos an seinem Ufer. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wo wir uns befanden.

Unten am Wasser waren Männer damit beschäftigt, tote Baumstämme zu zersägen. Wir fragten sie, ob man auf dieser Straße nach Mashpi Shungo komme, aber sie meinten, die Straße sei hier zu Ende – man konnte es unschwer erkennen. Wenn wir weiter nach Norden wollten, müssten wir die Ausfahrt hinter San Miguel de los bancos nehmen. Wir drehten und fuhren zurück. Der Wagen war mittlerweile von oben bis unten mit Schlamm besudelt. Wer uns sah, musste glauben, wir wären gerade von einer amphibischen Expedition durch das Amazonas-Delta zurückgekehrt.

Mit dem nördlichen Abzweig hatten wir mehr Glück. Die Straße war so schön asphaltiert wie in einem Werbeprospekt der BVG und tatsächlich verkehrte sogar ein Bus auf der Strecke. Wir fuhren vorbei an purpurnen Bananenstauden und Bambusdickichten, deren Halme wie gotische Säulenbündel in den Himmel strebten. Die Kronen fächerten zu wahren Gewölben aus. Die Straße wand sich in unzähligen Kurven durch die hügelige tropische Landschaft. Es waren kaum Menschen unterwegs und außerhalb der kleinen Dörfer sah man niemanden. Einmal kamen wir an einen Fluss. Die Wasser rauschten über Stromschnellen ehe der Wald sie wieder verschluckte.

Nach Mashpi Shungo führte ein weiterer Abzweig. Die Straße war nun nur noch ein enger Schotterweg, den man am besten mit einem geländegängigen Fahrzeug befuhr – schade, dass unser Wagen keinen Allradantrieb hatte. Trotz des erbarmungswürdigen Zustandes der Wege und obwohl die Gegend so abgelegen war, sah man plötzlich erstaunlich viele Fahrzeuge. Die meisten, die uns begegneten, schienen hier Besucher zu sein wie wir.

Manche fuhren Autos, wie sie für die Stadt geeignet waren. Diese Urwaldpiste zu befahren, stellte aber ein nicht geringes Wagnis dar. Bei der kleinsten Bodenwelle setzten die Wagen auf und oft blieben sie sogar hängen. Die Fahrer setzten zurück und versuchten es so oft, bis sie schließlich einmal Glück hatten. Das schabende Geräusch ließ nichts Gutes erahnen und die nächste Durchsicht wird vielleicht keine erfreulichen Nachrichten bringen. Ich würde auf jeden Fall nachschauen, ob sich über Nacht ein Ölfleck unter dem Wagen gebildet hat.

Die Straße führte direkt am Ufer des Río Mashpi entlang. Von einer Anhöhe aus, die wie die Tempelpyramide einer untergegangen Kultur über das Kronendach des Waldes emporwuchs, konnte man auf den Fluss blicken. Der Strom kerbte sich wie eine regennasse Allee durch das dichte Grün. In der Ferne, dort, wo das Band des Flusses fast schon wieder vom Wald verschluckt wurde, sah man Badende. Das Bild erinnerte mich an eine Szene aus „Die Mission“ und ich verspürte augenblicklich Lust, im nächsten DVD-Shop eine Raubkopie zu erstehen.

Hin und wieder sah man Leute am Ufer picknicken und Badenden begegnete man mehr als einmal. Eine Hängebrücke überspannte das träge Gewässer, doch der Eigentümer der Finca auf der anderen Seite verbat sich unbefugtes Betreten: Ein Schild machte unmissverständlich klar, dass Besuch nicht erwünscht sei. Auf dem jenseitigen Ufer gibt es keine Straßen und die Bewohner der Häuser, deren Dächer allenthalben aus der dichten Vegetation hervorschauen, müssen erst den Fluss überqueren, wenn es sie danach gelüstet, wieder einmal die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu genießen. Blattschneiderameisen nutzten das Werk des Menschen und transportierten ihre wertvolle Fracht zu den Kolonien am anderen Ufer.

Man findet den Eingang zur Finca nicht leicht, denn anders als die durch ein Heer von Sicherheitspersonal, durch Schranken, Mauern und Stacheldraht gesicherten Wohnanlagen der Städte gibt es hier oft nur ein unscheinbares Tor, das man manchmal sogar erst im Dickicht suchen muss. Nirgendwo finden sich Namensschilder und man sieht auch keine Wächter, die einem verraten könnten, ob man an der richtigen Adresse ist. Es hat den Anschein, man verzichtet auf Sicherheitsmaßnahmen, was in diesem von Kriminalität schwer gebeutelten Land recht seltsam anmutet. Das Tor zur Finca war nicht abgeschlossen und jeder hätte das Grundstück unbeobachtet betreten können.

Ich glaube aber, die Gegend ist zu abgelegen, als dass man unerwünschten Besuch fürchten müsste. Hier, in der spärlich bevölkerten Landschaft des Noroccidente kennt ohnehin jeder jeden und Fremde würden da natürlich schnell auffallen. Außerdem führen die Leute immer eine Machete mit sich – ein unentbehrliches Arbeitsmittel auf dem Feld wie im Wald. Man sollte die Bewohner dieses Landstrichs nicht reizen, denn wenn es sein muss, erweisen sie sich als sehr geschickt darin, dieses einfache Arbeitsgerät als Waffe einzusetzen. In alter Zeit wurden mit der Machete blutige Kämpfe ausgetragen.

Als wir die Finca endlich erreichten, schickte man sich gerade an, Schokolade zu verkosten. Die Führung hatten wir versäumt, aber von der Schokolade wollten wir unbedingt eine Kostprobe. Es war aber nicht weiter schlimm, dass wir nicht an dem Rundgang teilgenommen hatten, denn nach der Verkostung erhielten wir die Erlaubnis, uns auf eigene Faust auf dem Gelände umzusehen.

Die Verkostung fand im kleinen Kreis statt – kaum mehr als ein halbes Dutzend Interessierter hatte sich eingefunden. Präsentiert wurden Handwerksschokoladen, die ohne den in der Industrie üblichen Emulgator Lezithin auskommen und auch ohne Milchpulver. Stattdessen verwendet man ausschließlich hochwertigen Kakao, Kakaobutter und Rohrzucker. Obwohl es sich um dunkle Sorten handelte, schmeckte die Schokolade erstaunlich mild, fast wie Vollmilchschokolade. Durch den hohen Kakaoanteil hatte die Schokoladenasse allerdings nicht die typische cremige Textur der Vollmilchsorten.

Manche der Schokoladen hatten Fruchtfüllungen. Die Früchte, aus denen man sie herstellt, waren mir so wenig bekannt wie das Obst von einem fremden Planeten. Nach Auskunft der Kakao-Farmerin, welche die Verkostung leitete, wächst alles, was man verarbeitet, in der Gegend. Eine Sorte war mit einer Creme aus dem Fruchtfleisch der Kakaoschote gefüllt (das ist die dicke, fleischige Haut, welche die Kakaobohnen umhüllt). Ich hatte die Pulpa schon einmal probieren dürfen, aber erst in der Schokolade erfuhr das säuerlich-fruchtige Fleisch seine wahre Bestimmung.

Ein junges amerikanisches Pärchen fand sich unter den Gästen der Finca und die beiden bestaunten die Schokoladentafeln, als gäbe es so etwas nicht in amerikanischen Supermärkten. Zugegeben, Sortenschokoladen aus Edelkakao muss man lange suchen und solche exquisiten Genüsse, wie die Farm sie offerierte, findet man sicher nicht bei Walmart. Doch es gibt in den Staaten Bio-Supermärkte, die alles in den Schatten stellen, was sich der visionäre Bio-Weltverbesserer aus Deutschland in seinen kühnsten Träumen ausmalen könnte. Es würde mich keineswegs verblüffen, wenn man dort Manufaktur-Schokoladen aus Mashpi Shungo fände. Das Pärchen staunte aber die Schokolade an, als hätte es den Stein der Weisen gefunden. Man war so angetan, dass man gleich ein Dutzend Tafeln kaufte. Wir nahmen auch ein paar mit, aber einige sollten nicht den Abend erleben.

Die Finca ist ein riesiges Gelände, welches mit einem Wald aus Kakaobäumen bepflanzt ist. Allenthalben sieht man Kakaoschoten in allen Reifegraden im Geäst hängen – grün, gelb, rot. Das Hauptgebäude ist eine luftige Lodge, die sich in die Höhe reckt, als wollte sie dem allerorten wuchernden Grün entrinnen. Überall leuchten Blütenstauden in einem geradezu wollüstigen Rot aus dem Blätterwerk.

Wenn man durch den Kakaowald streift, hat man das Gefühl, man sei in einer Art Paradiesgarten. Wohin man blickt, ist spießende Vegetation. Blätter und Blüten treiben so mannigfaltig und farbenfroh aus, dass man nie satt wird, das betörende Gemisch aus Formen und Farben in sich einzusaugen. Ich stelle mir vor, so müsse Macondo ausgesehen haben, bevor es sich unauffindbar im Urwald verlor. Im dichten Wald begreift man, dass die Menschen von der Natur nur auf Zeit geduldet sind und lassen sie in ihren Anstrengungen nach, holt sich die lebenstolle Wildnis zurück, was ihr gestohlen wurde. Aber so lange es Liebhaber der Schokolade gibt, wird die Farm wohl Bestand haben. Jedenfalls wäre zu wünschen, dass noch recht viele Menschen dieses Paradies in Schokolade besuchen.

Eine Oase der Ruhe

Mashpi Shungo ist eine Kakaoplantage nordwestlich von Quito. Wenn man Quito auf der nördlichen Route verlässt, kann man entweder der Panamericana folgen, die einen über Otavalo, Ibarra und Tulcán bis zur kolumbianischen Grenze führt, oder den Abzweig nach Westen einschlagen. Diese Route führt vorbei an der Mitad del mundo, der Mitte der Welt, und über Calacalí und Nanegalito gelangt man schließlich nach San Miguel de los bancos. Hat man diese Stadt hinter sich gelassen, nimmt man die Ausfahrt nach Norden. Ein weiterer Abzweig führt schließlich nach Mashpi Shungo.

Von der Kakaofarm hatten wir nur zufällig erfahren: Seit langem waren wir auf der Suche nach einem Ort, an dem unsere gestressten Seelen Ruhe finden könnten. Wenn man nicht gerade auf dem Lande lebt, ist der Alltag in Ecuador oft genauso stressig wie in Deutschland und manchmal ist es einfach notwendig, eine Auszeit zu nehmen, will man nicht im tagtäglichen Kampfeinsatz verschleißen. Es versteht sich von selbst, dass ein stilles Refugium nur halb so schön ist, wenn man dort nicht auch einen guten Kaffee genießen und sich an Backwerk laben könnte, welches das Potential hat, einen in die diabetische Abhängigkeit zu treiben. In Cumbayá gibt es „Sweet & Coffee“ und „Juan Valdez“ und der Kaffee dort stellt auch den anspruchsvollen Liebhaber des koffeinhaltigen Elixiers zufrieden, aber wirklich entspannen kann man in der belebten Fußgänger-Passage eines großen Einkaufstempels natürlich nicht.

Mitten in Cumbayá, jenseits der Hauptstraße und gut geschützt durch Mauern, findet sich ein idyllisches Fleckchen von einem Café, wie man es hierzulande nur selten antrifft. Das „Uvi“ ist im Grunde nichts als ein hölzerner Bungalow mit einer überdachten Veranda davor. Doch der Ort ist ruhig und schön und er versprüht einen ganz eigenen Charme, an den man sich nur zu gern verliert.

Das Café offeriert seinen Gästen fast ausschließlich Produkte aus ökologischer Erzeugung. Natürlich gibt es Kaffee, guten Kaffee. Die Angestellte (vielleicht war es auch die Besitzerin) gestand, dass es schon ein ziemliches Weilchen gedauert hätte, bis man einen anständigen Kaffee auf Espressobasis zu extrahieren verstand. Und der Kaffee ist wirklich exzellent – das lange Üben hat sich am Ende bezahlt gemacht. Ich hoffe, dass die Experimentalphase nicht zu viele Menschen in die Kaffeeabstinenz getrieben hat.

Das Ambiente versprüht den Charme des Provisorischen, aber man kann davon ausgehen, dass es den Betreibern wichtig war, sich in irgendeiner Form von den großen Kaffee-Ketten abzugrenzen. Würde die Welt untergehen und hätten zufällig (und gegen alle Wahrscheinlichkeit) ein paar Kaffee-Aficionados und auch der Kaffeestrauch überlebt, sähen die Cafés der Postapokalypse wahrscheinlich aus wie das „Uvi“.

Die Atmosphäre ist alternativ, feministisch, esoterisch, fernöstlich-spirituell und vielleicht noch eine ganze Menge mehr. Obgleich nicht weit von der Hauptstraße Cumbayás entfernt, lädt dieser Ort zu Ruhe und Besinnlichkeit ein. Dazu passt, dass es vor dem Haus eine Rasenfläche gibt, auf der man die Gäste manchmal liegen und wie verzückt in den blauen Himmel starren sieht. Der Kaffee ist zwar gut, aber so gut, dass er einen geradewegs ins psychedelische Nirwana schicken könnte, ist er nun auch nicht.

In den Auslagen findet der Gast Handzettel und Werbeflyer, die von Kosmetik bis hin zu Naturwanderungen und Übernachtungsmöglichkeiten in Ecolodges auf so ziemlich alles aufmerksam machen, was sich mit dem Zusatz „alternativ“ bzw. „ökologisch“ versehen lässt. Einer dieser Handzettel warb für Mashpi Shungo, eine ökologische Kakaofarm nördlich von Quito. Auf der Finca werden regelmäßig Führungen mit anschließender Verkostung veranstaltet, und natürlich kann jeder Besucher nach Herzenslust Schokolade kaufen, vorausgesetzt, die Preise treiben ihn nicht vorher in den Wahnsinn. Zumindest einmal wollten wir eine echte Kakaofarm sehen und deshalb meldeten wir uns für einen Besuch an.

Kakao & Co.

Ecuador ist nicht nur ein Bananenimperium – das Land ist der weltgrößte Exporteur –, sondern gilt auch als der größte Produzent von Edelkakaos. Edelkakaos machen nur etwa fünf Prozent der gesamten Weltproduktion aus, aber davon bestreitet Ecuador allein schon drei Fünftel. Kakao hat seit der Erringung der Unabhängigkeit von Spanien immer wieder die Geschicke des Landes bestimmt, doch die Zeiten, da mächtige Kakaobarone sich in die Politik einmischten und versuchten, dem Land ihren Willen aufzuzwingen, sind lange vorbei. Heute heißt der Kakao Öl und die Förderung ist fest in staatlicher Hand.

Bei der Herstellung von Schokolade verlässt man die eingetretenen Pfade: Statt auf Massenware zu setzen, hat man sich auf Sortenschokoladen, vorzugsweise aus Edelkakao, spezialisiert. Die letzten Jahre haben einen wahren Kakaoboom gesehen. Dutzende Labels, die Handwerksschokoladen aus erlesenen Kakaosorten vertreiben, sind buchstäblich aus dem Boden geschossen. Oft handelt es sich um Manufakturen, in denen ein Großteil der Arbeit noch tatsächlich von Hand erledigt wird.

Ein schönes Beispiel ist „Cacao & Cacao“, ein Unternehmen, das eine Kette kleiner Cafés in Quito betreibt. Man kann dort edle Schokoladen und hochwertige ecuadorianische Kaffees aus eigener Röstung kaufen, aber der eigentliche Star ist die heiße Schokolade, die so gut ist, dass man nach dem Genuss schon fast sein Leben überdenken möchte. Als meine Frau mich vor der Tasse sitzen und versonnen die Rose anstarren sah, die der Barrista in den Schaum gezaubert hatte, mochte sie wohl glauben, ich wäre versucht, eine Wahl zwischen ihr und der Schokolade zu treffen. Ich gestehe, ich hatte noch eine zweite Tasse, doch dann war die Liaison beendet – nur eine schnelle Affäre, mein Schatz, nichts Ernstes.

Zum ersten Mal habe ich Ecuador im Jahre 1992 bereist. Damals begegnete einem ein gänzlich anderes Land und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich wunderte und wie bestürzt ich darüber war, dass man nirgendwo hochwertige Schokolade aus einheimischer Herstellung kaufen konnte. Zwar fand man in den Regalen der Supermärkte auch schon damals die Produkte der großen internationalen Produzenten wie Nestlé oder Hershey, aber die Vielfalt der Sorten aus einheimischer Produktion, wie sie der Schokoladenliebhaber heute genießen kann, suchte man vergeblich.

„Manícho“ gab es natürlich schon viel länger, wahrscheinlich sogar schon zu Zeiten der Clovis-Leute, und die genaue Lage der Mine, in der Schokoladensüchtige die Tafeln mit bloßen Händen aus dem Gestein kratzen, ist nach wie vor ein streng gehütetes Geheimnis. Manícho ist eine Vollmilchschokolade mit gerösteten Erdnüssen (Maní y Chocolate – Manícho), nichts Besonderes also, aber ich liebe den Stoff, der mich schon so manches Mal vor dem Hungerkoma bewahrt hat.

Ich kann bezeugen, dass man mit einem Manícho im Bauch auch die größte Herausforderung besteht, die dem Reisenden in diesem an Herausforderungen nicht armen Land begegnen kann: den Besuch der Shopping-Mall mit der Partnerin. So ein Manícho baut auf und hebt die Stimmung. Und einen Stimmungsaufheller braucht man unbedingt, wenn man fühlt, dass einem zwischen Boss und Banana Republic (was für ein passender Name im Land der Banane) allmählich der Verstand abhanden zu kommen droht.

Neben Andrés Gómez und Jefferson Pérez waren in meinem Bewusstsein stets drei Dinge verankert, für die Ecuador berühmt ist: Bananen, Kaffee, Kakao. Wie Manícho gab es natürlich auch Bananen oder Guineos, wie sie hierzulande genannt werden, schon lange und seit der Erfindung des Kühltransports ist Ecuador zum weltgrößten Exporteur der gelben Früchte aufgestiegen. So mancher ecuadorianische Austauschlehrer im Ausland musste sich schon von seinen Schülern fragen lassen, ob er in der Bananenkiste eingereist sei (Wir haben so gelacht, während meine Frau mit verkniffenem Mund daneben stand und grollte). Aber das ist eine der vielen Wahrheiten dieses Landes: Ecuador, das sind vor allem Bananen (und neuerdings auch Öl).

Kakao und Kaffee haben erst in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Auf meiner ersten Reise 1992 war es unmöglich, irgendwo guten Kaffee zu bekommen, und ich weiß noch genau, wie enttäuscht ich darüber war. Merkwürdig genug, schien dieses Manko keinen Ecuadorianer wirklich zu bekümmern. Heute ist das natürlich anders: Kaffeehaus-Ketten breiten sich im ganzen Land aus und gepflegte Cafés, aus denen einem der köstliche Duft frisch gerösteter Bohnen so unwiderstehlich wie eine Überdosis Pheromone in die Nase steigt, finden sich mittlerweile zumindest in jeder größeren Stadt (siehe auch meinen Blogpost „Leder, Pilger und Kaffee“).

Die Edelkakaos, die auf den fruchtbaren Böden des Landes gedeihen, werden überwiegend zu nicht weniger edlen Handwerksschokoladen oder zu Sortenschokoladen verarbeitet. Wie beim Kaffee bestimmen nämlich Sorte, Bodenqualität und Klima das Aroma. Beim Wein spricht man vom Terroir, bei Kakao haben sich solche subtilen Unterscheidungskriterien aber nicht eingebürgert, auch bedingt durch den Umstand, dass Schokolade aus industrieller Massenfertigung die feinen Nuancen des Aromas entbehrt. Doch es sind nur die Connoisseure, die solche Feinheiten zu schätzen wissen. Dem Schokoladensüchtigen kommt es lediglich darauf an, seine Synapsen mit der täglichen Dosis Glück zu fluten, die der Genuss des theobrominhaltigen Stoffes verheißt.

Ganz überwiegend handelt es sich bei den Chocolates artesanales, den Handwerksschokoladen, um dunkle Sorten, die einen unverfälschten Schokoladengenuss gestatten, ohne den im wahrsten Sinne des Wortes bitteren Nachgeschmack, den man beim Verzehr von Industrieschokoladen aus Massenproduktion oft zu gewärtigen hat – dunkle Sorten aus Edelkakao schmecken erstaunlich mild und vermögen selbst eingefleischte Liebhaber der Vollmilchschokolade zu verführen.

Solche edlen Genüsse haben natürlich ihren Preis, aber bevor man sich darüber echauffiert, darf man nicht vergessen, dass Schokolade ein Genuss- und kein Grundnahrungsmittel ist und deshalb nur zu seltenen Anlässen und in kleinen Mengen genossen wird. Wer es sich leisten kann und leisten möchte, darf die Edeldroge natürlich auch gleich tafelweise essen, was umso leichter fallen wird, da Manufakturschokoladen meist nur als handliche Vierzig-Gramm-Tafeln angeboten werden.

Leeres Land am See

Bevor wir nach Cumbayá zurückkehrten, machten wir noch einen Abstecher zur schönen Laguna de Papallacta. Der stille See liegt eingezwängt zwischen grünen Hängen, als würden die Berge versuchen, ihn zwischen sich zu zerquetschen. Eine Straße führt am Ufer entlang und über die steile Uferböschung kann man über langmähnige Wiesen zum Wasser hinabsteigen. Eine Familie machte gerade am Seeufer Picknick und oben an der Straße hatte sich ein ganzer Autokorso aufgereiht. Die Leute genossen den Blick über den See, während sie ihre Snacks vertilgten. Ein paar Jugendliche, Einheimische wie es schien, lungerten an der Straße herum, trieben Schabernack und hatten Spaß.

Das Seeufer war schlammig und das Wasser wirkte trübe und kalt. Das war nicht der See, in dem man gern baden würde. Trotz der vielen Menschen, die man überall auf der Straße und am Ufer sah, wirkte die Landschaft einsam. Traurigkeit lag über diesem Bild und man fühlte sich wie ein Fremder in einem fremden leeren Land. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man hier je heimisch werden könnte. Man fühlt ganz deutlich, dass der Seele irgendetwas fehlt. Irgendetwas mangelt dieser Landschaft, nur vermag man nicht zu sagen, was es ist. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten, stiegen wir ins Auto und fuhren nach Hause.

Badekultur

Papallacta ist ein kleines Städtchen, das verlassen im Talgrund zwischen hohen Bergen liegt. Es gibt nicht viel zu entdecken und kaum etwas zu sehen. Der Strom der Touristen fließt zuverlässig an diesem Ort vorbei, denn die eigentliche Attraktion sind die Thermen. Wir hielten kurz und ich kaufte mir eine Tüte Caña de azucar, geschnittenes Zuckerrohr. Man kann den süßen Saft auskauen und tatsächlich erinnert der Geschmack ein wenig an braunen Rohrzucker. Schade, dass man frisches Zuckerrohr nicht in Deutschland bekommt.

Die Thermen liegen etwas oberhalb der Stadt und wenn man dorthin gelangen möchte, muss man eine Ausfahrt nehmen. Die Hauptstraße kerbt sich durch den Ort wie ein Messer durch eine Torte und die Ausfahrt schwingt sich irgendwann unvermittelt als scharfe Rechtskurve in die Höhe. Nicht wenige verpassen sie und ist man erst einmal vorbeigefahren, kann man nicht wieder zurück. Vielmehr ist man gezwungen, einer schmalen Einbahnstraße zu folgen, einer Schotterpiste, die zunächst um die steile Flanke eines Berges herumführt und schließlich in einen Rundkurs mündet. Man braucht eine Viertelstunde, ehe man wieder am Ausgangspunkt angelangt ist. Doch eigentlich ist das kein Drama, weil die Strecke eine Vielzahl landschaftlicher Glanzpunkte bietet, und am Ende ist man sogar froh darüber, diesen idyllischen Abzweig gefunden zu haben.

Einige Besucher ignorierten freilich die Schilder, drehten und befuhren die Straße als Geisterfahrer. Ich weiß nicht, wie es ihnen überhaupt gelingen konnte zu wenden, denn die Straße war so schmal, dass man schon in die Büsche fahren musste, wenn man einem entgegenkommenden Fahrzeug nur ausweichen wollte. Zwar setzten sie sich der Gefahr aus, den steilen Hang herunterzustürzen (oder andere über die Klippen zu schieben), aber zumindest hatte man wieder unglaublich viel Zeit gespart. In den menschenleeren Anden kommt es nämlich auf jede Minute an. Que gente!

Als wir dann endlich auf dem Parkplatz der Thermen eintrafen, ahnten wir bereits, dass dies kein vergnüglicher Ausflug mit unbeschwertem Badespaß werden würde: Der Parkplatz war so dicht zugestellt wie die Parkfläche vor dem Olympiastadium während des Pokal-Endspiels. Ich kurbelte den Wagen durch die engen Gassen bis ich fast schon aufgeben wollte, als ich wundersamerweise doch noch einen freien Platz fand – offenbar der letzte weit und breit.

Wir spazierten ein wenig durch die Anlage. Die Thermen erweckten ganz den Eindruck eines touristischen Knotenpunktes. Das Gelände war so überlaufen wie die Stadtparks in Berlin zu Ostern, wenn die Leute zur Eiersuche ausschwärmen. Die weitaus meisten Besucher schienen Ecuadorianer zu sein, wenn man auch hin und wieder in der Menge die typischen Attribute des abenteuernden Auslandstouristen ausmachen konnte: Cargohosen, Trekkingstiefel und der große Wanderrucksack, vorzugsweise in Tarnfarben. Viel Vergnügen bereitet so ein Ausflug nicht, zumal man manchmal das Gefühl hat, wie ein Lachs zur Laichwanderung inmitten eines dichten Stroms aus Lachsen zu schwimmen.

Wir ließen uns mit der Menge treiben und irgendwann standen wir vor dem Eingang zu den Thermalbädern. Ich schickte meine Frau vor, weil ich keine Lust auf Kuscheln zwischen fremden Leibern hatte. Die Wartezeit betrug zwei bis drei Stunden. Mehrere Dutzend Besucher hatten sich vor uns angemeldet und zwei bis drei Stunden war natürlich nur eine Schätzung. Es hätte auch länger dauern können.

Von der überfüllten Lobby aus warfen wir einen Blick ins Innere, um abzuschätzen, ob sich die lange Warterei überhaupt lohnen würde: Man sah ein halbes Dutzend flacher Becken, in denen die Menschen erschlafft wie nach einer römischen Orgie lagen. Wahrscheinlich hatte sie das heiße Thermalwasser regelrecht paralysiert, denn sie trieben so bewegungslos in den Pools wie die Olive im Martini. Man sah überwiegend Ältere die arthritischen Leiber in diesen Quell der ewigen Jugend tauchten, wohl in der Hoffnung, dass das warme, mineralreiche Wasser ihren steifen Gliedern die Geschmeidigkeit der Jugend wiederzugeben vermöchte. Der Bäderbereich erinnerte an die Saunalandschaft irgendeiner großen Therme in Brandenburg, aber darüber hinaus gab es eigentlich nicht viel, dessentwegen ein Besuch gelohnt hätte. Ach ja, Handtuchservice gab es auch.

Wir entschieden uns dagegen zu warten. Auf der anderen Seite des Geländes befindet sich noch ein zweites Bad, und diese Anlage erinnert eher an ein richtiges Schwimmbad. Hier können Kinder auch einmal toben, ohne den Unmut der älteren Badegäste zu erregen. Und man ist auch nicht gehalten, die ganze Zeit über im Wasser zu sitzen, als wäre man eine Kaulquappe. Wir warfen einen Blick hinein – normaler Badebetrieb; nichts, was man nicht schon Hunderte Male an Berlins Seen und in seinen Schwimmbädern erlebt hätte. Doch in Ecuador gibt es keine öffentlichen Badeanstalten und nur Verrückte oder Selbstmörder würden auf die Idee kommen, sich in die kalten Seen der Anden zu werfen. Eine Badekultur, wie man sie etwa aus Berlin mit seinen vielen Freibädern gewohnt ist, kennt man hier nicht, und wenn man doch einmal ins Wasser will, muss man schon an die Strände des Pazifiks fahren.

Ein großes Schwimmbecken ist für viele fast schon eine Sensation. Nicht für mich – im Sommer kann ich jeden Tag an den Orankesee fahren und im Winter könnte ich immer noch eines der zahlreichen Schwimmbäder in der Stadt besuchen. Papallacta liegt ziemlich hoch in den Bergen und deshalb kam es uns zuweilen recht kühl vor. Wenn man nicht frieren will, muss man eben doch dauernd im warmem Wasser sitzen, und nach einer Stunde hat man dann ohnehin genug. Mir war die Lust auf Freibad vergangen. Ihren Mienen konnte ich ablesen, dass meine Frau und mein Sohn nicht anders empfanden.

Wir suchten an diesem Tag noch ein Restaurant auf und spazierten noch ein wenig durch die Bäderanlage. Wirklich viel zu sehen gab es eigentlich nicht. Der Reiseführer hatte insofern die Wahrheit verkündet, als die ganze Anlage bis zur letzten Fliese internationalem Standard entspricht. Ein Tourist aus Europa oder aus den USA findet hier dasselbe angenehme Ambiente vor, wie er es für eine ähnliche Einrichtung zuhause erwarten könnte. Man war so sehr bemüht, die Bäderanlage internationalen Maßstäben anzugleichen, dass man sich fragt, was hier eigentlich noch ecuadorianisch sein soll. Man könnte Urlaub in irgendeinem Wellness-Hotel im Spreewald machen und würde kaum einen Unterschied feststellen (abgesehen natürlich von der Landschaft). Auch die Preise würden sich wahrscheinlich kaum unterscheiden, denn für eine Übernachtung in einem der kleinen Hotels zahlt man um die zweihundert Dollar. Dafür darf man dann aber auch die hauseigenen Pools nutzen, die jedoch oft so klein sind, dass sie eher großen Badewannen gleichen.